Fach-Seminar Sport I
Martin Ihlius

letzte Änderung am 30.10.2001

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Martin Ihlius

Fachseminar Sport AS II Lüneburg

September 2001

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Einführung ins Kanadierfahren – Methodischer Aufbau

1             Voraussetzungen zur Teilnahme

1.1      Bei den Schülern

Es nehmen nur Schüler am Kanusport teil, die schwimmsicher sind, d.h. mindestens das Deutsche Jugendschwimmabzeichen Bronze besitzen.

1.2      Beim Lehrpersonal

Die Lehrpersonen müssen Rettungsfähigkeit besitzen, d.h. sie besitzen mindestens das Deutsche Rettungsabzeichen Bronze.

1.3      Formale Voraussetzungen

   Einverständnis der Erziehungsberechtigten (bei Minderjährigen)

   Beaufsichtigung entsprechend dem Alter und des Könnens der Schüler und unter Berücksichtigung des Reviers und der Gruppengröße

   Sicherheitsmaßnahmen wie Revierkenntnis, Rettungsmaßnahmen kennen, Verhaltensregeln auf dem Wasser

   Schwimmwesten sind grundsätzlich empfohlen, auf Bundeswasserstraßen Pflicht

2             Auswahl des Gewässers

Grundsätzlich ist auf Stillgewässern mit dem Kanufahren zu beginnen. Dabei sind folgende Aspekte zu beachten:

   Überschaubarkeit des Gewässers (Zugang zum Gewässer, Größe, Einsehbarkeit von Land und von Wasser)

   Winde: starke Winde erschweren den Einstieg ins Kanufahren enorm, bei größeren Gewässern besteht zusätzlich die Gefahr starker Wellenbildung

   Tiefe des Gewässers: Für den Beginn ist Stehtiefes Wasser nützlich (Angstabbau, Sicherheit)

Fließgewässer sind für Anfänger unter folgenden Aspekten zu beurteilen:

   Breite Flüsse sind vorzuziehen, die ein manövrieren erleichtern

   Geeignete Ein- und Aussatzstellen

   Geringe Fließgeschwindigkeit

   Ausreichende Wassertiefe

   Keine Hindernisse, Wehre etc.

Bei Schülern mit reduzierten Kompetenzen im Wahrnehmungsbereich, besonders der Gleichgewichtsfähigkeit und/oder großer Ängstlichkeit ist es besonders günstig, im Schwimmbad bzw. Hallenbad mit ersten Kanuübungen zu beginnen.

3             Schrittweiser Aufbau der Kompetenzvermittlung

3.1      Einstieg – Ausstieg

Beim Einstieg  und Ausstieg aus dem Kanadier gelten folgende Regeln:

   Mit Paddel einsteigen, das vor dem Körper gehalten wird (Gegensatz um Kajakfahren à Paddelstütze)

   Mit beiden Händen den Süllrand und Paddel greifen

   Mit einem Bein einsteigen, mit dem Bein das Kanu ans Ufer ziehen, Gewicht auf das Bein im Boot verlagern und mit möglicht tiefen Körperschwerpunkt zügig einsteigen und hinsetzten bzw. –knien.

   Immer gegen die Strömung anlegen, d.h. das Bug zeigt flussaufwärts. Dazu wird erst das Heck ins Wasser gelassen bzw. das Bug des Kanus zuerst aus dem Wasser gezogen.

   Der Hintermann (Steuermann) steigt zuerst in das Boot bzw. zuletzt aus, der Vordermann (Schlagmann) sichert das Boot und steigt zuletzt ein bzw. zuerst aus.

3.2      Gleichgewicht

Verschiede Übungen, die das Gleichgewichtsverhalten im Kanu vermitteln. Dabei kann das Kanu zunächst stabilisiert werden, später in verschiedenen Positionen (Sitz-Knien-Hocke-Stand) Spiele und Übungsformen ausprobiert werden. Wichtig ist hierbei, dass die Schüler ein Gefühl für das Kanu auf dem Wasser unter verschiedenen Bedingungen (z.B. in fester Position, in der Fortbewegung, mit/ohne Wellengang) entwickeln und dadurch Sicherheit und Vertrauen aufbauen.

3.3      Handhabung des Paddels / Paddeltechnik

Zunächst werden die Schüler in das richtige Fassen des Paddels eingewiesen. Das Stechpaddel wird mit Kanunahenseite am Griff gehalten, die andere Hand greift ungefähr schulterbreit am Stil an.

Das Paddel wird nahe am Kanu vorbeigeführt und dabei möglichst senkrecht gehalten.

