Gesamtkonzept Medienkompetenz in Niedersachsen

Ziellinie 2020 - Kabinett beschließt landesweites Konzept zur Stärkung von Medienkompetenz

Die Niedersächsische Landesregierung hat Anfang Juli 2016 das Konzept „Medienkompetenz in Niedersachsen - Ziel 2020" beschlossen. Auf der Grundlage des Konzeptes will die Landesregierung ihre erfolgreiche Arbeit bei der Vermittlung von Medienbildung in Niedersachsen fortsetzen, verstetigen und sichtbar machen. Es umfasst die Bereiche Kindertagesstätten, frühkindliche Bildung, Familie, Jugendarbeit, Jugendschutz, allgemeinbildende Schulen, berufliche Bildung, Lehreraus- und -fortbildung, Hochschulen, Erwachsenen- und Weiterbildung.

Im Jahr 2012 hatte die Landesregierung das Konzept „Medienkompetenz in Niedersachsen - Meilensteine zum Ziel" (s.u.) beschlossen, das im Jahr 2013 evaluiert wurde und Ende 2015 ausgelaufen ist. Die Ergebnisse der Evaluation sind in den Entwurf des beschlossenen Folgekonzepts ebenso eingeflossen wie zahlreiche Anregungen aus den Veranstaltungen „Tag der Medienkompetenz" 2013 und 2015. Sie haben insbesondere in den Bereichen der frühkindlichen Bildung und der ersten Phase der Lehrerausbildung zu Ergänzungen und Änderungen geführt.

 

 

MEILENSTEINE ZUM ZIEL

In einer stark von Medien geprägten Gesellschaft ist es Ziel der Landesregierung, eine Konzeption für die Stärkung der Medienkompetenz in Niedersachsen zu entwickeln. Medienkompetenz ist in der heutigen Zeit des immer schnelleren technologischen Fortschritts eine Schlüsselkompetenz wie Lesen (1), Schreiben und Rechnen. Sie ist Voraussetzung für die Teilhabe an der Informations- und Wissensgesellschaft sowie an demokratischen Prozessen der Meinungsbildung. Das Konzept mit dem Titel „Medienkompetenz in Niedersachsen – Meilensteine zum Ziel“ (nachfolgend „das Konzept“ genannt) orientiert sich am Medienkompetenzbegriff von Prof. Dieter Baacke (2) der sich auf vier Bereiche stützt: die Medienkunde, die Mediennutzung, die Medienkritik und die Mediengestaltung. Medienkunde umfasst das Wissen um die Medien und ihre Funktionsweise, aber auch die Bedienung von Hard- und Software. Sie bedeutet die bewusste Auswahl von Medieninhalten und die Fähigkeit der interaktiven Nutzung in Kommunikationsprozessen. Die Bewertung und Beurteilung von Medieninhalten (Medienkritik) sowie die eigenständige Mediengestaltung und die Produktion von Medien sind ebenfalls Ausdruck von Medienkompetenz.

Die Aufgabe der Stärkung von Medienkompetenz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Die Dynamik der Entwicklungen im Mediensektor ist immens und stellt die Akteure vor ständig neue Herausforderungen. Der Koordinierungsaufwand insbesondere in einem Flächenland wie Niedersachsen ist erheblich. Medienkompetenz betrifft Menschen im ländlichen Raum ebenso wie die Bevölkerung in städtisch geprägten Regionen. Daher ist eine Vielzahl von Personen und Einrichtungen an der Umsetzung zu beteiligen. Die Stärkung von Medienkompetenz ist ein wichtiges Anliegen der Landesregierung und ihrer Partner am Runden Tisch Medienkompetenz: Die Nds. Landesmedienanstalt (NLM), das Nds. Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ), die Landesstelle Jugendschutz (LJS), die Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung (AEWB), das Landeskriminalamt (LKA), der Landespräventionsrat (LPR) und die Initiative n-21 Schulen in Niedersachsen online e.V..  Der Runde Tisch Medienkompetenz sorgt für die fachübergreifende Vernetzung, initiiert gemeinsame Aktivitäten und führt sie durch.
 
Der Einsatz für Medienbildung lohnt sich. Kinder und Jugendliche nutzen mit zunehmendem Alter Medien im Alltag immer mehr. Insbesondere junge Menschen müssen lernen, sich vor den Risiken zu schützen, denen sie durch die Ausnutzung der Globalität und Anonymität des Internets durch andere ausgesetzt sind. Die Vermittlung von Medienkompetenz ist somit praktizierter präventiver Jugendschutz und steht in engem Zusammenhang mit Zielen des Verbraucherschutzes, des Datenschutzes und der Kriminalprävention (3).

