Französisch

Ohne Sprachkompetenz kein Bildungserfolg. Durchgängige Sprachbildung ist daher eine Bildungsaufgabe aller Fächer und als solche auch in den Fach-Kerncurricula (KC) verankert. Auch Interkulturelle Bildung spielt in fast allen Fächern eine wichtige Rolle. Wir leben in einer plurikulturellen und mehrsprachigen Gesellschaft und Interkulturelle Kompetenz ist eine Ressource für unsere Gesellschaft und Wirtschaft. 

Das Erlernen einer Fremdsprache ist eng verknüpft mit Interkulturellem Lernen. Im Folgenden wird aufgezeigt, in welcher Hinsicht Interkulturelle Bildung im Fach Französisch eine Rolle spielt. Dazu wird exemplarisch das KC für die Integrierte Gesamtschule (IGS) herangezogen, da dieses alle Schulformen der Sekundarstufe I abbildet.

 

Interkulturelle Bildung im Französischunterricht

"Das Zusammenwachsen Europas und der Welt, die Globalisierung der Lebensräume sowie individuelle und gesellschaftliche Bedürfnisse nach Mobilität, Kommunikation und Kooperation in vielfältigen Bereichen erfordern individuelle Mehrsprachigkeit. Das Erlernen der französischen Sprache trägt hierzu bei, indem es insbesondere für den Erwerb weiterer romanischer Sprachen wesentliche Grundlagen schafft und gleichzeitig die Erweiterung der Kompetenzen in der ersten Fremdsprache unterstützt." (KC IGS, S.7)

"Darüber hinaus haben die Lernenden mit ihren individuellen sprachlich-kulturellen Biografien bereits Vorerfahrungen aus der ersten oder/und zweiten Fremdsprache und bringen diese in den Französischunterricht mit ein. Dies gilt auch für ihre individuellen persönlichen und sozialen Kompetenzen (z. B. Einstellungen, Bereitschaft zur Interaktion, Interessen), die für den Erwerb interkultureller Kompetenz eine wichtige Rolle spielen." (KC IGS, S.12)

"Die Auseinandersetzung mit der Vielfalt der Lebenswirklichkeiten in Frankreich und anderen frankophonen Ländern in Europa und weltweit ermöglicht einen Zuwachs an kulturellen Erfahrungen und fördert die Bereitschaft, die eigene gesellschaftliche Wirklichkeit sowie persönliche Sichtweisen und Haltungen zu reflektieren. Es werden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die Schülerinnen und Schüler lernen, anderen Menschen mit Offenheit, Toleranz und Verständnis zu begegnen und so möglichst zu einer vorurteilsfreien Sicht auf gesellschaftliche Phänomene und politische Entwicklungen gelangen."(KC IGS,S.7)

 

Interkulturelle Kompetenzen

"Interkulturelles Lernen ist ein kontinuierlicher, lebenslanger und dynamischer Prozess, der durch schulische und außerschulische Erfahrungen und Begegnungen unterstützt wird. Oberstes Ziel des Französischunterrichts ist der Aufbau interkultureller Handlungsfähigkeit. Diese impliziert sowohl das kommunikative Handeln in realen interkulturellen Begegnungssituationen als auch die Bewältigung simulierter interkultureller Kommunikationssituationen im schulischen Kontext. 

Interkulturelle Kompetenzen umfassen zum einen den Bereich des sprachlichen Wissens, zum anderen Kenntnisse der soziokulturellen Gegebenheiten der Zielsprachenländer (savoir). Dieses Wissen wird zur Bewältigung realer Kommunikationssituationen genutzt (savoir faire). Interkulturelle Kompetenzen beinhalten zudem die Bereitschaft, sich auf fremdsprachliche kommunikative Situationen einzulassen und mit den vorhandenen eigenen Mitteln zu bewältigen, Fremdes und Unbekanntes bewusst wahrzunehmen und sich damit auseinanderzusetzen. Persönlichkeitsbedingte Eigenschaften wie Offenheit, Toleranz und Empathiefähigkeit spielen dabei eine besondere Rolle (savoir être). Der Französischunterricht strebt damit eine Verbindung fachspezifischer, fachübergreifender und pädagogischer Ziele an.

Interkulturelle Lernprozesse werden durch die Begegnung der Schülerinnen und Schüler mit einer teilweise als fremd empfundenen Wirklichkeit initiiert. Im Französischunterricht geschieht dieses auf der Ebene der Sprache (z. B. Konnotationen des Wortschatzes), der Personen, die die Sprache sprechen (sowohl frankophone Sprecher als auch Lehrwerkspersonen) und der Texte (vgl. Kapitel 2, Umgang mit Texten), die die Fremd- bzw. Zielsprachenkultur abbilden.

Die Schülerinnen und Schüler nehmen die fremde Sprache und Kultur aus ihrer eigenen Perspektive wahr. Die Auseinandersetzung mit frankophonen Gegebenheiten sowie Denkweisen, Werten oder Haltungen dient der Reflexion und Relativierung ihres eigenen kulturellen Standpunktes. Es werden ihnen Wege eröffnet, Fremdkulturelles nachzuvollziehen, zu verstehen und zu akzeptieren, um so mögliche Missverständnisse auszuräumen und Vorurteile und Klischees abzubauen (savoir comprendre).

Es ist Aufgabe des Französischunterrichts Neugier und Interesse zu wecken, um fremdsprachliche und fremdkulturelle Phänomene zu entdecken. Durch die plurikulturelle Dimension der frankophonen Welt eröffnet der Französischunterricht zudem Zugang zu weiteren kulturspezifischen Denkweisen, sodass die Schülerinnen und Schüler eine Erweiterung ihres interkulturellen Lernfeldes erfahren.

Für eine Bewertung dieses Teilbereichs des Fremdsprachenlernens ist zu berücksichtigen, dass Lernprozesse im Bereich des savoir comprendre oder savoir être an die Persönlichkeit und an individuell unterschiedlich entwickelte soziale, emotionale und kognitive Entwicklungsprozesse von Schülerinnen und Schülern gebunden sind. Daher können Lernfortschritte in diesen Bereichen nicht verlässlich und objektiv erfasst werden." (KC IGS, S. 13)

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