Reisebericht Brüssel 2017

Drei Tage Brüssel für niedersächsische Lehrkräfte – eine Informationsreise von A wie „A la mort subite“ bis Z wie „Zentrum Europas“

 

 

Im Europäischen Parlament zusammen mt den Brüsseler Vertretern Referent Herrn Möller-Walsdorf (2.v.l) und Herrn MdEP Herrn Wölken (Mitte).

 

Das politische Zentrum Europas war auch 2017 wie jedes Jahr einmal das Ziel einer Informationsfahrt des NLQ für Lehrkräfte Niedersachsens. Während in den vorangegangenen Jahren ausschließlich Lehrkräfte von Europaschulen an der Fahrt nach Brüssel teilnahmen, richtete sich das Angebot in diesem Jahr an die Lehrkräfte, die Schulen und Lehrkräfte in Sachen Europa/Internationales und zu Schüler- und Lehrkräfte­austau­schen im Rahmen des EU-Bildungsprogramms Erasmus Plus beraten. Dies sind die vier Beraterinnen und Berater der vier Regionalabteilungen der NLSchB sowie die 18 niedersächsischen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren aus dem Beratungs- und Unterstützungs-System der Niedersächsischen Landesschulbehörde. Letztere arbeiten als Lehrkräfte und erhalten Ermäßigungsstunden für ihre Tätigkeit.

Das NLQ plant und führt diese Reise im Auftrag des MK durch. Beteiligt waren an der Fahrt auch Vertreterinnen und Vertreter des MK, dazu eine verantwortliche Person der NLSchB, in diesem Jahr der schulfachliche Dezernent für Erasmus Plus aus der Regionalabteilung Osnabrück sowie die Verantwortliche des NLQ.

Zweieinhalb Tage sind eine kurze Zeit, um einen Eindruck der EU-Hauptstadt zu gewinnen. Das Programm war dadurch wieder eng getaktet und spielte sich vor allem zwischen dem Brüsseler Park, dem Parc du Cinquantenaire und dem Leopold Park, im Dreieck des sogenannten Europaviertels ab, auch einfach nur ‚Viertel‘ genannt. Dieser Bereich ist nicht sehr weitläufig, sodass viele Strecken zu Fuß zurückgelegt werden konnten, Auch das Hotel lag in Fußnähe.

Das Programm umfasste als Hauptpunkte Besichtigung zentraler Orte und Zusammentreffen mit Vertreterinnen und Vertretern europäischer Politik in Parlament, Kommission und Niedersächsischer Landesvertretung.

Der Besuch des EU-Parlaments Brüssel begann mit einer sehr kurzweiligen Führung durch eine ausgesprochen kundige Mitarbeiterin des Besucherdienstes mit Einsicht in die äußerst komplizierten Vorgänge. Spannend zu verstehen, wie dort trotz der Sprachenvielfalt Debatten zwischen den Vertretern der unterschiedlichen politischen Fraktionen plus Fraktionslosen stattfinden können, und wie Abstimmungen geregelt werden. Im Parlament trafen die Besucher auf MdEP Herrn Tiemo Wölken, Mitglied der SPD aus dem Bezirk Weser-Ems in Niedersachsen, der sich über eine Stunde Zeit für die Gruppe und deren Fragen und Anliegen nahm. Im Europaparlament gehört er der Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialisten und Demokraten im Europäischen Parlament (S&D), der zweitgrößten Fraktion nach der Fraktion der Europäischen Volkspartei (Christdemokraten)(EVP). Die Fraktionen im Europaparlament sind nicht nach Staatsangehörigkeit organisiert, sondern schließen sich nach politischer Zugehörigkeit zusammen. Die 96 Abgeordneten aus Deutschland sitzen zurzeit in fünf der insgesamt sieben Fraktionen des Europaparlaments, neben den beiden genannten in der Fraktion Die Grünen/Freie Europäische Allianz, der Konföderalen Fraktion der Vereinigten Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke, der Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa und der Fraktion Europäische Konservative und Reformisten. Neben den – hier nicht allen genannten – Fraktionen gibt es noch eine achte Gruppierung der Fraktionslosen, denen zwei deutsche Abgeordnete angehören. Aus Niedersachsen kommen insgesamt zehn Abgeordnete.

