Naturwissenschaften

Ohne Sprachkompetenz kein Bildungserfolg. Durchgängige Sprachbildung ist daher eine Bildungsaufgabe aller Fächer und als solche auch in den Fach-Kerncurricula (KC) verankert. Auch Interkulturelle Bildung spielt in fast allen Fächern eine wichtige Rolle. Wir leben in einer plurikulturellen und mehrsprachigen Gesellschaft und Interkulturelle Kompetenz ist eine Ressource für unsere Gesellschaft und Wirtschaft. 

Im Folgenden wird aufgezeigt, in welcher Hinsicht Sprachbildung und Interkulturelle Bildung in den Naturwissenschaften eine Rolle spielen. Dazu wird exemplarisch das KC für die Integrierte Gesamtschule (IGS) herangezogen, da diese alle Schulformen der Sekundarstufe I abbildet.

Sprachbildung im Fachunterricht

Sprachliche Kompetenzen spielen in jedem Unterrichtsfach eine zentrale Rolle. Dies spiegelt sich am deutlichsten in den Operatoren, die für den fachlichen Kompetenzerwerb wesentlich sind. Operatoren wie benennen, beschreiben, erläutern, beurteilen und bewerten, reflektieren, argumentieren und diskutieren beinhalten komplexe sprachliche Kenntnisse und Fähigkeiten, die im Rahmen des fachlichen Kompetenzerwerb stetig erweitert werden müssen. Dabei wird die sprachliche Handlungs- und Ausdrucksfähigkeit mit dem Erwerb von fachsprachlichem Wortschatz verbunden - der Fachunterricht mit seiner jeweiligen Fachsprache stellt somit hohe Anforderungen an Kinder und Jugendliche mit geringen sprachlichen Kompetenzen und leistet zugleich einen wesentlichen Beitrag zum Erwerb der Bildungssprache. Jedem Fach kommt damit die Verantwortung zu, einen bewussten und systematischen Beitrag zur sprachlichen Bildung der SchülerInnen zu leisten.

Sprachbildung in den Naturwissenschaften

Den engen Zusammenhang von fachlichem Wissenserwerb und Sprachkompetenz hebt besonders deutlich das KC für die Naturwissenschaften hervor:

„Im Kompetenzbereich Kommunikation werden Kompetenzen beschrieben, die für einen fachbezogenen Informationsaustausch auf der Basis einer sachgemäßen Verknüpfung von Alltags- und Fachsprache erforderlich sind. Dazu ist es notwendig, über Kenntnisse und Techniken zu verfügen, die es ermöglichen, sich die benötigte Wissensbasis eigenständig zu erschließen. Hierzu gehören das angemessene Verstehen von Fachtexten, Grafiken und Tabellen etc. sowie der Umgang mit Informationsmedien und das Dokumentieren des in Experimenten oder Recherchen gewonnenen Wissens. Zur Kommunikation sind eine angemessene Sprech- und Schreibfähigkeit in der Alltags- und Fachsprache, das Beherrschen der Regeln der Diskussion und moderne Methoden und Techniken der Präsentation erforderlich. Kommunikation setzt die Bereitschaft und Fähigkeit voraus, eigenes Wissen, eigene Ideen und Vorstellungen in die Diskussion einzubringen und zu entwickeln, den Kommunikationspartnern mit Vertrauen zu begegnen und ihre Persönlichkeit zu respektieren.“ (KC Naturwissenschaften IGS S. 10)

Interkulturelle Bildung in den Naturwissenschaften

In der interkulturellen Bildung geht es nicht nur um Kommunikation, sondern auch um Wechselwirkungen menschlicher Kulturen mit ihrer Umwelt und die Sensibilisierung für mögliche Alternativen. In den Fächern Biologie, Chemie und Physik ist das Mensch-Natur-Verhältnis zentraler Bildungsinhalt (vgl. S. 7): Was bedeutet uns unsere natürliche Umwelt, wie gewinnen wir Erkenntnisse über sie und wie beeinflussen wir sie? (vgl. S. 7) Sowohl auf kollektiver als auch auf individueller Ebene sind diese Fragen mit der Entwicklung von ethischen, ästhetischen und emotionalen Maßstäben verknüpft (vgl. ebd.).

"Naturwissenschaft und Technik prägen heute unsere Gesellschaft in allen Bereichen und bilden einen bedeutenden Teil unserer kulturellen Identität. Das Wechselspiel zwischen naturwissenschaftlicher Erkenntnis und technischer Anwendung gehört einerseits zu den großen kulturellen Leistungen des Menschen und bewirkt Fortschritte auf vielen Gebieten, andererseits birgt die naturwissenschaftlich- technische Entwicklung auch Risiken und Gefahren, die erkannt, bewertet und beherrscht werden müssen." (KC IGS, S. 7f.)

Um ein Bewusstsein von Risiken, Gefahren und Alternativen im Umgang mit unserer Umwelt zu entwickeln, bietet sich der Blick auf andere Kulturen an. Welche Rolle spiel(t)en Pflanzen und Tiere für sie? Was wussten vergangene Kulturen bereits und wie haben sie es sich zunutze gemacht? Inwiefern war ihr Umgang mit der Natur nachhaltiger? Und welches Wissen geht durch unseren Zugang eventuell verloren?

Je stärker im Unterricht der Blick auf solche Fragen gerichtet wird, desto eher werden die Schülerinnen und Schüler eine eigene Position zu kulturellen Normalitäten in diesem Bereich erarbeiten, Verantwortung für ihr eigenes Verhalten übernehmen sowie Einflussmöglichkeiten auf gesamtgesellschafltiche Prozesse im Umgang mit der Umwelt wahrnehmen.

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