Sprachbildung

Mit den aktuellen Migrationsbewegungen erreichen viele Kinder und Jugendliche Deutschland, die dem Grundschulalter bereits entwachsen sind. Sie besuchen Schulen im Sekundarbereich I und haben benötigen zunächst Unterstützung beim Spracherwerb und haben langfristig Sprachbildungsbedarf, um dem Regelbetrieb im Klassenverband folgen zu können. Der Spracherwerb findet dabei zum Teil in Sprachlernklassen, häufig aber auch in speziellen Fördergruppen statt. Gleichzeitig werden SchülerInnen aus dem Primarbereich, die (z.T. anderweitigen) Sprachbildungsbedarf haben, in der Sekundarstufe I eingeschult.

Der starken Heterogenität dieser Lerngruppe mit sehr unterschiedlichen Sprachniveaus können Lehrkräfte nur mit flexiblen, differenzierten Förderplanungen begegnen. Eine Sprachstandsfeststellung, bei der die bisherige schulische Laufbahn und ggf. weitere Fremdsprachenkenntnisse berücksichtigt werden, kann eine erste Orientierung bieten. Denoch müssen die Lehrpläne oft individuell angepasst und die Beobachtung fortgesetzt werden.

Die Hürden für den Unterricht liegen für diese Schülerinnen und Schüler oftmals vor allem im Bereich Leseverstehen und Schreiben und wirken sich unmittelbar auf den schulischen Erfolg aus. Um diese Herausforderung zu meistern, müssen Unterrichtskonzepte den Lernenden eine realistische Chance bieten, sprachliche Defizite nach und nach aufzuholen und sich bildungssprachliche Elemente anzueignen. Ziel ist es, ihnen einen Schulabschluss zu ermöglichen, der ihren Fachkompetenzen entspricht.

Besondere Förderung muss Schülerinnen und Schülern zuteil werden, die auch im Jugendalter noch nicht lesen und schreiben können bzw. keine Schule besuchen konnten. Um Ihnen überhaupt eine Teilhabe an unserer Gesellschaft zu ermöglichen, müssen sie schrittweise alphabetisiert werden und grundlegende Lernmethoden kennen lernen. Auf diese Bedürfnisse müssen Unterrichtskonzepte gesondert eingehen. 

DaZ als Unterrichtsprinzip

In der Sekundarstufe I ist das Lesen- und Schreibenlernen in den Regelklassen kein Unterrichtsgegenstand mehr. Der Erwerb der deutschen Sprache findet in DaZ-Förderkursen oder Sprachlernklassen statt. Von Anfang an sollen Schülerinnen und Schüler aber auch am Regelunterricht teilnehmen, um die Teilhabe am Schulleben und den interkulturellen Austausch von Anfang an zu fördern. Zunächst ist dies oft in handlungsorientierten Fächern wie Sport, Kunst oder Musik hilfreich. Auch in Mathematik und den Naturwissenschaften ist - je nach Vorkenntnissen - eine erfolgreiche Unterrichtsteilnahme möglich. 

Dazu bedarf es allerdings einer fortwährenden Sensibilität der Fachlehrkräfte für die sprachlichen Probleme der DaZ-Lernenden. Die einzelnen Maßnahmen sollten in Schulen mit hohem Anteil an Sprachlernern in den schulischen Arbeitsplänen und Konzepten verankert und als Teil der Schulentwicklung verstanden werden.

Ein besonders wichtiges Element ist dabei die Lehrersprache, die im Hinblick auf Sprachlerner reflektiert und ggf. angepasst werden sollte. Die für den jeweiligen Fachunterricht notwendigen Operatoren (z.B. Begriffe wie erklären, begründen, berechnen) müssen - nicht nur für DaZ-Lernende - explizit vermittelt und regelmäßig wiederholt werden (vgl. Rösch et. al., S. 10).


 

Quelle: Rösch, Heidi (Hg.; 2005): Deutsch als Zweitsprache. Sprachförderung in der Sekundarstufe I. Bildungshaus Schulbuchverlage (Schroedel), Braunschweig.

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