Medien sind Fenster zur Welt

Wir leben in der einen Welt

Medien sind Fenster zur Welt, erweitern den Erfahrungshorizont. In ihrer Eigenschaft als Dolmetscher und Mittler zwischen verschiedenen Lebenswelten erweisen sich Medien als wertvolle Hilfe. Zugleich erweitern sie unseren Erfahrungshorizont. An die Stelle exotischer Vorstellungen treten optisch und akustisch vermittelte Eindrücke. "Fremdes" wird nicht nur abstrakt aufgenommen, sondern "sinnlich" erlebt. Dabei eröffnet das Filmbild die Möglichkeit, auch Nebensächlichkeiten, die vom Gewohnten abweichen, neu zu erkunden. Filme können also zum Entdecken einladen.

Wissen über und Einstellungen zu Menschen fremder Kulturen sind in besonderer Weise durch Medien geprägt bzw. werden durch Medien vermittelt. Nur eine Minderheit in unserer Gesellschaft hat Gelegenheit zu unmittelbaren Begegnungen und Erfahrungen in und mit fremden Kulturen, sieht man einmal von den "touristischen" Begegnungen ab. Medienvermittelte Erfahrungen können jedoch nicht mit unmittelbaren Erfahrungen verglichen werden. Gerade deshalb ist eine Auseinandersetzung mit Medien und den von ihnen vermittelten Informationen und Interpretationen notwendig. Die Schule muss dabei mit den Einflüssen außerschulischer Instanzen (z. B. der Familie) leben, die die Einstellung von Kindern bereits in der frühen Sozialisation beeinflussen.

Unterrichtsgegenstand im eigentlichen Sinne sind weniger die fremden Kulturen, Lebensformen und Probleme anderer Menschen für sich, sondern die eigenen Einstellungen und Beziehungen dazu. Sie müssen thematisiert werden. Vorhandene Vorurteile und Klischees lassen sich nicht durch noch so gut belegte Gegenbeispiele oder gar moralische oder sachliche Gegenrede abbauen. Auch ihre Verdrängung aus dem unterrichtlichen Alltag ändert nichts. Vorurteile müssen kommunizierbar gemacht werden: Nur etwas, worüber man reden kann, lässt sich langfristig abbauen. Moralischer Druck ist dabei wenig hilfreich. Das Fremd- und Anderssein darf nicht verborgen bleiben, es muss wahrgenommen und akzeptieren gelernt werden.

Die Perspektive der "Anderen"

Medien tragen dazu bei, Menschen aus anderen Kulturen die Möglichkeit zu geben, sich darzustellen. Dabei müssen wir Pädagoginnen und Pädagogen uns allerdings vergegenwärtigen, daß sich "Betroffene" häufig anders verhalten als wir erwarten. Von "Fremden" vermittelte mediale Botschaften zeigen auch eine uns "fremde" Perspektive, sie können Lebenswelten aus Ländern zeigen, die wir nicht kennen, sie können aber auch das Leben von "Fremden" bei uns zeigen, wie wir es selten oder nie wahrnehmen. Ein Asylbewerber z. B. wird seinen Alltag in einem Heim völlig anders darstellen, als wir es aus den Nachrichten oder Reportagen gewohnt sind. Eine ausländische Mitbürgerin wird das Thema "Fremdenhass" z.B. filmisch ganz anders umsetzen als es bei uns sonst vielleicht üblich ist.

Wenn wir uns darauf einlassen, einen Perspektivwechsel zu vollziehen, können uns die Medien nutzen, die Menschen anderer Kulturen nicht nur als "Opfer" oder "Bedrohung" zu betrachten, sondern sie auch als Schöpfer wahrzunehmen. Indem wir "fremde" Bilder - z. B. von den kulturellen Leistungen anderer Menschen - wahrnehmen können, haben wir die Möglichkeit, die vorgeprägten Denkmuster "entwickelt - unterentwickelt", "primitiv - zivilisiert", "rückständig - fortschrittlich" usw. in Frage zu stellen. Ausgangspunkt für diese Bemühungen können Aspekte sein, die in allen Kulturen relevant sind, wie z. B. Umweltverhalten, Freizeitverhalten, Freundschaften, Liebe, Kunst ... Defizitvergleiche ("sie haben nicht ..., dort gibt es keine ...") sollten vermieden werden.

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