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Polen

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„Tropfen für Tropfen formt das Meer"

Dieses polnische Sprichwort bezeichnet die Zusammenarbeit mit den Partnerregionen Niederschlesien und Großpolen. Waren Städtepartnerschaften während des Eisernen Vorhangs die ersten Tropfen der Zusammenarbeit, so ist daraus nach der politischen Wende ein Meer in Form einer intensiven Partnerschaft entstanden. Diese ist gekennzeichnet von zahlreichen Städtepartnerschaften, Austauschen zwischen verschiedenen Institutionen und der Kooperation auf den Gebieten des Umweltschutzes, der Kriminalitätsbekämpfung und der Bildung.



Die Region Niederschlesien stellt sich vor

 

Die Region liegt im Südwesten Polens und grenzt an Deutschland und Tschechien. Innerhalb Polens raint Niederschlesien an die Woiwodschaften (Bundesländer) Lebus im Norden, Großpolen im Nordosten und Oppeln im Süden. Im Süden der Woiwodschaft befindet sich das Riesengebirge mit seinem höchsten Gipfel, der Schneekoppe (1602 m). Dieses Gebiet ist vor allem touristisch geprägt, denn die Sudeten bieten ein großes Areal für die alpine Skiabfahrt. Die Abhänge der Sudeten werden zunehmend von Langläufern genutzt. Während der schneefreien Zeit werden die Wege von Wanderern und Nordic Walkern geschätzt. Mitten durch Niederschlesien fließt die Oder mit ihren zahlreichen Nebenflüssen. An der Oder liegt die Hauptstadt der Woiwodschaft Wroclaw, die jahrhundertelang in deutscher Hand war und als Breslau bekannt ist. Die Grenze zu Deutschland ist geprägt von ausgedehnten Heidelandschaften.


Wirtschaftlich ist die Region auf eine enge europäische Zusammenarbeit ausgerichtet. Viele internationale Konzerne nehmen Investitionen vor. Sowohl traditionelle Industriezweige als auch neue Technologien sind hier vorzufinden. Die geografisch günstige Lage an der Grenze zu Tschechien und Deutschland und der Wasserweg über die Oder tragen zur wirtschaftlichen Progression erheblich bei. Reich an Bodenschätzen ist die Region zwar nicht, doch verfügt sie über geringe Goldvorkommen und Kupfererze, die hier nicht unerheblich vorhanden sind und verarbeitet werden.


Die Geschichte Niederschlesiens ist geprägt von seiner geografischen Lage als Durchgangsland. Immer wieder war es Streitobjekt zwischen verschiedenen Königshäusern. Die eigentliche Geschichte beginnt um 900 nach Christi, als an der Oder die Burg Wratislawia gegründet wird, woraus die heutige Stadt Wroclaw entstanden ist. Das heutige Polen hat seinen Ursprung 966 n. Chr. im Schlesischen. Vom zwölften bis zum 14. Jahrhundert ist Schlesien aufgrund verschiedener Erbbestimmungen zum großen Teil deutsch. Nachdem Schlesien in den folgenden zwei Jahrhunderten unter böhmischer Herrschaft stand, fiel es im  16. Jahrhundert an  das Haus Habsburg. Durch den ersten schlesischen Krieg 1740 - 1742 wurde der Großteil Schlesiens preußisch.


Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Schlesien auf Betreiben Frankreichs geteilt. Ein Teil fiel an Deutschland, ein Teil an Polen. Als Folge des Zweiten Weltkrieges schrumpfte die Bevölkerungszahl Niederschlesiens um 3,6 Millionen. Im Zuge der Gebietsreform Polens entstand die Woiwodschaft in ihrer heutigen Form 1999. Heute leben in der Woiwodschaft ca. 3 Millionen Einwohner und sie ist im Gegensatz zum übrigen Polen stark verstädtert. Wroclaw ist mit ca. 635 000 die viertgrößte Stadt Polens insgesamt und die mit Abstand größte der Region. Die Regierung der Woiwodschaft hat hier ihren Sitz.


