Theoretische Grundlage | Glossar

Glossar

Dem „Konzept zur Einführung in das Curriculum Mobilität“ ist ein Glossar beigefügt. Dessen Ziel ist es, voraussetzungsvolle Begriffe zu klären, die theoretischen Bezugsrahmen offenzulegen und den Bildungsakteuren, die mit dem Curriculum Mobilität arbeiten, einen kompakten Zugang zur Thematik zu verschaffen.

Das Glossar wird laufend erweitert. Es umfasst unter anderem folgende Begriffe:

 

Bedürfnisse

„So unterschiedlich die Bedürfnisinterpretationen auch sind, die meisten Bedürfnistheoretiker stimmen darin überein, dass man zwei große Gruppen unterscheiden müsse – wobei die Grenzziehung natürlich umstritten ist-: die Grundbedürfnisse auf der einen und die Kulturbedürfnisse auf der anderen Seite. Zu den Grundbedürfnissen – oder auch Existenzbedürfnissen, lebensnotwendigen Bedürfnissen, elementaren Bedürfnissen, Needs – gelangt man, wenn man den Menschen als Lebewesen, als Naturwesen und weniger als geistig-kulturelles Wesen betrachtet. Als weitgehend unbestrittene Grundbedürfnisse werden genannt: Ernährung, Kleidung, Wohnung, Fortpflanzung und Sexualität. [...] In unserer Konsumgesellschaft haben die Grundbedürfnisse ihren Charakter als anthropologische Apriori verloren und treten überwiegend als Kulturbedürfnisse in Erscheinung.

Damit sind wir bei den Kulturbedürfnissen – oder auch Luxusbedürfnissen, ‚zusätzlichen Lebensbereicherungen’, Wants -, welche den Menschen als geistig-kulturelles Wesen auszeichnen. Das Spektrum dieser Kulturbedürfnisse ist so reich wie das menschliche Leben selbst. Man hat es zu beschreiben und zu gliedern versucht in Bedürfnissystemen und Bedürfniskatalogen, welche bis zu Hunderte von Nennungen umfassen. Häufig genannt werden dabei: das Bedürfnis nach neuen Erfahrungen und Abwechslung, das seinen Ausdruck u.a. im Streben nach räumlicher Mobilität findet, das Bedürfnis des ‚homo ludens’ nach Spiel, Sport, Leistung, das Bedürfnis nach Sozialkontakten und sozialer Anerkennung.“

König, W. (2000): Geschichte der Konsumgesellschaft. Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte – Beihefte, Bd. 154. Stuttgart: Verlag Franz Steiner, S. 133-134

 

Bildung für eine nachhaltige Entwicklung

Bildung für nachhaltige Entwicklung ( BNE) befähigt Lernende, informierte Entscheidungen zu treffen und verantwortungsbewusst zum Schutz der Umwelt, für eine bestandsfähige Wirtschaft und einer gerechten Gesellschaft für aktuelle und zukünftige Generationen zu handeln und dabei die kulturelle Vielfalt zu respektieren. Es geht um einen lebenslangen Lernprozess, der wesentlicher Bestandteil einer hochwertigen Bildung ist. BNE ist eine ganzheitliche und transformative Bildung, die die Lerninhalte und -ergebnisse, Pädagogik und die Lernumgebung berücksichtigt. Ihr Ziel/Zweck ist eine Transformation der Gesellschaft."

UNESCO Roadmap zur Umsetzung des Weltaktionsprogramms "Bildung für nachhaltige Entwicklung", S.12

 

Gestaltungskompetenz

„Gestaltungskompetenz heißt, über Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissensbestände zu verfügen, die Veränderungen im Bereich ökonomischen, ökologischen und sozialen Handelns möglich machen, ohne dass diese Veränderungen immer nur eine Reaktion auf vorher schon erzeugte Probleme sind.“

Programm Transfer-21 (2007): Was erwartet mich in der Schule? Tipps, Tricks und Kniffe: Ein Ratgeber für außerschulische Fachkräfte zur Förderung der Bildung für nachhaltige Entwicklung in der Ganztagsschule. Berlin, S. 7

 

