Rezeption der Revolution

Was geschah 1917 in Russland?  Damals wie heute fiel die Deutung der Ereignisse ganz unterschiedlich aus. Dass die unterdrückten Massen in Russland die Macht an sich gerissen hatten, verstörte und begeisterte die Menschen in Europa. Viele verbanden mit der Entmachtung des Adels die Hoffnung auf Frieden zwischen den Völkern. Sie hatten genug vom Krieg. Doch diese Hoffnung erfüllte sich nicht. Von Beginn an waren Gewalt und Unterdrückung wesentliche Machtmittel der Kommunisten. Mit dem „Roten Terror“ zogen sie gegen die "Weiße Armee" im Bürgerkrieg, verhafteten gesellschaftliche und politische Gegner und Oppositionelle in den 20er Jahren und deportierten die besitzenden Bauern, die Kulaken, in den 30er Jahren. Zwölf bis 14 Millionen Menschen wurden allein zwischen 1934 und 1944 in den Gulags, Sonderlagern und durch Zwangsarbeit gequält und getötet.

Der totale Terror

Aus den Jahren des „Großen Terrors“ blieb das Jahr 1937 als Gipfel der Grausamkeit in der kollektiven Erinnerung. Von 1937 bis 1938 wurden 1,7 Millionen Menschen verhaftet und deportiert, davon fast die Hälfte ohne Gerichtsverfahren erschossen. Sie alle wurden verdächtigt, mit der Entkulakisierung und der Industrialisierung der Landwirtschaft unzufrieden zu sein. Da der Höhepunkt der Verhaftungen am 20. Jahrestag der Oktoberrevolution 1937 stattfand, sind diese beiden historischen Vorgänge in der öffentlichen Wahrnehmung miteinander verknüpft.

Was wird gefeiert?

Das macht das Gedenken heute schwierig. Bis 1990 war der Tag der Oktoberrevolution, der in Russland wegen des 1918 eingeführten gregorianischen Kalenders am 7. November gefeiert wurde, der höchste nationale Feiertag. Doch mit der Sowjetunion ging auch das Land der Oktoberrevolution unter. Schließlich schaffte Putin den Tag ab und ersetzte ihn durch den 4. November. An diesem Tag wird der Befreiung Moskaus von der polnischen Besatzung im Jahre 1612 gedacht. Schon 1649 wurde der Tag von Zar Alexej I. zum Feiertag in ganz Russland erhoben, weil er ein Symbol, für das Ende innerdynastischer Wirren sei. Bis 1917 wurde der Feiertag begangen. Seit 2005 ist er als Tag der „Einheit des Volkes“ ein patriotischer Feiertag.

Russland im Jubiläumsjahr 2017

Wie wird sich Russland dem Jubiläum der großen Revolution im Jahr 2017 stellen? Die Revolution als Gründungsmythos der Sowjetunion ist jedenfalls verschwunden. Fest verankert als patriotischer Feiertag ist dagegen der 9. Mai für den Sieg im „großen vaterländischen Krieg“ gegen das nationalsozialistische Deutschland.

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Bildrechte: Oskar Grosberg, 1918 (wikimedia commons, CC0)

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