Leseförderung

Leseförderung ist nur dann erfolgversprechend, wenn sie an die mediale Sozialisation der Kinder und Jugendlichen anknüpft. Das bewusste Ausklammern audiovisueller bzw. digitaler Medien wäre weder ein geeignetes Mittel, die Bedeutung von Film, Fern­sehen, Computerspielen und Internet zu schmälern, noch das richtige Konzept, das Lesen aufzuwerten. Überdies würde diese Art von „Bewahrpädagogik“ oder „Aus­grenzungspädagogik“ auch den Ergebnissen der Mediennutzungsforschung zuwiderlaufen, die zeigen, dass das Ziel der Pädagogik eine Erweiterung der Kommunikationsfähigkeit insgesamt sein muss. Bei den Untersuchungen von Mediennutzungsstilen wird allerdings deutlich, dass Kommunikationsfähigkeit auch abhängig ist von der Schriftsprachenkompetenz, die damit zu einer Basiskompetenz für eine allgemeine Medienkompetenz wird.

Daher kommt der Leseförderung im Rahmen der Medienbildung eine besondere Rolle zu. Die Bedeutung des Lesens als Basiskompetenz ergibt sich nicht aus dem kulturellen Wert des Buches „an sich“, sondern erschließt sich aus den Anforderungen der schriftlichen Kommunikation. Lesen und Schreiben trainieren die aktive Informationsverarbeitung, fördern Abstraktions- und Artikulationsfähigkeit, kurz Denkleistungen. Somit bilden Lese- und Schriftsprachenkompetenz eine wesentliche Grundlage für die Auseinandersetzung mit allen anderen Medien. Defizite in diesem Bereich wirken sich nicht nur individuell aus, sondern tragen auch zu einer Teilung der Gesellschaft bei. Dieser Zusammenhang zwischen individueller Entfaltung, Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und Lesekompetenz ist der Hintergrund für den bildungs- und sozialpolitischen Auftrag der Leseförderung. Durch ein positives, d.h. anregendes Leseklima in den Schulen selbst, durch motivierende Verfahren und günstige Rahmenbedingungen können Kinder und Jugendliche neugierig auf das Lesen gemacht werden und sich schließlich zu Lesern entwickeln.

Sinnvolle Leseförderung bettet Lesen in Aktivitäten ein, die kreatives Schreiben und Theaterspielen ebenso einschließen wie Fotografieren, aktive Videoarbeit oder Textgestaltung mit dem Computer. Lesen muss also in einer komplexen Medienkonstellation gelernt und praktiziert werden, ohne dass die Eigengesetzlichkeiten der einzelnen Medien vernachlässigt werden. Schülerinnen und Schüler müssen im Unterricht mit den Medien unserer Zeit umgehen, um die Unterschiede im Sinne einer „produktiven Differenz“ zwischen den Medien, also auch die Unentbehrlichkeit und besonderen Leistungen der Printmedien, zu erfahren.

Die Konkurrenz der anderen Medien verändert die Funktion und den Stellenwert von Printmedien insgesamt. Leseförderung muss daher die spezifischen Möglichkeiten und Entwicklungschancen des Mediums Buch auch innerhalb einer konkurrierenden Medienlandschaft wahrnehmen und davon aus­gehend lesepädagogische Konzepte entwickeln.

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