Politik, Öffentlichkeit und Medien

 „Eine Nachricht ist erst dann eine Nachricht, wenn der zweite Blick den ersten Blick bestätigt.“
Josef Pulitzer

 

"Nichts ist verblüffender als die Wahrheit, nichts exotischer als unsere Umwelt, nichts phantastischer als die Wirklichkeit."
Egon Erwin Kisch

 

Die subjektiven Bilder und Vorstellungen von Politik sind hier, wie in kaum einem anderen Bereich, durch Medien beeinflusst und vermittelt. Die Berichterstattung zur Krise in der Ukraine, die Berichterstattung zu Russland und zu den Finanzproblemen Griechenlands und gegenwärtig die Berichterstattung über das Flüchtlingselend beispielsweise haben den etablierten Medien massive Kritik von einem nicht unerheblichen Teil ihrer Rezipientinnen und Rezipienten eingebracht.

Da dies alle Mitglieder einer Gesellschaft betrifft, kommt der Medienanalyse und -kritik in der Politischen Bildung eine besondere Bedeutung zu. In diesem Zusammenhang wird den aktuellen „Mainstreammedien“ attestiert, dass sie zum Sensationalismus, zum Negativismus und Skandalisierung neigen: Berichtet wird, „was ins Auge sticht“, kontextlose Schreckensbilder führten zur Desorientierung und der „Qualitätsjournalismus“ bliebe beim Wettlauf um Aktualität auf der Strecke, Journalisten bauschen Themen auf. Ritualisierte Politikdarstellungen offenbaren dann ein problematisches „Bündnis“ von Politik und Journalismus. Aktuell bleibt dabei häufig eine kritische Auseinandersetzung in der Konflikterstattung auf der Strecke. Und auch jenseits der absurden Phrasen von der „Lügenpresse“ ist eine kritische Beschäftigung mit medialen Inszenierungsmustern des sogenannten „Qualitätsjournalismus“ notwendig, auch im Sinne der Frage: Wer hat welches Interesse und verfolgt welche Intention? – auch vor dem Hintergrund ökonomischer (Macht-)Interessen. Medienkritik als Überprüfung bzw. Widerlegung von Tatsachenaussagen, als Kritik an oberflächlicher und falscher Recherche hat so ihre Berechtigung, ist jedoch nicht hinreichend. Medienkompetenz baut aber auf dem Strukturwissen über Medien auf. Notwendig ist das Aufdecken und Überprüfen der Prinzipien, nach denen "Wirklichkeit" für uns durch die Medien konstruiert, inszeniert und interpretiert wird. In diesem Sinne bedarf es auch ethischer Reflexion als Querschnittsaufgabe von Medienbildung und der Ausbildung von Werturteilskompetenz (siehe den Beitrag von Köberer). Medienbildung hat die gesellschaftlich wichtige Aufgabe, "Aneignungs- und Dechiffrierungskompetenz" zu vermitteln.

Die Medien und ihre Rolle im politischen Willensbildungs- und Entscheidungsprozess

Fundamentale Aufgabe der politischen Bildung ist es, Schülerinnen und Schülern zu ermöglichen, Verständnis für Politik zu wecken, Einsichten in politische Zusammenhänge zu gewinnen und Kompetenzen zu entwickeln, sich in politische Willensbildungsprozesse aktiv einzubringen. Dabei bewegt man sich mit dem Thema "Politik, Öffentlichkeit und Medien" im Zentrum des Politischen.

In der Politikdidaktik besteht - unabhängig von dem jeweiligen Politikbegriff - Einigkeit darüber, dass der politische Willensbildungs- und Entscheidungsprozess zu den zentralen Dimensionen des Politischen zählt. Damit ist dies ein Bereich, in dem politische Bildung nicht nur einen Beitrag zur Medienbildung leisten kann, sondern einen Beitrag zur Medienbildung leisten muss, um die selbst formulierten fachdidaktischen Aufgaben umsetzen zu können. So lassen sich die klassischen Fragestellungen der Demokratietheorien ohne Einbeziehung der Massenkommunikation und Massenmedien nicht bearbeiten.

Wenn man die Medien mit Recht als "vierte Gewalt" bezeichnen kann, dann ergibt sich daraus gleichzeitig, dass die Beschäftigung mit der Struktur und Organisationsform der Medienlandschaft sowie der Qualität journalistischer Arbeit ebenso zur politischen Bildung gehört wie die Beschäftigung mit anderen politischen Institutionen.

 

Das wichtigste Kapital der Medien ist die Glaubwürdigkeit bei den Konsumenten.

Die Auseinandersetzung mit der Frage nach der Glaubwürdigkeit der Berichterstattung in den Medien und den Möglichkeiten zur Überprüfung eben dieser Glaubwürdigkeit ist ein unverzichtbarer Aspekt politischer Bildung und verweist über diesen Einzelfal hinaus auf eine grundsätzliche Problematik des Verhältnisses von Politik, Öffentlichkeit und Medien.

