Aktive Medienarbeit

...der „Königsweg der Medienbildung"

Aktive Medienarbeit gilt schon lange als der "Königsweg der Medienpädagogik". Die Unzufriedenheit mit der ausschließlich sprachlich-analytischen und zumeist lehrerzentrierten Kritik an den Massenmedien war ein entscheidender Anstoß für das pädagogische Interesse an aktiver Medienarbeit.

Die (medien)pädagogische Begründung für "Aktive Medienarbeit" reduziert sich jedoch nicht auf den Beitrag zur Medienanalyse und Medienkritik und sollte auch nicht darauf reduziert werden.

  • Aktive Medienarbeit als der produzierende und gestaltende Umgang mit Medien kommt in besonderer Weise den Forderungen nach einem Lernarrangement entgegen, durch das die Aktivität der Lernenden gefördert und strukturiert wird.
  • Die Kompetenz, sich über Medien zu artikulieren, ist eine wichtige Voraussetzung zur aktiven Beteiligung am gesellschaftlichen Willensbildungsprozess (Herstellen von Öffentlichkeit für bestimmte Fragen und Probleme, Selbstdarstellung in der Öffentlichkeit).
  • Der aktive Umgang mit Medien eröffnet Ausdrucksmöglichkeiten, die der individuellen und ästhetischen Selbstverwirklichung dienen (ästhetisch-kulturelle Praxis).
  • Aktive Medienarbeit intensiviert durch die Recherche vor Ort und die Bearbeitung der "Medienprotokolle" die Auseinandersetzung mit der Umwelt.
  • Die gemeinsame Arbeit an einem Medienprodukt bietet sich auch als inhaltlicher und formaler Rahmen für Bearbeitung von Gruppen-, Lebens-, Alltagssituationen an (sozialpädagogische Intervention).
  • Aktive Medienarbeit stellt eine besondere Form des projektorientierten bzw. produkt- und handlungsorientierten Lernens dar.

Die Integration vielfältiger Informationsarten (Text, Grafiken, Illustration aller Art) und die hypermediale Verknüpfung von Websites eröffnet vielseitigere Möglichkeiten als ein Videofilm, eine Tonkassette oder eine Ausstellung/Wandzeitung. Nicht zufällig bieten sich Multimediaproduktionen daher offensichtlich für die Aufarbeitung historischer und ökologischer Themen an bzw. fördern eine multiperspektivische Auseinandersetzung mit einer Thematik.

Im Hinblick auf "Medienkompetenz" käme zu den bisherigen medienpädagogischen Argumenten, die auf die kompetente Nutzung der Massenmedien zielen, das Argument hinzu, dass sich das individuelle "lebenslange Lernen" zunehmend über Multimedia abspielen wird. Wenn man sich Einsichten über die Struktur und Leistungsfähigkeit von Medien am besten durch Produktion und Gestaltung von Medien aneignet, dann trifft dies auch auf Multimedia zu.

Das Aufarbeiten der pädagogischen Tradition aktiver Medienarbeit, die im Rahmen der reformpädagogischen Ansätze bis in die 20er Jahre zurückreicht,  macht deswegen Sinn, weil man damit Anschluss findet an die aktuelle Diskussion über Schulentwicklung. Die Nähe der "Aktiven Medienarbeit" zu pädagogischen Leitideen und Konzepten wie "Öffnung von Schule und Unterricht" und "Erfahrungs- und Lebensweltbezug" liegt auf der Hand.

 

Entwicklung von Standards

Aktive Medienarbeit eröffnet Freiräume, kann aber ohne entsprechende Medienkompetenz zur Beliebigkeit verführen. Solange nur Printmedien, Fotografie, Videofilm, Tonaufzeichnungen, Wandzeitungen oder Schultheater zur Verfügung standen, musste man s ich von Fall zu Fall entscheiden. Jetzt ist alles kombinierbar: Umso wichtiger wird die Fähigkeit, die "produktive Differenz" zwischen Medien zu erkennen und zu nutzen.

Aktive Medienarbeit befördert nur dann Medienkompetenz, wenn an die Multimediapräsentation oder die Videocollage und Wandzeitung, an den Videoclip oder das Hörspiel ebenso selbstverständlich qualitative Ansprüche formuliert werden wie z. B: an eine Inhaltsangabe oder den mündlichen Vortrag eines Gedichts und das Medienprodukt an den Anforderungen des Kommunikationsprozesses und den Möglichkeiten des Mediums gemessen werden.