Ein weiterer Hauptprogrammpunkt für die Erasmus-Plus-Expertinnen und -Experten aus Niedersachsen war der Besuch in der Generaldirektion Bildung in der Rue Joseph II, 70. Generaldirektionen sind mit den Ministerien in den nationalen Regierungen vergleichbar. Sie gehören den unterschiedlichen Politikbereichen und Kommissionsangehörigen an und gliedern sich in Direktionen und Referate auf. Dort traf die Gruppe auf Herrn Michael Teutsch, den Leiter des Referats für Schule und Vielsprachigkeit. In dem Gespräch mit ihm kam vor allem Antragsverfahren Erasmus Plus zur Sprache, das für Schulen sehr aufwändig ist. Die dort geäußerten konkreten Vorschläge und Wünsche zu dessen Vereinfachung und Straffung gingen im Anschluss auch in schriftlicher Form an den Vertreter der Europäischen Kommission. Das Verfahren wird derzeit bearbeitet.

Regelmäßiger Anlaufpunkt und sozusagen ein Stück ‚Heimat‘ für die Gäste aus Niedersachsen war die Niedersächsische Landesvertretung in der Rue Montoyer 61. Dort wurden die Gäste aus Niedersachsen herzlich von deren Leiter Herrn Michael Freericks und vom Herrn Tobias Möller-Walsdorf begrüßt, der als Referent für Forschung und Innovation, Hochschulen, Kultur, Bildung bei der Vertretung des Landes Niedersachsen bei der Europäischen Union für die Erstellung des Programms vor Ort verantwortlich war. Er erläuterte den Teilnehmenden die Arbeitsweise einer Landesvertretung in Brüssel. In dem repräsentativen Gebäude stand der Gruppe ein eigener Tagungsraum für Gespräche und Diskussionen mit Vertreterinnen und Vertretern anderer Einrichtungen sowie für eigene Diskussionen zur Verfügung. Zum Vortrag mit anschließender Diskussion kam zum Beispiel Herr Yorck Wurms, Nationaler Experte bei der Generaldirektion Migration und Inneres (DG HOME) der Europäischen Kommission.

Zwischendurch blieb zwar nicht viel, aber immerhin etwas Raum für ein kurzes Mittagessen auf dem berühmten Place Jourdan mit mehreren Restaurants und der berühmteste Frittenbude von Brüssel, dem ‚Maison Antoine‘. Am Abend vorher hatte die Gruppe bereits im ältesten Restaurant Brüssels, im ‚Chez Léon‘ zu Abend gegessen. Sogar für den Einkauf bei den berühmten Brüsseler Chocolatiers war ein klein wenig Zeit. Und am Abend konnten die Teilnehmenden nach Programmende durch die Straßen des Brüsseler Zentrums, über den Grand Place, durch die sehr belebten engen Gassen flanieren. In berühmten Brüsseler Kneipen wie dem ‚A la Mort Subite‘ gab es belgisches Bier, das übrigens seit 2016 Liste des immateriellen Kulturerbes als UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen wurde, etwas höheren Alkoholgehalt als deutsches Bier hat und deshalb auch mit Vorsicht zu genießen ist.

Ein sehr informativer lobbykritischer Rundgang durch das Viertel eröffnete den Teilnehmenden eine Menge an Informationen aus dem ‚Nähkästchen‘, so manches Vorurteil wurde dadurch geschürt, doch bleibt die Frage nach Funktion, Einfluss und Legitimität der Lobbyisten in Brüssel in Hinsicht auf politische Entscheidungsfindung ein immer wiederkehrender und notwendiger Gedanke.

Am Ende fuhren die Teilnehmenden mit den neu gewonnenen Eindrücken und vielleicht einer ganzen Menge an neuen Fragen von Brüssel zurück nach Hause. Vor allem die Komplexität des Systems Europäische Union und ihrer Funktionsweise war allen wieder deutlich geworden.

Das Wetter war – für Brüsseler Verhältnisse – wohl mehr als nur gnädig.

 

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