Die Landespartnerschaft zwischen Niederschlesien und Niedersachsen

Zwischen Niedersachsen und der damaligen Woiwodschaft Breslau bestehen seit 1977 Kontakte im kulturellen Bereich. Diese wurden mit der „Verständigung über die Zusammenarbeit" vom 22. April 1993 ausgebaut und um Bildung und Wissenschaft sowie Umweltschutz und Landwirtschaft ergänzt. Aufgrund der polnischen Verwaltungs- und Gebietsreform von 1999 musste die Zusammenarbeit auf neue rechtliche Füße gestellt werden. Das geschah am 24. August 2000 durch die Unterzeichnung der „Gemeinsamen Erklärung über die Zusammenarbeit zwischen der Woiwodschaft Niederschlesien und dem Land Niedersachsen". Am 9. September 2002 haben Niederschlesien und Niedersachsen vereinbart, die Zusammenarbeit auf die Bekämpfung grenzüberschreitender Kriminalität und die Bekämpfung von Naturkatastrophen auszudehnen. Aktuell stehen Projekte in Wissenschaft, Bildung und Kultur sowie im Umweltschutz im Fordergrund.


Im Bereich des Kultusministeriums werden seit langem die Aus- und Weiterbildung von niederschlesischen Deutsch-Lehrkräften und -Studierenden durch die Entsendung von drei Landesprogramm-Lehrkräften sowie durch flankierende Maßnahmen in Form von Landeskunde- und Sprachpraxis-Seminaren für diese Zielgruppen in Niedersachsen durchgeführt. Zusätzlich besteht eine große Anzahl an Schul- und Projektpartnerschaften im allgemein- und berufsbildenden Bereich zwischen niederschlesischen und niedersächsischen Schulen.




Die Region Großpolen stellt sich vor

 

Die Woiwodschaft „Wielkopolska" besteht vor allem aus dem ursprünglichen Siedlungsgebiet der Polanen. Sie liegt umgeben von sieben Woiwodschaften im zentralen Polen und grenzt südlich an Niederschlesien und Oppeln, westlich an Lebus, östlich an Lodz und Kujawien-Pommern und im Norden an Pommern und Westpommern. Prägend für die Region ist das Flachlandgebiet, das von Wäldern durchzogen wird, sodass ein Viertel der Woiwodschaft Waldgebiet ist. Im Westen und Norden bestimmt die Großpolnische Seenplatte (Fast 800 Seen) die Landschaft. Die zahlreichen Wassersportangebote und die reizvolle Landschaft locken Freunde des sanften Tourismus. Der drittlängste Fluss Polens, die Warthe, schlängelt sich durch die Woiwodschaft. An ihr liegt die Hauptstadt der Woiwodschaft Poznan (Posen), die bis ca. 1000 n. Chr. die Hauptstadt Polens war.


Wirtschaftlich pulsiert diese Region, denn fast zehn Prozent aller polnischen Unternehmen sind hier aktiv. Der sekundäre Sektor nimmt einen bedeutenden Platz  in der Wirtschaft ein. Neben den polnischen Unternehmen investieren hier ausländische Unternehmen vor allem aus Deutschland, Großbritannien und den USA. Die Rohstoffbasis in der Landwirtschaft führt dazu, dass die Lebensmittel verarbeitende Industrie in der Region dominiert. Auch die ausgedehnte Forstwirtschaft trägt entscheidend zur wirtschaftlichen Entwicklung bei: ein nicht unerheblicher Anteil der Möbel Polens stammen aus dieser Region. Die geografisch günstige Lage - die Transit-Strecke Berlin-Warschau führt durch die Region - beeinflusst die Prosperität positiv. Zudem verfügt die Woiwodschaft über bedeutende Lagerstätten fossiler Energieträger wie Braunkohle, Erdöl, Erdgas und Torf.


