Politik, Öffentlichkeit und Medien

Die subjektiven Bilder und Vorstellungen von Politik sind hier, wie in kaum einem anderen Bereich, durch Medien beeinflusst und vermittelt. Die Berichterstattung zur Krise in der Ukraine, die Berichterstattung zu Russland und zu den Finanzproblemen Griechenlands und gegenwärtig die Berichterstattung über das Flüchtlingselend beispielsweise haben den etablierten Medien massive Kritik von einem nicht unerheblichen Teil ihrer Rezipientinnen und Rezipienten eingebracht.

Da dies alle Mitglieder einer Gesellschaft betrifft, kommt der Medienanalyse und -kritik in der Politischen Bildung eine besondere Bedeutung zu. In diesem Zusammenhang wird den aktuellen „Mainstreammedien“ attestiert, dass sie zum Sensationalismus, zum Negativismus und Skandalisierung neigen: Berichtet wird, „was ins Auge sticht“, kontextlose Schreckensbilder führten zur Desorientierung und der „Qualitätsjournalismus“ bliebe beim Wettlauf um Aktualität auf der Strecke, Journalisten bauschen Themen auf. Ritualisierte Politikdarstellungen offenbaren dann ein problematisches „Bündnis“ von Politik und Journalismus. Aktuell bleibt dabei häufig eine kritische Auseinandersetzung in der Konflikterstattung auf der Strecke. Und auch jenseits der absurden Phrasen von der „Lügenpresse“ ist eine kritische Beschäftigung mit medialen Inszenierungsmustern des sogenannten „Qualitätsjournalismus“ notwendig, auch im Sinne der Frage: Wer hat welches Interesse und verfolgt welche Intention? – auch vor dem Hintergrund ökonomischer (Macht-)Interessen. Medienkritik als Überprüfung bzw. Widerlegung von Tatsachenaussagen, als Kritik an oberflächlicher und falscher Recherche hat so ihre Berechtigung, ist jedoch nicht hinreichend. Medienkompetenz baut aber auf dem Strukturwissen über Medien auf. Notwendig ist das Aufdecken und Überprüfen der Prinzipien, nach denen "Wirklichkeit" für uns durch die Medien konstruiert, inszeniert und interpretiert wird. In diesem Sinne bedarf es auch ethischer Reflexion als Querschnittsaufgabe von Medienbildung und der Ausbildung von Werturteilskompetenz (siehe den Beitrag von Köberer). Medienbildung hat die gesellschaftlich wichtige Aufgabe, "Aneignungs- und Dechiffrierungskompetenz" zu vermitteln.

Die Medien und ihre Rolle im politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozess

Fundamentale Aufgabe der politischen Bildung ist es, Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, Verständnis für Politik zu wecken, Einsichten in politische Zusammenhänge zu gewinnen und Kompetenzen zu entwickeln, sich in politische Willensbildungsprozesse aktiv einzubringen. Dabei bewegt man sich mit dem Thema "Politik, Öffentlichkeit und Medien" im Zentrum des Politischen.

In der Politikdidaktik besteht - unabhängig von dem jeweiligen Politikbegriff - Einigkeit darüber, dass der politische Willensbildungs- und Entscheidungsprozess zu den zentralen Dimensionen des Politischen zählt. Damit ist dies ein Bereich, in dem politische Bildung nicht nur einen Beitrag zur Medienbildung leisten kann, sondern einen Beitrag zur Medienbildung leisten muss, um die selbst formulierten fachdidaktischen Aufgaben umsetzen zu können. So lassen sich die klassischen Fragestellungen der Demokratietheorien ohne Einbeziehung der Massenkommunikation und Massenmedien nicht bearbeiten.

Wenn man die Medien mit Recht als "vierte Gewalt" bezeichnen kann, dann ergibt sich daraus gleichzeitig, dass die Beschäftigung mit der Struktur und Organisationsform der Medienlandschaft sowie der Qualität journalistischer Arbeit ebenso zur politischen Bildung gehört wie die Beschäftigung mit anderen politischen Institutionen.