Die spezifische Qualität aktiver Medienarbeit entfaltet sich erst, wenn der Produktionsprozess durch die Veröffentlichung des Medienprodukts abgeschlossen wird. Erst durch die Veröffentlichung erhält die Arbeit am Produkt Ernstcharakter, erst über die Reaktion der Adressaten erhält man Distanz zur eigenen Arbeit und erschließen sich Einsichten über Angemessenheit der gewählten Vermittlungsform.

 

Traditionslinien

„Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort, baut das Kind die makellose Zeile auf, die bald das endgültige Druckwerk liefern wird."
(Célestin Freinet, Reformpädagoge der 1920er)

Aktive Medienarbeit hat in der Schule eine Tradition, die im Rahmen der Schulfotografie und Schülerfilmarbeit bis in die 20er Jahre zurückreicht. Hier gibt es Traditionslinien, die z. B. auf Kunsterzieherbewegung mit ihrer Entdeckung des "Schöpferischen" im Kinde und der Betonung der Eigentätigkeit verweisen. Andere Traditionslinien führen zur Arbeitsschulbewegung und zur Projektmethode. Was ist Medienanalyse durch aktive Medienarbeit anderes als "Learning by doing". In der Freinet-Pädagogik wird der Buchdruck, gekoppelt mit Linolschnitt für die Bilder, zum Medium für aktives und arbeitsteiliges Arbeiten und Lernen. Freinet knüpft am Mitteilungsbedürfnis der Schüler an -heute würde man von der Förderung kommunikativer Kompetenz sprechen.

In Freinets Begründung für die Arbeit mit der Schuldruckereien - und anderen Medien wie Filmkamera und Tonbandgeräte - finden sich die wesentlichen pädagogischen Argumente, die auch heute für die Nutzung von Multimedia und Internet sprechen. Es ging Freinet um das Lernen in Sinn- und Sachzusammenhängen, es ging um die kritische Distanz im Umgang mit den Massenmedien, zu denen er auch die Schulbücher zählte, und es ging ihm um Öffnung von Schule und um Schülerorientierung:

"Der wesentliche Vorteil der Schuldruckerei besteht nicht, wie einige glauben könnten, in der Originalität der Handarbeit [...] Die wirklich folgenreiche Unterstützung, die unsere Technik der Pädagogik bietet, ist die Möglichkeit, unseren Unterricht zu modernisieren, indem wir in der Schule die Kommunikationsmittel zwischen Individuen benutzen, die uns die Zivilisation gegenwärtig zur Verfügung stellt." (Freinet 1963, S. 77)

Trotz dieser Tradition und der pädagogischen Legitimation findet aktive Medienarbeit bis heute jedoch nicht als Teil des Regelunterrichtes und integriert in fachdidaktische Konzepte, sondern in Arbeitsgemeinschaften, im Rahmen von Projekten, während eines Schullandaufenthaltes oder bei Klassenfahrten statt.

Das Besinnen und Aufarbeiten auf die im engeren schulpädagogische Tradition aktiver Medienarbeit macht deswegen Sinn, weil man damit unmittelbarer Anschluss findet an pädagogische Leitideen und Konzepten wie "Öffnung von Schule und Unterricht" und "Erfahrungs- und Lebensweltbezug", die auch in der aktuellen Diskussion über Schulentwicklung eine Rolle spielen.

Wie sich aus Beispielen aus der Unterrichtspraxis zeigen lässt, setzt aktive Medienarbeit fächerübergreifende Zusammenarbeit und offenere Formen der Unterrichtsorganisation voraus. Da dies so ist, fristete aktive Medienarbeit in der herkömmlichen Schule eine Nischenexistenz. Damit ergeben sich aus der Diskussion um Schulentwicklung und veränderte Lernkultur neue Chancen für die aktive Medienarbeit -und bietet aktive Medienarbeit Chancen für die Schulentwicklung.

 

Comics multimedial

NiBiS

Comics multimedial

Materialien zur medialen Arbeit mit Comics, die schulformübergreifend und in allen Jahrgängen eingesetzt werden können. Ideal ist eine Arbeit im fachübergreifenden Bereich, etwa in AGs oder in projektorientierten Arbeitszusammenhängen. Mit Hilfe von Figurentools können unter Power Point mit recht wenigen Bedienungsanweisungen professionell aussehende Comics realisiert werden. Das NLQ-Comic-Board bietet dabei erste Vorstrukturierungsmöglichkeiten. Lesen Sie mehr
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