Armut und Reichtum in Deutschland

 „Deutschland ist ein geteiltes Land. Die Grenze verläuft allerdings nicht auf der Landkarte, sondern auf den Kontoauszügen: Es ist die Grenze zwischen den Reichen und dem großen Rest. Eine solch extreme Vermögensverteilung ist obszön."
Jörn Kalinski, Oxfams Kampagnendirektor

Nach aktuellen Berechnungen der Entwicklungsorganisation Oxfam verfügen allein die fünf reichsten Deutschen mit über 101 Milliarden Euro über ebenso viel Vermögen wie die unteren 40 Prozent der Bevölkerung zusammengenommen – rund 32 Millionen Menschen (2014). Die zunehmende Polarisierung Armut – Reichtum wird aber offenbar von vielen Menschen einfach als unabdingbar hingenommen. Für Medienbildung und politische Bildung gleichermaßen ein Thema ist, in wieweit auch die Berichterstattung in den Medien mit dafür verantwortlich ist, die Proportionen zu verdecken.


 

Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat seit 2001 fünf Armutsberichte vorgelegt. Ziel der Berichterstattung soll in erster Linie sein, die Situation der „Armut“ in Deutschland darzustellen und politische Handlungsoptionen aufzuzeigen. Der Bericht soll über die Armut hinaus auch die Verteilung des Reichtums in der Bundesrepublik beschreiben.

Reiche reicher, Arme ärmer

„Um eine nationale Debatte über die Kluft zwischen Arm und Reich in Gang zu setzen und politische Gegenmaßnahmen anzustoßen, müsste die Regierung in ihrem Bericht einräumen, dass die soziale Spaltung aus einer Zangenbewegung resultiert: Denen "da unten" wurde seit der Jahrtausendwende mehr Druck gemacht, die "da oben" wurden langfristig entlastet. (…)

Das hatte zwangsläufig zur Folge, dass die Reichen reicher und die Armen zahlreicher wurden. Der fünfte Armuts- und Reichtumsbericht gleicht angesichts dieser Tendenz zur sozialen Spaltung einer Beruhigungspille.“
Christoph Butterwege: Zensiert und geschönt, Zeit online 12. April 2017

 

Die Welt dagegen stellt diese Aussage in Frage bzw. relativiert sie erheblich. Und dies mit dem Anspruch "Wahrheiten" zu berichten. Ganz anders sieht dies der Journalist Jens Berger!


 

"Wem gehört Deutschland?“
Die wahren Machthaber und das Märchen vom Volksvermögen.

Im Medienportal Merlin steht der Vortrag, den Jens Berger im Mai 2016 im Medienhaus Hannover gehalten hat. zur Verfügung. Das Video ist gegliedet in drei Teile:

  1. Ein Blick auf die Vermögensverteilung" (11:19 Min),

„Deutschland weiß zwar fast alles über seine Armen, die statistisch gründlich durchleuchtet werden, über seine Reichen wissen wir jedoch so gut wie nichts.“

  1. Ursachsen und Entwicklung: Steuer, Börse und Gini  (10:56 Min.)

Nach politischen und welt-finanziellen Veränderungen 1993 und 1998 stieg der Gini-Koeffizient (ein statistisches Maß zur Darstellung von Ungleichverteilungen) rasant an. Die Börsenkurse liefen der Wirtschaftskraft davon. In langen Jahren haben die Real-Löhne stagniert. Steuern auf Besitz- und Vermögenswerte wurden seit 1998 radikal verringert oder ganz abgeschafft. - 10:56Min.

  1. Umverteilung stoppen" (6:18 Min.)

Ungleiche Verteilung ist nach einigen politischen Struktur-Veränderungen ein internationales Problem. Jens Berger führt 16 Punkte an, um die Umverteilung zu stoppen.

Dazu gibt es ergänzend die PowerPoint Präsentation zum Vortrag mit zahlreichen Statistiken und Grafiken zur Vermögensverteilung in Deutschland.

 


 

Portionierte Armut - Blackbox Reichtum

Wie sieht der journalistische Umgang mit Armut und Reichtum aus? Diese Frage untersuchten Hans-Jürgen Arlt und Wolfgang Storz in einer Studie für die Rosa-Luxemburg-Stiftung am Beispiel der Kommentierungen von Tagesspiegel, Berliner Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Der Spiegel und Die Zeit. Die Ergebnisse der Studie  lassen sich in den folgenden bestimmenden Trends zusammenfassen:

 
1. Der blinde Fleck des Journalismus ist die stumme Macht des Reichtums.
2. Die Armut wird mit Sorge registriert und zugleich in Problemgruppen portioniert.
3. Wirtschaft ist, wie sie ist. Bildung und Arbeit als Lösung, die Politik als Sündenbock.
4. Die Entwicklung von Armut und Reichtum wird nicht im Zusammenhang gesehen.
5. Rein quantitativ: Die soziale Kluft ist kein Problem von besonderer Brisanz.
6.  Chancengleichheit und Sozialpflichtigkeit des Eigentums stehen im Museum alter Ideale.
7.  Meinungsvielfalt als Stärke und Schwäche.
8.  Diskursiv schwach, sprachlich bedenkenlos.
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