Fotoroman - eine Möglichkeit der Textinterpretation
 

Vorbemerkung

Den Schülerinnen und Schülern sind Fotoromane aus Zeitschriften (Bravo, Gute Zeiten Schlechte Zeiten etc.) bekannt. Eine Analyse dieser Fotoromane im Vorfeld der Arbeit bietet sich an, ist aber nicht notwendige Voraussetzung für die Erstellung eines Fotoromans.

1. Ausgangspunkt

Grundlage für die hier dargestellte Art des Fotoromans ist ein Text, ein (Anfangs-) Kapitel eines Buches oder ein gesamter Kinder- oder Jugendroman. Nach Fertigstellung und Betrachtung der Fotoromane steht der Text auch wieder im Mittelpunkt.

2. Textauswahl

Soll z. B. in einer Doppelstunde in der Schule ein Fotoroman erstellt werden, so sollte ein Text ausgewählt werden, der im schulischen Umfeld spielt ("Ferien am Meer" bietet sich da nicht an). Steht aber während einer Projektwoche mehr Zeit zur Verfügung, so gibt es bei der Textauswahl kaum Grenzen, da mit Requisiten gearbeitet werden kann, weitere Wegstrecken für die Aufnahmen in Kauf genommen werden, bzw. Trickaufnahmen gemacht werden können.

Schwierig wird es nur bei Texten, die mit verschiedenen Erzählebenen arbeiten oder die stark durch Rückblenden gekennzeichnet sind. Für größere Schülerinnen und Schüler aber sollte dieses kein Hinderungsgrund, sondern eher spannende Herausforderung sein.

Es sollten aber Texte ausgewählt werden, die viel "Personal" haben, damit möglichst viele Schülerinnen und Schüler an der Erstellung eines Fotoromans beteiligt sind.

3. Aufgabenstellung

Die Schülerinnen und Schüler sollen während der Lektüre des Textes ihnen wichtig erscheinende Textstellen markieren.

4. Anzahl der Bilder

Im Anschluss an die Lektüre wird festgelegt (eventuell Vorgabe durch die Lehrerin, den Lehrer), aus wie vielen Bildern der Fotoroman bestehen soll.

5. Gruppenarbeit

Die Schülerinnen und Schüler einigen sich in ihrer Gruppe auf die entsprechende Anzahl von für sie wesentlichen Textstellen. Wenn dieser - ganz wichtige - Prozess abgeschlossen ist, erstellt jede Gruppe für ihren Fotoroman ein Storyboard.

6. Storyboard

Das Storyboard dient der Sicherung der Vorarbeiten zum Fotoroman und ist bei der Gestaltung des Fotoromans eine große Hilfe.

In dieses Storyboard wird für die "Filmaufnahmen" eingetragen, welche Personen der Geschichte auf dem jeweiligen Foto zu sehen sind und wer deren Rolle übernimmt. Des weiteren muss notiert werden, wo die Aufnahme gemacht werden sollen und was dargestellt werden soll. Außerdem soll eingetragen werden, auf welche Zeilen bzw. auf welche Seiten sich dieses Foto bezieht und wie die Personen sich in dieser Szene äußern. Natürlich muss auch in der Gruppe geklärt werden, wer die Regie führt und wer die Kameraführung hat. Steht ein längerer Zeitraum zur Verfügung, muss noch die Frage der Requisiten geklärt werden.

Das Storyboard sollte also folgende Rubriken umfassen:

  • Personen/Darsteller
  • Ortsbeschreibung
  • Aktion / Was passiert?
  • Wörtliche Rede / Zitat
  • Kamera / Regie
  • Requisiten.
Ist das Storyboard vollständig ausgefüllt, können die Fotos gemacht werden.

7. Aufnahmen

Die Fotoaufnahmen sollten in einem gewissen Maße künstlerisch gestaltet sein. D. h. dass vorher
  • Proben stattfinden müssen, um die richtige Körperhaltung und Mimik einzustudieren. Außerdem sollten
  • Lichtverhältnisse berücksichtigt und die passenden
  • Entfernungsverhältnisse der Kamera zu den Agierenden beachtet werden. Es muss des weiteren überlegt werden, ob die Aufnahmen situationsangemessen als
  • Totale, Halbtotale oder Nahaufnahme gestaltet werden sollen.

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8. Bearbeitung der Fotos

Die Weiterarbeit richtet sich danach, welche Kameras verwendet worden sind. Für die Erstellung eines Fotoromans im normalen Schulalltag bieten sich digitale Fotokameras an, da die Bilder nach den Aufnahmen zur Bearbeitung gleich zur Verfügung stehen. Das kommt dem Bedürfniss entgegen, die Aufnahmen sofort zu sehen. Außerdem gibt es auf diese Weise sofort Korrekturmöglichkeiten.

Auf einen Tonkarton (DIN A 2) werden die fertigen Bilder so aufgeklebt, dass unter ihnen Platz für kurze Texte und rechts und links für Sprech- und Gedankenblasen bleibt. Außerdem müssen oben natürlich auf diesem Karton Verfasser/in und Überschrift bzw. Titel des umgesetzten Textes / Romans notiert werden. Und vielleicht wollen sich unten auch die Akteurinnen und Akteure verewigen?

9. Texte

Die Bilder werden mit Untertexten versehen, die beschreiben, in welchen Textzusammenhang diese Bilder gestellt worden sind. Zur Erstellung dieser Texte werden die Beschreibungen aus dem Storyboard (Ortsbeschreibung / Aktion) herangezogen.

Bei einer umfassenderen Textvorlage (z.B. Roman) empfiehlt es sich, eventuell noch Zwischentexte zu verfassen, damit diejenigen, die den Text nicht gelesen haben, dem Handlungsverlauf auch folgen können.

Sowohl für die Bildunterschriften als auch für die Zwischentexte werden von den Schülerinnen und Schülern eigene Texte verfasst. Für die Sprech- und Gedankenblasen, die den Untertext adäquat ergänzen sollen, werden Zitate aus dem Text verwendet (s. Storyboard Wörtliche Rede/Zitat).

Hinweis:

Wenn es die technischen Möglichkeiten erlauben, kann dieser ganze Vorgang unter Anwendung der Software "Word" gestaltet werden.
Die Anleitung dazu kann als pdf-Datei ausgedruckt werden

Vom Ansatz her geht diese Beschreibung zur Erstellung eines Fotoromans davon aus, dass innerhalb des Klassenverbandes in Gruppen gearbeitet wird, weil durch die unterschiedlichen Prozesse

  • Lesen des Textes
  • eigene Entscheidung für wesentliche Stellen / Ereignisse
  • Einigung in der Gruppe auf die Textstellen für die Fotos
  • in der Diskussion intensive Textarbeit
  • handlungs- und produktionsorientierter Umgang mit der Textvorlage

die Grundlagen für eine Interpretation des Textes gegeben sind.

Auf diesen Grundlagen aufbauend wird im Gespräch über die unterschiedlichen Fotoromane, die in den Gruppenarbeiten entstanden sind, erneut - diesmal im Klassenverband (Warum habt ihr ein Bild zu dieser Textstelle gemacht? Wir finden unsere viel wichtiger. u.a.m.) - eine intensive Auseinandersetzung mit der Textvorlage stattfinden, die eine Möglichkeit der Interpretation des Textes ist.


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