Die Geschichte der Woiwodschaft beginnt im zehnten Jahrhundert, als die westslawischen Polanen sich zu einem Stamm vereinigten. Die erste Hauptstadt Polens, Poznan, und auch die zweite Hauptstadt, Gniezno, waren in dieser Zeit sowohl die politischen als auch die wirtschaftlichen und kulturellen Zentren des Landes. Im elften Jahrhundert wurde die Hauptstadt allerdings nach dem Einfall der Böhmen nach Krakau verlegt. Vom 12. bis zum 14. Jahrhundert war die Region Wielkopolska ein eigenständiges Fürstentum und auch erst jetzt etablierte sich die Bezeichnung „Wielkopolska" in der Bedeutung des alten, ursprünglichen Polens. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts fielen die Kreuzritter in die Region ein und zerstörten fast die Hälfte der Woiwodschaft. Von dieser Zerstörung erholte sich Wielkopolska zwar nur langsam, doch entwickelte es sich im 15. Jahrhundert zu einem florierenden Wirtschaftszentrum, da durch die Region die Handelswege des Ost-West-Handels verliefen.


Im Zuge der ersten und zweiten Polnischen Teilung 1772 und 1793 gelangte das Gebiet unter preußische Herrschaft. Bis auf eine kurze Unterbrechung von 1807-1815 dauerte diese Herrschaft bis zum Ende des Ersten Weltkrieges an. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Region allerdings erneut von Deutschen beherrscht und als sogenanntes „Wartheland" eingegliedert. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde aus einer Vielzahl neuer Kreise die Woiwodschaft gebildet, doch im Zuge der Verwaltungsreform von 1975 in fünf kleinere Woiwodschaften aufgeteilt. In seinen heutigen Grenzen besteht Wielkopolska seit der letzten Gebietsreform von 1999.


Die Landespartnerschaft zwischen Großpolen und Niedersachsen

Die Wiege der Landespartnerschaft zwischen Wielkopolska und Niedersachsen ist die Städtepartnerschaft zwischen Hannover und Poznan aus dem Jahre 1979. Darauf aufbauend wurde im Jahre 1993 eine gemeinsame Erklärung über die Zusammenarbeit zwischen der Woiwodschaft Poznan und Niedersachsen unterzeichnet. Durch die Gebietsreform 1999 musste diese Erklärung 2000 erneuert werden.

Die Zusammenarbeit erstreckt sich auf mehrere Bereiche. War der ursprüngliche Gedanke, Polen und Deutsche näher zueinander zu bringen, stand nach den politischen Veränderungen 1989 die Unterstützung der Partnerregion bei den anstehenden Reformen im Vordergrund. Neben der Zusammenarbeit in der Landwirtschaft und der Ökologie bildet einen Schwerpunkt heute die berufliche und schulische Bildung. So wird z.B. in der beruflichen Ausbildung im Bereich der Ausbildung in Bürokommunikation und bei der Ausbildung von Krankenschwestern und -pflegern und Geburtshelferinnen eng zusammen gearbeitet.

Darüber hinaus werden im Bereich des Kultusministeriums seit langem die Aus- und Weiterbildung von niederschlesischen Deutsch-Lehrkräften und -Studierenden durch die Entsendung von fünf Landesprogramm-Lehrkräften sowie durch flankierende Maßnahmen in Form von Landeskunde- und Sprachpraxis-Seminaren für diese Zielgruppen in Niedersachsen durchgeführt. Zusätzlich besteht eine große Anzahl an Schul- und Projektpartnerschaften im allgemein- und berufsbildenden Bereich zwischen niederschlesischen und niedersächsischen Schulen.


http://www.niedersachsen.de/

http://www.info-polen.com/

http://www.niederschlesien.net/

http://www.poznan.uw.gov.pl/




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