Das Book - buddy - Projekt

Es gibt viele Orte zum Lesen und Vorlesen!


Einleitung

Wer schon als kleines Kind vorgelesen bekommt, bekommt nicht nur ein positives Verhältnis zu Büchern und zum Lesen, sondern entwickelt seinen aktiven und passiven Wortschatz - Aspekte, die durch Forschungen bewiesen sind.
Kindergärten und Grundschulen sind die Orte, an denen Leselust gelegt werden muss, denn das Zeitfenster für die Entwicklung von Lesekompetenz und Leselust ist kurz – spätestens in der Pubertät kann es sich bei mangelndem Interesse wieder schließen.
Nur alleine Bücher in einer Einrichtung zu haben, genügt nicht, sie müssen zum Leben erweckt werden – durch Lesen und durch Vorlesen. Vorlesepatenschaften zwischen Grundschülern und Kindergartenkindern können für beide Seiten im Leseprozess eine wichtige Hilfe sein:

Nutzen für die Kindergartenkinder

- sie bekommen vorgelesen
- sie bekommen etwas vorgelesen, das einem „Kindergeschmack“ entspricht
- sie genießen die Atmosphäre des Vorlesens
- die Kinder eifern den Älteren nach (der Aspekt des jahrgangsübergreifenden Lernens), haben eine Motivation, selbst schnell lesen zu lernen
- ältere Kinder nehmen sich Zeit für sie
- sie lernen Bücher kennen
- Kinder mit Deutsch als Zweitsprache werden in besonderer Weise sprachlich geschult (evtl. durch eine spezielle Vorauswahl passender Buchtitel)
- Motivation, selbst nach Büchern zu suchen, die sie vorgelesen bekommen wollen
- Bindung an das Lesen, Bindung an die Vorleser
- Bindung an die eventuell aufnehmende Institution
- Sicherheit bei der Einschulung, mögliche Weiterführung der Patenschaften in den Pausen oder durch Freundschaften

Nutzen für die Schulkinder

- neue Lesemotivation
- sie müssen vorlesen
- sie müssen ihre Texte, die sie vorlesen, vorbereiten, indem sie zum einen den Text / das Buch auswählen (Literaturkenntnis), zum anderen den Text „üben“ (Lesekompetenz)
- Methodenkompetenzgewinn durch Arten des Vorlesens (verteilte Rollen, Lesen mit Gesten, „interaktives“ Vorlesen, ...) und Arten, mit den Kindern umzugehen und auf sie zuzugehen
- Aspekt des jahrgangsübergreifenden Lernens: Vorbildfunktion
- Bindung an das Lesen, Bindung an die Vorleser
- „Öffentlichkeitswirksamkeit“ des Lesens
- Ansporn für „schwache“ Vorleser, zu üben, um sich an dem Vorlesen beteiligen zu können
- Sprachkompetenzerweiterung durch Eingehen auf das Sprachniveau der jüngeren Kinder


Nutzen für die Lehrkräfte und Erzieher

- besseres kennen lernen der jeweiligen Einrichtung, Durchlässigkeit der Systeme
- Kontakt zwischen Erzieherinnen und Lehrpersonen
- Kontakt zu den neuen Kindern bei den Lehrkräften, Kontakt zu ehemaligen Kindern bei Erziehern
- Steigende Sicherheit in der Lesekompetenz bei den Schulkindern
- Steigende „Zuhörkompetenz“ bei den Vorschulkindern
- Auffälligkeiten bei Vorschulkindern können beobachtet werden und man kann frühzeitig auf sie reagieren
- Parallelität zu der vorschulischen Sprachförderung


Fragen zu Organisatorischem

Wer nimmt teil?

Kinder des 3. Schuljahrganges und Kinder, die im darauffolgenden Schuljahr in die Schule kommen. Der Vorteil daran ist, dass die Schulkinder die Kindergartenkinder noch ein weiteres Schuljahr als „Schulpaten“ begleiten können und die Vorschulkinder die Schule als Institution kennen lernen.
Eine Idee ist es, mit den Schulkindern gemeinsam demokratisch abzustimmen, ob man das „book - buddy – Projekt“ durchführen möchte.

Jedes Schulkind sollte möglichst ein Kindergartenkind als „book buddy“ bekommen. Der Kindergarten erstellt eine Liste der teilnehmenden Kinder. Die Schulkinder ordnen sich den Kindern zu – oft gibt es schon Bekanntschaften, die dann im Projekt weitergeführt werden.

