InternetGegenRechts

Der deutsche Rechtsextremismus nutzte von Beginn an die Möglichkeiten des Internet zur internen Vernetzung und Agitation nach außen. Im Jahrzehnt nach der Wiedervereinigung entstand eine neue Generation rechtsextremistischer Aktivisten mit flexiblen Organisationsformen ("Kameradschaften") und erhöhter Militanz. Dabei unterstützen die Möglichkeiten digitaler Medien das Vorhaben, menschenfeindlichen und rassistischen Inhalten ein modernes und zeitgemäßes Image zu geben.
Der Journalist Toralf Staud beschrieb bereits im Jahre 2002 in DIE ZEIT die neue Unübersichtlichkeit des rechten Lifestyles: „Rechts heißt nicht mehr automatisch Springerstiefel, Glatze und Bomberjacke; man trägt genauso Turnschuhe und Plateausohlen, Scheitel und blondierte Strähnen, enge Jeans und Schlaghosen. Die rechte Jugendkultur ist ein Patchwork aus Musik und Sprache, aus Kleidung, Runen und Germanenmystik. Ein ganzer Kosmos rechten Lifestyles hat sich entwickelt, aus dem sich jeder herauspicken kann, was ihm gefällt“ (zum Artikel). Stefan Glaser, Experte für Rechtsextremismus bei jugendschutz.net, stellte fest: "Es werden Symbolanleihen bei ganz unterschiedlichen Jugendkulturen gemacht".
Diese Entwicklung hat sich in den letzten Jahren weiter verstetigt - nicht nur in den ostdeutschen Bundesländern. Die Zahl rechtsextremer deutschsprachiger Internetseiten hat sich – nach Angaben des Verfassungsschutzes – auf den hohen Stand von ca. 1000 Seiten eingependelt. Diese sind oft professionell gestaltet und nutzen sämtliche interaktiven Möglichkeiten des Mediums. Neu ist das Vorhaben, rechtsextreme Inhalte in unverdächtige Portale des Social Web/Web. 2.0 wie YouTube oder SchülerVZ einzustellen und damit ein Millionenpublikum zu erreichen. Das ständige Löschen dieser Propagandaclips durch die Provider erinnert an die Geschichte von Hase und Igel. (dazu SPIEGEL ONLINE im Juni 2008: "Neonazis verschärfen Hetze im Netz" - zum Artikel). Nicht gänzlich neu, aber besorgniserregend gewachsen ist das Drohpotenzial vieler Seiten. Unter der Überschrift "Brauner Pranger" berichtete DER SPIEGEL im Juli 2008 von der Praxis, den politischen Gegner mit Verbalattacken zu überziehen: „Die Strategie der Einschüchterung sei "ungewöhnlich aggressiv und hetzerisch" geworden, sagt Manfred Murck vom Hamburger Landesamt für Verfassungsschutz. Auf speziellen Pranger-Seiten werden Fotos, biografische Details und Adressen der Neonazi-Gegner ins Netz gestellt“ (zum Artikel).
Soweit die schlechten Nachrichten. Die gute Nachricht lautet: Seit Jahren bietet das Internet eine zunehmende Anzahl von Seiten, die zuverlässig und aktuell über das Geschehen am rechten Rand sowie Aktivitäten der Zivilgesellschaft berichten. InternetGegenRechts auf dem Niedersächsischen Bildungsserver NIBIS sammelt seit nunmehr neun Jahren diese Links gegen Rechts: Im Mittelpunkt steht die kommentierte Linksammlung, ergänzt durch einige Rezensionen von Büchern und digitalen Medien. Dabei werden insbesondere Inhalte berücksichtigt, die in Schule und Jugendarbeit Verwendung finden können. Ein zweiter Schwerpunkt besteht im Bereich politische Bildung, historisch-politisches Lernen und Gedenkstättenpädagogik.
InternetGegenRechts wurde im August 2008 erweitert und aktualisiert. Neu hinzugekommen ist die Rubrik „Thema: Antisemitismus“. Einige Bereiche wurden der Übersichtlichkeit halber stärker gegliedert, so erscheinen die Links innerhalb der Rubrik „Initiativen“ nun nach Bundesländern geordnet. Seiten aus Niedersachsen stehen in allen Rubriken nun am Anfang. Und zuletzt: Eine Linksammlung bietet naturgemäß immer eine Auswahl – wer gravierende Lücken entdeckt, den bitten wir um Nachsicht & Nachricht.
Michael Pechel
E-Mail: pechel@nils.nibis.de
Letzte Aktualisierung: 10. Februar 2010