Traditonslinien

„Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort, baut das Kind die makellose Zeile auf, die bald das endgültige Druckwerk liefern wird."
(Célestin Freinet, Reformpädagoge der 1920er)

 

Aktive Medienarbeit hat in der Schule eine Tradition, die im Rahmen der Schulfotografie und Schülerfilmarbeit bis in die 20er Jahre zurückreicht. Hier gibt es Traditionslinien, die z. B. auf Kunsterzieherbewegung mit ihrer Entdeckung des "Schöpferischen" im Kinde und der Betonung der Eigentätigkeit verweisen. Andere Traditionslinien führen zur Arbeitsschulbewegung und zur Projektmethode. Was ist Medienanalyse durch aktive Medienarbeit anderes als "Learning by doing". In der Freinet-Pädagogik wird der Buchdruck, gekoppelt mit Linolschnitt für die Bilder, zum Medium für aktives und arbeitsteiliges Arbeiten und Lernen. Freinet knüpft am Mitteilungsbedürfnis der Schüler an - heute würde man von der Förderung kommunikativer Kompetenz sprechen.

In Freinets Begründung für die Arbeit mit der Schuldruckereien - und anderen Medien wie Filmkamera und Tonbandgeräte - finden sich die wesentlichen pädagogischen Argumente, die auch heute für die Nutzung von Multimedia und Internet sprechen. Es ging Freinet um das Lernen in Sinn- und Sachzusammenhängen, es ging um die kritische Distanz im Umgang mit den Massenmedien, zu denen er auch die Schulbücher zählte, und es ging ihm um Öffnung von Schule und um Schülerorientierung:

"Der wesentliche Vorteil der Schuldruckerei besteht nicht, wie einige glauben könnten, in der Originalität der Handarbeit [...] Die wirklich folgenreiche Unterstützung, die unsere Technik der Pädagogik bietet, ist die Möglichkeit, unseren Unterricht zu modernisieren, indem wir in der Schule die Kommunikationsmittel zwischen Individuen benutzen, die uns die Zivilisation gegenwärtig zur Verfügung stellt." (Freinet 1963, S. 77)

Trotz dieser Tradition und der pädagogischen Legitimation findet aktive Medienarbeit bis heute jedoch nicht als Teil des Regelunterrichtes und integriert in fachdidaktische Konzepte, sondern in Arbeitsgemeinschaften, im Rahmen von Projekten, während eines Schullandaufenthaltes oder bei Klassenfahrten statt.

Das Besinnen und Aufarbeiten auf die im engeren schulpädagogische Tradition aktiver Medienarbeit macht deswegen Sinn, weil man damit unmittelbarer Anschluß findet an pädagogische Leitideen und Konzepten wie "Öffnung von Schule und Unterricht" und "Erfahrungs- und Lebensweltbezug", die auch in der aktuellen Diskussion über Schulentwicklung eine Rolle spielen.

Wie sich aus Beispielen aus der Unterrichtspraxis zeigen lässt, setzt aktive Medienarbeit fächerübergreifende Zusammenarbeit und offenere Formen der Unterrichtsorganisation voraus. Da dies so ist, fristete aktive Medienarbeit in der herkömmlichen Schule eine Nischenexistenz. Damit ergeben sich aus der Diskussion um Schulentwicklung und veränderte Lernkultur neue Chancen für die aktive Medienarbeit - und bietet aktive Medienarbeit Chancen für die Schulentwicklung.

 

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