Die Steuertechnik wird in folgenden Schritten eingeführt:

1.     Der Steuermann steuert das Kanu, indem er das Stechpaddel wie eine Pinne bei einem Segelboot benutzt. Er hält es möglichst weit nach hinten und führt Richtungswechsel dadurch aus, dass er das Paddel nach rechts und links hält. Der Schlagmann sorgt dabei für den Vortrieb.

2.     Der Steuermann steuert das Kanu dadurch, dass er auf einer Seite das Paddel in das Wasser drückt und damit eine Bremswirkung ausübt. Dadurch führt das Kanu eine Kurve zu der Seite aus, auf der der Steuermann „bremst“. Zum Steuern muss daher immer ggf. eine Seitenwechsel vorgenommen werden.

3.     Der Steuermann bewirkt eine Kurve zur entgegensetzten Seite aus, auf der er das Paddel hält, indem er einfach einen Vortriebschlag ausführt. Die Richtungsänderung ist nur sehr langsam.

4.     Der Bogenschlag verstärkt die Steuerwirkung zur entgegengesetzten Paddelseite (siehe 3.) Dazu wird das Paddel im Halbkreis bis zum Heck geführt.

5.     Eine noch stärkere Steuerwirkung zur entgegengesetzten Paddelseite erreicht man durch den Ziehschlag. Hierbei wird das Paddel weit neben dem Heck ins Wasser gesetzt und gerade zum Heck gezogen.

6.     Der Steuer- oder J-Schlag ist ein Schlag, mit dem das Kanu zur Paddelseite abgelenkt wird, ohne eine Bremswirkung (wie unter 2.). Dazu wird zum Steuern nicht die aktive Seite des Paddels gewechselt (die Seite, auf ein Druck entsteht), sondern durch Drehen des Paddels (Daumen der oberen Griffhand zeigt nach unten außen) wird das Paddel stets unter Druck vom Heck weggedrückt. Der Schlag vollzieht von oben gesehen die Form eines „J“. In Kombination mit dem Bogenschlag kann so mit dem Paddel stets auf einer Seite bleibend in alle Richtungen gesteuert werden.

3.4      Zusammenarbeit der Bootsbesatzung

Im folgenden wird davon ausgegangen, dass mindestens zwei Schüler sich im Kanu befinden. Dabei besteht folgende Rollenverteilung:

   Der Steuermann sitzt hinten, ist für den Kurs und die Steuerung verantwortlich und gibt Kommandos für die gesamte Besatzung, er trät die Verantwortung

   Der Schlagmann sitzt vorne und gibt den Schlagrhythmus vor und gibt Informationen über Hindernisse und Gefahren

   Die übrige Besatzung hört auf die Kommandos des Steuermanns und orientiert den Schlagrhythmus am Schlagmann, wobei die Seite auf der die Kanuten ihr Paddel halten von hinten nach vorne immer abwechselt.

Beim gemeinsame Paddeln giert das Boot leicht zur entgegengesetzten Paddelseite des Steuermanns. Daher muss er dies durch einen Bremsschlag auf der gleichen Paddelseite, durch häufigen Wechsel der Paddelseiten oder durch den Einsatz des J-Schlages ausgleichen. Der Schlagmann führt dabei einen geraden Treibschlag aus.

Der Schlagmann kann das Steuermanöver unterstützen, indem er einen Bogenschlag, einen Hebelschlag oder einen Ziehschlag einsetzt.

3.5      Manöver

3.5.1    Anlegen

Zunächst muss das Anlegen geübt werden, der Steuermann richtet den Bug des Schiffes durch einen Brems-, Zieh- oder Bogenschlag zum Ufer hin aus, der Schlagmann unterstütz durch einen Treib- oder Ziehschlag auf der Ufernahen Seite. Der Schlagmann steigt zuerst aus und sichert das Kanu, der Steuermann hält dabei weiterhin die Spitze des Kanus am Ufer.

3.5.2    Vorwärtsfahrt

Der Schlagmann sorgt Treibschläge für den Vortrieb, der Steuermann hält wie oben beschrieben durch entsprechende Steuerschläge Kurs.

3.5.3    Bremsen / Stoppen

Durch gemeinsame Rückwärtsbewegung der Paddel (Anweisung: „Drückt das Paddel im Wasser nach vorne“), soll das Kanu möglichst schnell zum Stillstand kommen, um ggf. vor Gefahrenpunkten rechtzeitig anhalten zu können. Dabei ist der Steuermann für die Beibehaltung der Richtung verantwortlich.

3.5.4    Rückwärtsfahren

Es werden die gleichen Schläge wie beim Vorwärtsfahren ausgeführt, nur in umgekehrter Richtung. Dazu kommt dem Vordermann die Rolle des Steuermanns zu und muss Kurs halten.

 

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