 

Das wichtigste Kapital der Medien ist die Glaubwürdigkeit bei den Konsumenten.

Die Auseinandersetzung mit der Frage nach der Glaubwürdigkeit der Berichterstattung in den Medien und den Möglichkeiten zur Überprüfung eben dieser Glaubwürdigkeit ist ein unverzichtbarer Aspekt politischer Bildung und verweist über diesen Einzelfal hinaus auf eine grundsätzliche Problematik des Verhältnisses von Politik, Öffentlichkeit und Medien.

 

"Echtzeit"-Berichterstattung und Beschleunigung

Noch vor 40/50 Jahren, „zur Zeit des Vietnamkrieges waren die Filmbilder in den „Nachrichten vom Tage" in Wirklichkeit „Nachrichten von gestern". Filmberichte vom Vietnamkrieg erforderten ca. 30 Stunden Bearbeitungszeit, bevor sie ausgesendet werden konnten. Selbst die Qualität der Telefongespräche war damals so schlecht, daß die telefonisch übermittelten Berichte der Korrespondenten aufgeschrieben und abgelesen werden musßten.“

Heute ermöglichen digitale Übertragungstechniken und Satellitenkommunikation es, von jedem noch so abgelegenen Ort Bild und Ton in „Echtzeit“ rings um die Welt zu schicken.

Daran schließt sich die Frage an, ob diese Beschleunigung mit verantwortlich sein könnte, dass zunehmend klassische Standards des Journalismus ausgehölt werden

 

Machen Medien Meinung?

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Die Wahrnehmung von Welt, die subjektiven Bilder und Vorstellungen von Politik, sind grundsätzlich stark durch Medien beeinflusst. Lesen Sie mehr
1994: Entwicklungstendenzen im Fernsehjournanismus

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Blick zurück in die Zukunft? In einem Bericht zur Lage des Fernsehens für den Präsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Richard von Weizsäcker, vom Februar 1994 wurden Entwicklungstendenzen im deutschen Fernsehjournalismus formuliert, die hier zur Diskussion gestellt werden. Lesen Sie mehr
Medienkritik

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Kompetenz zur Medienkritik setzt den kritisch distanzierten Blick auf die eigene Wahrnehmung voraus, denn Medienbotschaften sind nur ein Wahrnehmungsangebot. Ein Text oder ein Film entsteht erst im Kopf der Medienkonsumenten. Lesen Sie mehr
Fake News - Glaubwürdigkeit in den Medien

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Fake News, also Fehl- und Desinformationen sind kein neues Phänomen. Falsche Informationen wurden bereits zu früheren Zeiten verwendet, beispielsweise im Krieg zu Propagandazwecken. Heute können Fake News aber mithilfe des Internets leichter verbreitet werden und somit viel mehr Menschen erreichen. Daher ist es besonders wichtig, dass Fake News als solche erkannt werden. Unterricht in der Schule muss dazu beitragen. Lesen Sie mehr
Journalistisches Arbeiten in der Schule

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Für die Politische Bildung gilt, dass aktive Medienarbeit immer zugleich ein Einüben und Experimentieren mit den vielfältigen Formen sein sollte, Öffentlichkeit herzustellen und sich in öffentliche Diskussionsprozesse einzumischen. Die Digitalisierung hat einerseits dazu beigetragen, dass die Umsetzung heutzutage wesentlich einfacher geworden ist, andererseits führen diese neuen Möglichkeiten aber auch zu neuen Herausforderungen bzw. Problemen. Von daher werden Kompetenzen, die für journalistisches Arbeiten erforderlich sind, für Lehrkräfte wie Schülerinnen und Schüler gleichermaßen bedeutsam. Lesen Sie mehr
Big Brother ist wtching you

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Wanzen in EU-Vertretungen, angezapfte Telefonleitungen, überwachte Internetverbindungen. Fast täglich gibt es neue Meldungen über mutmaßliche Ausspähaktionen des US-Geheimdienstes NSA. Diese sog. NSA-Affäre hat zugleich die Debatte über Datenschutz befeuert. Lesen Sie mehr
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