Globaler Wandel

„Die Eingriffe des Menschen in die natürliche Umwelt haben ein globales Ausmaß erreicht. Besonders der Klimawandel, der Verlust biologischer Vielfalt, die Bodendegradation, die Verknappung und Verschmutzung von Süßwasser sowie die Übernutzung der Meere zählen zu den weltweit voranschreitenden kritischen Veränderungen der natürlichen Umwelt. Diese Veränderungen werden durch die Ausbreitung nicht nachhaltiger Lebensstile und Produktionsweisen sowie eine steigende Energie- und Ressourcennachfrage verursacht und beschleunigt. Auch absolute Armut und Bevölkerungswachstum sind wichtige Faktoren. Eine Folge dieses Globalen Wandels ist die wachsende Verwundbarkeit aller Gesellschaften. Neben Industrieländern sind vor allem die am wenigsten entwickelten Länder gegenüber Naturkatastrophen, Nahrungskrisen und Erkrankungsrisiken anfällig. Dadurch werden zunehmend Entwicklungschancen behindert und globale Sicherheits- und Gerechtigkeitsfragen aufgeworfen. In den letzten Jahren wurde daher immer deutlicher, dass die globalen Umwelt- und Entwicklungsprobleme nur durch eine grundlegende Transformation bisheriger Wirtschaftsweisen zu bewältigen sind. Den Globalen Wandel nachhaltig zu gestalten, ist die große Herausforderung für Politik und Wissenschaft.“

Auszug aus der Webseite des Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU): http://www.wbgu.de/ueber-uns/auftrag/

 

Intergenerationelle Gerechtigkeit

„Nachhaltige Entwicklung ist untrennbar mit Zukunftsverantwortung verbunden, die auch als intergenerative Gerechtigkeit (Kopfmüller et al. 2001) oder Generationengerechtigkeit (SRZG 2003) bezeichnet wird. Es geht dabei um die langfristige Sicherung und Weiterentwicklung der Grundlagen der menschlichen Zivilisation angesichts der begrenzten Belastbarkeit der natürlichen Umwelt und ökonomischer und sozialer Zukunftsrisiken. [...] Wesentliche Fragen sind, welche Verantwortung wir heute konkret gegenüber zukünftigen Generationen haben, wie weit unsere Verantwortung in die Zukunft reicht und was aus dieser Verantwortung für die Beschaffenheit des »Erbes« an unsere Nachkommen folgt, damit diese ebenfalls ihre Bedürfnisse erfüllen können.“

Grunwald, A. & Kopfmüller, J. (2006): Nachhaltigkeit. Frankfurt am Main: Campus Verlag, S. 27

 

Intragenerationelle Gerechtigkeit

„Neben der Sorge um die Zukunft steht die Verantwortung für die heute Lebenden und damit die gerechte Verteilung der Chancen zur menschlichen Bedürfnisbefriedigung in der Gegenwart im Zentrum der Überlegungen zur nachhaltigen Entwicklung. Danach sind die Lösung der Entwicklungsproblematik und die Erreichung einer gerechteren Verteilung der Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung nicht nur ethisch geboten, sondern stellen auch eine wesentliche Voraussetzung zur Wahrnehmung der Zukunftsverantwortung dar. Diese Sicht konsequent verfolgt bedeutet, Zukunftsverantwortung und Verantwortung gegenüber heute lebenden Menschen als zwei Seiten der gleichen Medaille anzusehen.“

Grunwald, A. & Kopfmüller, J. (2006): Nachhaltigkeit. Frankfurt am Main: Campus Verlag, S. 29f.

 

Mobilität

„Mobilität heißt sowohl Bewegung als auch Beweglichkeit. Wobei diese Beweglichkeit im geistigen Sinne, im körperlichen und im räumlichen Sinne verstanden werden kann. Räumliche Mobilität bezeichnet die Möglichkeit, Aktivitäten an anderen Orten durchführen zu können. [...] Ortsveränderungen machen sich als Verkehr bemerkbar. Jedoch ist Mobilität nicht gleich Verkehr. Die Mobilität wird nicht größer, je länger die Wege werden, sonst wäre jeder Umweg – z.B. aufgrund einer Baustelle – mobilitätsfördernd. Mit derselben Mobilität kann viel oder wenig Verkehr verbunden sein. Je näher Ausgangsort und Ziel – zum Beispiel Wohnort und Arbeitsplatz – beieinander liegen, umso weniger Verkehr entsteht bei gleicher Mobilität.“

Umweltbundesamt. (2002): Nachhaltige Entwicklung in Deutschland: Die Zukunft dauerhaft umweltgerecht gestalten. Berlin: Verlag Erich Schmidt, S. 170

 

 

 

 

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