 

"Echtzeit"-Berichterstattung und Beschleunigung

Noch vor 40/50 Jahren, „zur Zeit des Vietnamkrieges waren die Filmbilder in den „Nachrichten vom Tage" in Wirklichkeit „Nachrichten von gestern". Filmberichte vom Vietnamkrieg erforderten ca. 30 Stunden Bearbeitungszeit, bevor sie ausgesendet werden konnten. Selbst die Qualität der Telefongespräche war damals so schlecht, daß die telefonisch übermittelten Berichte der Korrespondenten aufgeschrieben und abgelesen werden musßten.“

Heute ermöglichen digitale Übertragungstechniken und Satellitenkommunikation es, von jedem noch so abgelegenen Ort Bild und Ton in „Echtzeit“ rings um die Welt zu schicken.

Daran schließt sich die Frage an, ob diese Beschleunigung mit verantwortlich sein könnte, dass zunehmend klassische Standards des Journalismus ausgehölt werden.

Digitale Medien - Chancen für demokratische Teilhabe?

Die Medien strukturieren Themen, vermitteln Informationen, berichten über partizipative Aktivitäten und steuern dabei zugleich die Informationsbereitstellung. Mit dem Aufkommen der elektronischen Massenmedien wurden große Erwartungen in ihre partizipative Wirkung für demokratische Prozesse gesetzt. Diese Erwartungen wurden größtenteils nicht erfüllt, kamen jedoch erneut unter dem Eindruck der neuen Möglichkeiten der interaktiven Netzkommunikation auf. Bisher fehlt es allerdings noch an fundierten empirischen Befunden, um die Bedeutung politischer (digitaler) Partizipation und die Auswirkungen neue Formen der Meinungsäußerung und Beteiligung auf Mediendemokratie und Öffentlichkeit einschätzen zu können.

Der Prozess der Mediatisierung öffnet und vergrößert den Handlungsspielraum der Menschen auch im Hinblick auf neue Formen politischer Partizipation. Zugleich erhalten aber auch die Medien als Inszenierungsmaschinen bzw. diejenigen, die sie bedienen – wie z.B. die Wirtschaft –, immer mehr Möglichkeiten der Meinungs- und Machtsteuerung (vgl. Krotz 2008). Beschäftigt man sich in gesellschaftlicher und normativer Perspektive mit Fragen der Beteiligung in der digitalen Gesellschaft, ist auch zu klären, wie sich Fragen der Übernahme von Verantwortung im Rahmen der Informationsbereitstellung und -steuerung im Rahmen digitaler Kommunikation verändern und wer, wofür verantwortlich ist. Zudem muss Partizipation als gesellschaftlicher Leitbegriff einer mediatisierten Gesellschaft in neuen (digitalen) Kommunikationsverhältnissen gegebenenfalls neu bestimmt werden: Lassen sich auch Anwendungen der Netzkommunikation, die jenseits herkömmlicher Institutionen beobachtet werden können – wie politische Interessensartikulation in Sozialen Netzwerken und Beteiligungsformen wie Online-Petitionen – unter dem Konzept politischer Partizipation fassen? Wird das Engagement durch den Einsatz von Protest-Videos und Online-Petitionen einfacher? Und kann der „Klicktivismus“ den „echten Aktivismus“ fördern oder schwächen?

 

Machen Medien Meinung?

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Glaubwürdigkeit der Medien

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Journalistisches Arbeiten in der Schule

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Aktive Medienarbeit immer zugleich ein Einüben und Experimentieren mit den vielfältigen Formen, Öffentlichkeit herzustellen und sich in öffentliche Diskussionsprozesse einzumischen. Die Digitalisierung hat dazu beigetragen, dass die Umsetzung heutzutage wesentlich einfacher geworden ist. Von daher werden journalistische Kompetenzen für Lehrkräfte wie Schülerinnen und Schüler gleichermaßen bedeutsam. Lesen Sie mehr
60-Seconds-Clips - Zeig' uns deine Meinung

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60-Seconds-Clips - Zeig' uns deine Meinung

Welche politische Meinung vertreten junge Menschen heute? Sind sie überhaupt noch politisch interessiert? Im Projekt "60-Seconds-Clip - Zeig uns deine Meinung" haben sich SchülerInnen zu politischen Themen, die ihnen selbst am Herzen liegen, in selbst produzierten Social Spots geäußert. Die präsentierten sie am 24. Mai 2018 an der Ricarda-Huch-Schule Hannover. Anschließend diskutierten VertreterInnen aus Kultusministerium und Wissenschaft mit Politblogger, Landesschülerrat und SchülerInnen über die politische Partizipation in Zeiten der Digitalisierung. Lesen Sie mehr
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