Der Krieg als mediales Ereignis

Neben Menschen waren und sind Medien – verstanden als Werkzeuge zur Weltaneignung – die bedeutendsten Träger von Kommunikation und Information. Medien verändern zugleich die direkte Kommunikation zwischen Individuen und den Transfer von Informationen. Für den Geschichtsunterricht ist von Interesse, welche Rolle „die Medien als Vermittler von Inhalten in den vielfältigen Austauschprozessen zwischen nationalen, regionalen und sozialen Sphären spielten, und wie sie diese Inhalte veränderten.“ Deutlich wird dies insbesondere bei historischen Schlüsselereignissen, d.h. Ereignissen wie dem Ersten Weltkrieg, „die eine gesamtgesellschaftliche und (mehr oder weniger) europaweite Debatte auslösten. Diese Ereignisse finden in fast allen Medien [der jeweiligen Zeit] statt und weisen eine Tendenz zur "Berichterstattung über die Berichterstattung" auf. Als Knotenpunkte einer verdichteten Kommunikation ermöglichen sie Einblicke in Formen und Strategien von Kommunikation und damit in die Mechanismen interkultureller Transfers sowie die Formierung transnationaler Kommunikationsräume.“ (http://ieg-ego.eu/de/threads/europaeische-medien)

Propaganda eine Waffe, die nicht tötet - zumindest nicht unmittelbar.

Ein Aspekt des „Medienereignisses Krieg“ ist die Nutzung der Medien für propagandistische Zwecke. Für den Unterricht bedeutsam sollte dabei nicht die schlichte Frage nach propagandistischer Manipulation sein, sondern die Möglichkeit, einen Blick zu werfen auf das Wechselspiel zwischen Propaganda, amtlicher Zensur, Presse und angeblich verführter Öffentlichkeit.[1] Damit werden die Medien in ihren gesellschaftlichen Kontext gestellt. Dabei handelt es sich um eine gerade für die Gegenwart zentrale Fragestellung, da die mediale Durchdringen der gesellschaftlichen Beziehungen noch wesentlich umfassender ist: ???????? (Anschluß)der systematische Ausschluss von Wahrheit und Kritik aus den öffentlichen Debatten.

„Was machten die Westalliierten im Ersten Weltkrieg besser? 
Die deutsche Heeresleitung setzte vor allem auf eine scharfe Zensur, auf Anweisungen an die Presse und klassische Printmedien. Diese Gängelung entsprach aber nicht mehr der modernen Medienwelt. In Großbritannien und den USA entstanden stattdessen kommerzielle emotionale Filme, die Front und Heimat miteinander verbanden. Sie zeigten Einzelschicksale, etwa über Frauen und Kinder in Belgien, die den barbarischen deutschen Soldaten in die Hände fielen. Dies mobilisierte Soldaten und die „Heimatfront“ für den Krieg. In Deutschland wurden dagegen kaum Filme gefördert.“[2]

 

Dem Blick der Fotografen folgen – Fotos als Quelle ernst nehmen

Fotografien stellen für die Rekonstruktion der Vergangenheit ab der Mitte des 19. Jahrhunderts eine neue bildliche Quelle dar. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Technologie so weit entwickelt, dass sie Presse und der Politik ermöglichten, visuell präsent zu sein. Der Anwendungskontext der Fotografie muss daher stets bei einer quellenkritischen Beurteilung einer Fotografie mitgedacht werden. Fotos können und werden genutzt um Politik visuell zu stilisieren und inszenieren. Diese propagandistischen Absicht kann man erkennen, aber auch durchbrechen. Auf jeden Fall ist es notwendig. „dem Blick der Fotografen“ zu folgen. (Siehe dazu z.B. Anton Holzer: Die andere Front. Fotografie und Propaganda im Ersten Weltkrieg, Darmstadt 20123)

„Bei Fotografien handelt es sich jedoch um keine einfachen Medien. Suggerieren sie vordergründig, dass sie dazu im Stande wären, die Wirklichkeit abzubilden, muss man sich bewusst bleiben [und im Geschichtsunterricht bewusst machen ], dass sie nur einen Ausschnitt und einen Moment der Realität dokumentieren, der in der Regel ausgewählt, wenn nicht sogar inszeniert wurde.“[3] Damit geht es bei der kritischen Erschließung von Fotografien vor allem auch um die Wahrnehmung und Verarbeitung visueller Informationen und deren Kontextualisierung, also um die Verknüpfung und Verortung in der Welt. (vgl. Pandel, Hans-Jürgen: Bildinterpretation. Die Bildquelle im Geschichtsunterricht. Bilderinterpretation I, Schwalbach / Ts. 2008, S. 157f)

[1] Vgl. Klaus-Jürgen Bremm: Propaganda im Ersten Weltkrieg, Darmstadt 2013
[2] Der Beginn des modernen Medienkrieges. Interview mit Frank Bötsch (http://www.pnn.de/campus/832627/)
[3] Kompetenzorientierter Unterricht in Geschichte und Politischer Bildung: Diagnoseaufgaben mit Bildern. Herausgegeben von Heinrich Ammerer und Elfriede Windischbauer, wie 2011, S. 34ff. Dort findet sich auch ein Vorschlag für „Kompetenzorientierte Diagnostik-Formate bei der Arbeit mit Fotografien“.

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