Kulturelle Kompetenz

Können Ansätze und Methoden der kulturellen Bildung ein Weg sein, die Menschen dazu zu motivieren, sich kritisch und aktiv am politischen Leben zu beteiligen? Wo liegen die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von kultureller und politischer Bildung?

Nur zwei Fragen, zu denen es in der Fachwelt sehr verschiedene Ansichten gibt, je nachdem, ob der Begriff der politischen Bildung sehr eng oder weit gefasst wird.

In diesem Portal wird Politische Bildung weit gefasst. Dementsprechend werden auch die Schnittmengen zwischen kultureller und politischer Bildung aufgezeigt – aber auch Unterschiede. Beide Bereiche arbeiten schließlich unterschiedlich und fördern auch jeweils andere Kompetenzen. Dennoch bergen sie gemeinsam genutzt große Chancen für die Demokratisierung einer Gesellschaft:

  • Sie erreichen gemeinsam auch bildungs- und politikferne Menschen und eröffnen ihnen dadurch Teilhabechancen.
  • Von der Theateraufführung bis zum Solidaritätskonzert: Es gibt viele Projekte der kulturellen Bildung, die auch politisch sind. Sie behandeln Themen wie Armut, Gewalt oder Umweltzerstörung.
  • Der öffentliche Raum kann ein Ort sein, an dem politische und kulturelle Bildungspraxis besonders gut miteinander wirken können?

Wir verfolgen das Ziel, möglichst viele Schülerinnen und Schüler für Fragen und Angebote der politischen Bildung zu sensibilisieren und ihr Engagement zu fördern. Ein Baustein kann die Auseinandersetzung mit aktuellen kulturellen Angeboten -  von Film und Fotografie über Musik und Theater bis hin zu Performance oder Malerei und Kunst – sein. Dadurch eröffnen sich auch weitergehende Chancen, auch Aspekte der Medienbildung zu integrieren.

Die Medienwelt ist kein begrenzbares Terrain. Die neuen Informations- und Kommunikationstechnologien verändern unsere Alltags- und Arbeitswelt, aber auch unsere Wahrnehmungs- und Denkweisen, Lebensformen und Gesellschaftsstrukturen. Sie erzeugen Unsicherheit, Euphorie, Angst, Faszination. Chancen, Risiken, Neben- und Wechselwirkungen. Und die Folgen bzw. Perspektiven dieser Entwicklung sind noch vielfach offen. Kulturpädagogische Praxis darf daher nicht als "rettende Gegenwelt" zu den Wirklichkeiten von Alltag und Arbeit stattfinden. Kinder verfügen über ein unerschöpfliches Reservoir an Erfahrungen und Informationen. Aus diesen materiellen und virtuellen Bausteinen kreieren und konstruieren sie Welten, die, in welcher Form auch immer, "Stoff" für Kunst und Kultur sind.

Ästhetische Kompetenz und Medienkompetenz in ihrer gegenseitigen Bedingtheit sind dabei bedeutsam. Ästhetische Kompetenz kann man als Wahrnehmungs- und Gestaltungskompetenz, als Schlüsselqualifikation für alle Lernvorgänge, in realen und virtuellen Räumen verstehen. Medienkompetenz ist auch der ästhetisch motivierte Gebrauch aller kultureller Symbolisierungen - nicht die sachgerechte Bedienung der Materialien und elektronischen Werkzeuge bzw. die reine Wissens- und Informationsaneignung und -vermittlung. Grundsätzlich ist Medienkompetenz als elementare Voraussetzung für individuelle und soziale Selbstbehauptung in unserer Gesellschaften anzusehen.

Kulturelle Bildung in diesem Sinne kann dazu beitragen, die Wahrnehmungsfähigkeit für komplexe soziale Zusammenhänge zu entwickeln, das Urteilsvermögen junger Menschen stärken und sie zur aktiven und verantwortlichen Mitgestaltung der Gesellschaft ermutigen. [1]


[1] Vgl. Kulturelle Bildung im Medienzeitalter. Gutachten zum Programm von Prof. Dr. Karl-Josef Pazzini, Universität Hamburg. Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung, Heft 77, Hamburg 1999, S. 8

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