Russland

„Freunde finden ist leicht, sie behalten schwer."

Dieses russische Sprichwort beschreibt auch die Situation mit den beiden Partnerregionen Tjumen und Perm in Russland. Beide sind bekannt für ihre Gastfreundschaft, für ihren Ideenreichtum und ihren Reichtum an Bodenschätzen. Die russische Seele prägt die Partnerregionen Perm und Tjumen.

 

Niedersachsen knüpfte 1990 erste Kontakte zur damaligen Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR), einer Teilrepublik der UDSSR. Diese mündeten am 2. Februar 1991 in einer „Gemeinsamen Erklärung" über die Aufnahme von partnerschaftlichen Beziehungen. Nach der Auflösung der UDSSR im Dezember 1991 arbeitet Niedersachsen mit den Oblasten Perm und Tjumen in der Russischen Föderation zusammen. Seitens des Kultusministeriums befindet sich die Zusammenarbeit mit den beiden Regionen dem eingangs zitierten Sprichwort folgend in unterschiedlichen Phasen.

 

Die Region Perm stellt sich vor

Die Region liegt an der östlichen Grenze Europas, westlich des Urals. Rund 1100 Kilometer entfernt liegt Moskau. Die Stadt Perm ist mit etwas mehr als einer Million Einwohner die östlichste Millionenstadt des europäischen Kontinents. Dank seiner Lage an der Kama - einem Nebenfluss der Wolga und der viertlängste Fluss Europas - ist Perm eine Binnenhafenstadt.

 

Die Region ist reich an Bodenschätzen. So werden 100% des Kali-Düngers in der Region abgebaut. Ferner sind in der Region mehr als 200 Öl- und Gasvorkommen bereits nachgewiesen. Neben Chlorkalisalzen, Magnesium- und Natriumsalzen verfügt die Region über Diamanten und Gold. Über 60% des Permer Gebietes sind bewaldet. Damit ist es mit eine der wichtigsten Holzlieferanten Russlands. Die Holzverarbeitung spielt industriell eine wesentliche Rolle, denn hier werden 30% des russischen Papiers produziert. Heute sind in der Region daneben vor allem die Schwerindustrie, die chemische Industrie und die Ölraffinierung ansässig, was die Region sehr wohlhabend macht.

 

Die Region ist in ihrer heutigen Form erst 2005 durch den Zusammenschluss von Perm und dem autonomen Kreis der Komipermjaken entstanden. Die Stadt Perm wurde nach Kupfererzfunden 1723 gegründet. 1780 bekam sie die Stadtrechte und 1878 einen Bahnanschluss an die Transsibirische Eisenbahn. Die Stadt entstand aus der Zusammenlegung der Städte Perm und Molotow 1938. Ab 1940 hieß sie dann auch Molotow und bekam erst 1958 ihren ursprünglichen Namen zurück. Bis 1991 war die Stadt wegen der dort ansässigen Rüstungsindustrie eine für Ausländer gesperrte Stadt.   

 

Die Landespartnerschaft zwischen Perm und Niedersachsen

Die Zusammenarbeit des Landes Niedersachsen mit der Region Perm gründet auf der Erklärung vom 18. Januar 1993. Darin  kamen  beide  Seiten  überein,  insbesondere  im  Umweltschutz,  in  der Wirtschaft und Landwirtschaft, in der Wissenschaft und Technik, im Kultursektor und Gesundheitswesen sowie in der Aus- und Weiterbildung des Verwaltungspersonals zu kooperieren. Außerdem beschlossen sie, direkte Kontakte zwischen Industriebetrieben hier und dort sowie Organisationen zu fördern.

 

Im Bereich des Kultusministeriums werden seitdem die Aus- und Weiterbildung von russischen Deutschlehrkräften und -Studierenden unterstützt, indem eine Landesprogrammlehrkraft an das Institut für Lehrerfortbildung (POIPKRO) entsendet wird. Außerdem werden flankierende Maßnahmen in Form von Landeskunde- und Sprachpraxis-Seminaren für Deutschlehrkräfte und -Studierende durchgeführt. Seit 2007 wird in einem gemeinsamen Projekt zur Gedenkstättenpädagogik zusammengearbeitet. Darüber hinaus nehmen unterschiedliche Bildungseinrichtungen aus Perm als assoziierte Partner an europäischen Projekten zur Schulentwicklung und Lehrerfortbildung teil.

 

 

Die Region Tjumen stellt sich vor

Die Region liegt an der westlichen Grenze Asiens, östlich des Urals. Rund 2100 Kilometer entfernt liegt Moskau. Die Stadt Tjumen ist mit etwas mehr als einer halben Million Einwohner die älteste Stadt Sibiriens. Die Stadt liegt an der Tura, die beschiffbar ist, was für den Wirtschaftsstandort Tjumen relevant ist. Die Region ist nach Moskau die wirtschaftlich leistungsfähigste Russlands und erwirtschaftet fast ein Zehntel des russischen BIPs. Ursächlich hierfür ist zum Einen die gut entwickelte Infrastruktur mit sieben Flughäfen, fünf Binnenhäfen und der Lage als Drehkreuz zwischen Ost und West und Süd und Nord, zum Anderen das Gas- und Ölvorkommen. Die Region gilt als das Saudi-Arabien Russlands: 64% der Erdölvorkommen und 91% der Erdgaslagerstätten Russlands liegen in einem Gebiet, welches viermal so groß ist wie Deutschland. Daneben gibt es in Tjumen Schiff- und Maschinenbau, Holz-, Nahrungsmittel-, chemisch-pharmazeutische und Lederindustrie. Diese Industriezweige machen aber lediglich 16% der gesamten wirtschaftlichen Leistung aus.