Aber auch Erwachsene sollten die Schutzmechanismen bei der Nutzung digitaler Medien kennen und beherrschen. Sie müssen außerdem den sich ständig verändernden medialen Anforderungen in Ausbildung und Beruf gewachsen bleiben. Medienbildung ist daher genauso eine Aufgabe für Kinder und Jugendliche wie für Erwachsene. 

Das vorliegende Konzept dient als „roter Faden“ auf dem Weg, Medienbildung in Niedersachsen zu strukturieren und zu verstetigen. Es bildet den Rahmen für zahlreiche Projekte, die mit öffentlichen Mitteln erfolgreich im Lande durchgeführt werden oder in Planung sind. Die im Konzept vorgesehenen Maßnahmen sind notwendig, um Medienkompetenz in der Bildungsarbeit nachhaltig zu vermitteln. Ergebnisse aus den Diskussionsprozessen anderer Foren - wie z. B. dem 16. Deutschen Präventionstag am 30. und 31.05.2011 in Oldenburg oder der Enquête-Kommission des Deutschen Bundestages„Internet und digitale Gesellschaft“, Projektgruppe Medienkompetenz (4) - haben Eingang in das Konzept gefunden.
 
Ebenso berücksichtigt werden geschlechts- und altersspezifische Aspekte, die Erreichbarkeit von Menschen in ländlichen Räumen sowie das Ziel der Integration und Partizipation von Menschen mit geringem Bildungsstandard, mit Behinderungen oder sprachlichen Einschränkungen (z. B. aufgrund ausländischer Herkunft). Das Konzept wurde in drei Arbeitsgruppen entwickelt, je eine Arbeitsgruppe unter Federführung des Kultusministeriums (MK), des Ministeriums für Soziales, Frauen, Familie, Gesundheit und Integration (MS) und des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK). Unter Beachtung der haushaltsrechtlichen Rahmenbedingungen wurden Schwerpunkte gesetzt. Vorrang hat die Qualifizierung von Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, weil eine unmittelbare Orientierung auf die Zielgruppen die organisatorischen und finanziellen Möglichkeiten überschreiten würde.
 
Aufgrund der ständig voranschreitenden technischen Entwicklung und der Dynamik des Mediensektors kann das vorliegende Konzept nur einen Zwischenstand abbilden, der kontinuierlich weiterentwickelt werden muss. Die Koordination dieses Prozesses obliegt seit 2006 dem Runden Tisch Medienkompetenz unter Federführung der Staatskanzlei (StK). Die Arbeiten an dem Konzept haben bereits jetzt dazu geführt, dass Maßnahmen gebündelt und die Akteure auf Landesebene noch besser vernetzt werden konnten. Dieser Prozess soll nun unter Einbeziehung der kommunalen Ebene fortgesetzt werden. Die Kommunen als Träger von Schulen, Kindertagesstätten, Bildungseinrichtungen, öffentlichen Bibliotheken sowie der Jugendhilfe sollen verstärkt als Partner für einzelne Maßnahmen gewonnen werden. Zu prüfen ist jeweils, wie durch Kooperationen von öffentlichen Stellen und Bildungsträgern Synergien erzielt und öffentliche Mittel noch effizienter eingesetzt werden können. Das Konzept konzentriert sich auf die Bereiche 
  • Schulen, Kindertagesstätten, Lehreraus- und -fortbildung
  • Familie/Jugendarbeit/Jugendschutz
  • Hochschule und Weiterbildung.



1 Medienkompetenz setzt zuvor erworbene Lesekompetenz voraus. Diese zu vermitteln, ist vornehmlich Aufgabe der allgemeinbildenden Schulen. Projekte von Schulen und anderen Bildungseinrichtungen des Landes, die einen Beitrag zur Förderung von Lesekompetenz leisten, sind in der Anlage 1 zum Landeskonzept (Projektliste) enthalten.

2 Dieter Baacke (1935-1999) war Professor für Pädagogik an der Universität Bielefeld und Vorsitzender der Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur (GMK). Danach bezeichnet der Begriff Medienkompetenz die „Fähigkeit, in die Welt aktiv aneignender Weise auch alle Arten von Medien für das Kommunikations- und Handlungsrepertoire von Menschen einzusetzen“ (Süss, Daniel / Lampert, Claudia /Wijnen, Christine W. (2010): Medienpädagogik. Ein Studienbuch zur Einführung, Wiesbaden, S. 107).

3 s. „Oldenburger Erklärung des 16. Deutschen Präventionstages“ des Deutschen Präventionsrates

4 Drs. 17/7286 vom 21.10.2011

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