Vergessen sollte man nicht, die Eltern über das Projekt zu informieren, damit sie die Kinder, vor allem die Schulkinder, häuslich tatkräftig unterstützen können. Dazu bietet sich ein Elternabend an (vielleicht sogar ein gemeinsamer mit Eltern des Kindergartens und der Schule); auf jeden Fall sollte es einen
Eltern-Informationsbrief
geben.


Wer spricht wen an? Die Schule die Kita oder Kita die Schule?

Dazu kann es unterschiedliche Modelle geben. In Goslar war eine Auftaktveranstaltung des Kreiselternrates die Motivation für die Institutionen, ins Gespräch zu kommen.
Oft sind die Kontakte zwischen Schule und Kindertagesstätte gerade durch in diesem Schuljahr stattfindende vorschulische Sprachförderung bereits intensiv geknüpft. Bei vielen Schulen gibt es mehrere Kindergärten, die Kinder an die betreffende Grundschule abgeben, sodass man dann überlegen muss, wie man die book buddies am besten organisiert.

Wo und wann findet das Vorlesen statt? Schule oder Kita?

Als positiv wird bei vielen Beteiligten empfunden, dass man sich in der Schule trifft, da die Schule ein geringeres Zeitdeputat hat als der Kindergarten. Das hängt natürlich von den Gegebenheiten der Institutionen und von den Wegen ab.
Vom „Ambiente“ und den Platzmöglichkeiten her wird die Kindertagesstätte oft als angenehmer empfunden.

Die Zeit ist institutionalisiert, also einmal in der Woche an einem festen Tag. Viele Schulen fangen erst im zweiten Halbjahr mit dem „book buddy“ an, aber es bietet sich auch an, das ganze Schuljahr gemeinsam zu arbeiten.
Der Tag hängt von den Gegebenheiten der Schule ab, bewährt haben sich der Freitag und das Montag, da am Freitag das Erlebte in die Elternhäuser getragen wird und am Montag das Wochenende für die Schulkinder als Vorbereitung liegen kann. Bei mehreren Klassen kann der Tag natürlich auch gesplittet werden.

Für die Schulkinder muss man zu der Stunde noch etwa eine weitere Stunde für Vor- und Nachbereitung rechnen.


Wie komme ich an die Bücher?

Es gibt mehrere Möglichkeiten:
- Klassen- oder Schulbibliotheksbücher
- Zusammenarbeit mit der örtlichen Bibliothek, die Bücherkisten packt
- Bücher der Kinder
- „Sponsoring“ von Buchkisten durch örtliche Firmen
- Bücherflohmarkt oder Bookscrossing


Wie läuft eine ideale „Book buddy – Sitzung“ ab?

Die Kinder treffen sich gemeinsam - zunächst muss abgeklärt werden, wer krank ist und wer einen Ersatzpartner braucht. Dann suchen sich die Gruppen einen Platz zum Lesen – vielleicht sind es auch immer feste Plätze. Die Schulkinder lesen ca. 20 – 25 Minuten vor (mit Bildern betrachten, Erzählen zum Buch, ...) , danach können die Kinder gemeinsam zu dem Buch malen oder sich etwas erzählen oder spielen.


Vor- und Nachbereitung für die Schulkinder


Nach der Entscheidung für das book-buddy-Projekt und vor dem ersten Treffen mit den Kindergartenkindern sollte jedes Kind mindestens ein Buch in die Schule mitbringen, das es in seiner Kindergartenzeit gut fand und den Mitschülerinnen und Mitschülern vorstellen.
Als Vorbereitung können dafür die Arbeitsblätter dienen.

Gleichzeitig sollten die Kinder als häusliche Vorbereitung das Vorlesen trainieren.
Einige Probleme können in der Partnerschaft auftreten, die die Kinder meist selbst lösen, falls nicht, haben sie ihre Lehrkraft oder Erzieherin als Ansprechpartner. Beispiele für aufgetretene Probleme:
- Das Kindergartenkind hört nicht zu
- Das Buch, das das Schulkind ausgewählt hat, ist zu anspruchsvoll für das Kindergartenkind
- Das Kindergartenkind kann sich nicht lange konzentrieren
- Das Schulkind liest zu langsam oder zu unverständlich

Für die Lösung dieser Probleme kann auch eine kurze Nachbereitung hilfreich sein, in der man mit den Schulkindern beispielweise über das Niveau der Bücher redet oder mit den Kindergartenkindern über das Zuhören.


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Claudia Maria Korte, korte@nils.nibis.de