 

Die Region existiert in ihrer heutigen Form seit 1944. Die Stadt Tjumen wurde 1586 als russischer Vorposten gegründet. Im 17. und 18. Jahrhundert entwickelte sich Tjumen zu einem wichtigen Handelszentrum.

 

Dies liegt vor allem an der geografischen Lage des Ortes als Schnittstelle zwischen Asien und Europa, was auch 1885 dazu führte, dass Tjumen an die Transsibirische Eisenbahn angeschlossen wurde. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde Tjumen zu einer der wichtigsten Industriestädte der Sowjetunion. 1948 entdeckte man in der Region Öl, was dazu führte, dass dieser Industriezweig zum wichtigsten der Region wurde und auch heute noch ist.

                                                                                                                                 

 

Die Landespartnerschaften zwischen Tjumen und Niedersachsen

Basis der Zusammenarbeit zwischen Niedersachsen und Tjumen sind die Gemeinsamen Erklärungen vom 21. Mai 1992 und vom 2. Oktober 1998. Darin verständigten sich beide Seiten, insbesondere im Umweltschutz, in der Wirtschaft und Landwirtschaft, in der Wissenschaft und Technik, im Kultursektor und Gesundheitswesen sowie in der Aus- und Weiterbildung des Verwaltungspersonals zu kooperieren. Außerdem beschlossen sie, direkte Kontakte zwischen Industriebetrieben hier und dort sowie Organisationen zu fördern.

 

Im Bereich des Kultusministeriums befindet sich die Zusammenarbeit zurzeit in einer Phase der Neustrukturierung. Sowohl im allgemein bildenden Bereich, in der beruflichen Bildung als auch in der Unterstützung der Aus- und Weiterbildung von dortigen Deutsch-Lehrkräften und im Bereich der Jugendbegegnungen bestehen vielversprechende Kontakte, die es weiter auszubauen gilt.

 

 

Die Region Jakutien stellt sich vor

Jakutien (auch Sacha genannt, was Mensch bedeutet) liegt im nordöstlichen Teil des asiatischen Russlands. Die Republik erstreckt sich über eine große, dünnbesiedelte Fläche - nur 0,31 Einwohner wohnen durchschnittlich auf einem Quadratkilometer. Die nördliche Grenze bildet das Nordpolarmeer, die südliche das Aldanhochland. Im Westen grenzt die Republik an das Mittelsibirische Bergland, im Osten an die Kolyma-Tiefebene. Das gesamte Land wird von der Lena durchzogen. Die Entfernung zu Moskau beträgt mehr als 8000 km.

 

Die Republik hat ca. eine Million Einwohner, wovon ein Fünftel in der Hauptstadt Jakutsk leben. Sacha ist reich an Bodenschätzen wie Kohle, Erdöl, Edelmetallen und Diamanten. Sein Anteil an der weltweiten Diamantenförderung liegt bei über 13%, wobei Jakuten seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion selbst das Recht besitzen, die Rohdiamanten zu verarbeiten.

 

Die Besiedlung des heutigen Jakutiens erfolgte um 1000 n. Chr. durch die Jakuten, einem turksprachigen Nomadenvolk, welches aus der Gegend um den Baikalsee stammte. Im 14. Jahrhundert wurden diese in der Region sesshaft. Drei Jahrhunderte später siedelten sich auch Russen an und die heutige Hauptstadt Jakutsk wurde 1632 gegründet. Zur Zeit der Sowjetunion war Sacha eine Autonome Sozialistische Sowjetrepublik innerhalb der russischen Teilrepublik. Zu dieser Zeit wurde in Teilen der Republik Industrie angesiedelt,  wodurch eine größere Zahl Russen sich hier nieder ließen. Mit der Auflösung der Sowjetunion wurden der Republik zahlreiche Autonomierechte zugestanden.

 

Die Zusammenarbeit zwischen Jakutien und Niedersachsen

Seit 2006 bestehen zwischen dem Niedersächsischen Kultusministerium und den Bildungsministerien der russischen Republik Jakutien Beziehungen im Bereich der Bildung. Ein Schwerpunkt sind die Aktivitäten im Bereich der beruflichen Bildung, speziell dem in Deutschland eingerichteten dualen Ausbildungssystem. Hier werden zunächst Lehrer und Lehrerinnen von berufsbildenden Schulen aus Jakutien als Multiplikatoren mit dem deutschen Ausbildungssystem vertraut gemacht und Lehrpläne ausgetauscht. Ziel der bilateralen Kontakte ist es, den Fachkräfteaustausch in der Bildung zu intensivieren bis hin zu Besuchen von Schülergruppen oder betriebliche Praktika von Auszubildenden.

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