Medienkompetenz und Medialitätsbewusstsein

Lernen mit und über Medien

Medienbildung schließt im Unterschied zu der herkömmlichen engeren Festlegung von Medienerziehung die Kommunikationstechnologien ebenso ein wie traditionelle Print- und audiovisuelle Medien und bezieht sich dabei sowohl auf das Lernen mit als auch auf das Lernen über Medien.

Medienbildung betont den Bildungsaspekts und grenzt sich ab von einem zu eng funktionalistischen Verständnis von Medienkompetenz:

„Medienbildung sieht Medien als Teil der schulischen Gegenwartskultur, die der Identitätsbildung und der Bildung im Allgemeinen dienen und sich nicht in der Vermittlung technischer Medienkompetenz erschöpfen. Medienbildung wird als ein Aspekt der Persönlichkeitsbildung der Schülerinnen und Schüler und der Lehrerinnen und Lehrer gesehen und schließt die mediale Gestaltung des (Schul-) Alltags ein." (nach Andreas Breiter)


Medienkompetenz

Medienkompetenz zielt stets auf Gesellschaft und die aktive Teilhabe an sämtlichen Lebensbereichen ab. Sie bündelt eine Vielfalt an Fähigkeiten, Fertigkeiten und Kenntnissen. Medienkompetenz ist als „Fähigkeit des Subjekts, sich am gesellschaftlichen Diskurs gleichberechtigt zu beteiligen“ die Voraussetzung, in einer von Medien bestimmten Welt selbst bestimmt, kreativ, kritisch und sozial verantwortlich zu handeln.

Die Frage, in was für einer Gesellschaft wir leben wollen und werden, ist nicht zu beantworten, ohne die Frage nach einer für dieses Leben unerlässlichen Medienkompetenz zu stellen sowie nach den Möglichkeiten, sie durch Medienbildung zu erwerben.

Medienkompetenz (der Lernenden und Lehrenden) ist eine Grundbedingung für gelingende Bildungsprozesse. Einstellungen und Verhalten des Menschen als soziales, individuelles, kulturelles, moralisches, ökonomisches und politisches Wesen sind abhängig von Medienkompetenz.

Medienkompetenz (als Gegenstand und Ziel von [Medien-]Bildung) beschreibt also die Summe der anwendungsbereiten Kenntnisse, der motivationalen und volitiven Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Menschen als Qualität, auf die vielfältigen Herausforderungen der Medienwelt angemessen zu reagieren, Medien für die eigene Lebensgestaltung selbstbestimmt zu nutzen sowie auf diese Welt aktiv handelnd Einfluss zu nehmen (also es nicht nur zu können, sondern es auch zu tun).

Medialitätsbewusstsein - Bedingung für die Entwicklung von Medienkompetenz und Urteilsfähigkeit

Der reflektierte Umgang mit Medien erfordert Medialitätsbewusstsein: Wir müssen Medien einschätzen und reflektieren können, bevor wir sie nutzen. Die Entwicklung dieses Medialitätsbewusstseins basiert auf der Einsicht, dass Medien nie Wirklichkeit, sondern nur medienspezifisch konstruierte und inszenierte Wirklichkeitsausschnitte liefern. Dabei geht es nicht um Unterschiede zwischen „Realität“ und „Medienrealität“, sondern um „Medialität“, d.h. dem „konstitutive[n] Anteil der Medien an der Generierung[1], Speicherung und Übermittlung von Informationen und Wissen“. [2] Erst dieser Blick auf Medien begründet die Forderung nach Medienbildung als einem integralen Bestandteil der Allgemeinbildung.

Weiterhin wird deutlich, dass sich Medienbildung nicht ausschließlich auf die Auseinandersetzung mit den Massenmedien und den Formen der computervermittelten Kommunikation beziehen kann. In den Bereichen von Technik, Naturwissenschaft, Sprachen und Medizin sowie in der Mathematik kommt Medien als Werkzeugen der Weltaneignung eine mindestens ebenso große Bedeutung zu. Dabei sind es nicht die Apparate, Geräte oder technischen Systeme, die zum Gegenstand der Medienbildung werden, sondern es sind die alltäglichen Anwendungen der Medien, die sie zu Werkzeugen der Weltaneignung werden lassen.

Mediengesellschaft verstehen und reflektieren

Im "Kompetenzorientierten Konzept Medienbildung in der Schule" der Länderkonferenz Medienbildung wird der Kompetenzbereich "Mediengesellschaft verstehen und reflektieren" als ein die anderen Kompetenzbereich umfassender Bereich beschrieben und als Kompetenzerwartung formuliert:

"Die Schülerinnen und Schüler verfügen über ein grundlegendes Verständnis für die Rolle der Medien bei der Gestaltung des individuellen und gesellschaftlichen Lebens in Vergangenheit und Gegenwart. Sie erkennen Medien als Instrumente der Weltwahrnehmung und -aneignung, reflektieren ihre Wirklichkeit konstruierende Funktion sowie ihre Bedeutung für die Berufs- und Arbeitswelt. Sie erörtern Chancen und Risiken des Mediengebrauchs und entwickeln im Umgang mit Medien ein stabiles Rechtsbewusstsein."

Im Strategiepapier der Kultusministerkonferenz von 2016 zur „Bildung in der digitalen Welt“ und insbesondere auch im niedersächsischen „Orientierungsrahmen Medienbildung in der Schule" werden diese Anforderung an Schule und Kompetenzerwartungen ähnlich beschrieben.

Damit wird es zu einer zentralen gemeinsamen Aufgabe von politischer Bildung und Medienbildung sich mit Fragen des individuellen Mediengebrauchs, der Konstruktion der Wirklichkeit durch Medien, den Medien als Wirtschaftsfaktor und allgemein zur Bedeutung der Medien in Politik und Gesellschaft zu beschäftigen.

 


[1] Zu den wichtigen Aktivitäten der Informationsgewinnung und -verarbeitung zählen dabei Sichtbarmachen, Darstellen, Speichern, Kommunizieren, Messen, Sammeln, Klassifizieren, Analysieren, Vergleichen, Visualisieren, Modellieren und Simulieren.
[2] Wissenschaftsrat, http://www.wissenschaftsrat.de/download/archiv/7901-07.pdf, 2007, S. 76, Stand: 23.9.2015.


 

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