Druckversion

Zurück

 
Tipps für den Einsatz von Videofilmen
(vor allem – aber nicht nur – im Fremdsprachenunterricht)
Schon gewusst?
  • Aus den ersten fünf Minuten der Vorführung wird am meisten behalten (ca. 90 %).
  • Während der zweiten fünf Minuten lässt die Aufmerksamkeit stark nach (noch ca. 50 % Behaltenseffekt).
  • Kurze pausen im Filmablauf erhöhen die Aufmerksamkeit stark.
  • Beim ersten Anschauen ist die Aufmerksamkeit der Lerner stark auf Handlung und kaum auf Sprache gerichtet.
  • Auf Sprache wird bei den folgenden Vorführungen geachtet.
  • Wiederholung, in welcher Form auch immer, ist eines der effektivsten Mittel zur Steigerung des Lernzuwachses.
  • Die erste Wiederholung bringt den meisten Lernzuwachs.
  • Bis zu drei Wiederholungen bringen Lernzuwachs.
Was folgt daraus für den Einsatz von Videofilmen im Fremdsprachen-unterricht?
  • Kurze Stücke Film (ca. 5 Minuten) vorführen in drei Schritten, vom Einfachen zum komplexen, mit folgenden Zielrichtungen:
    • Beim ersten Sehen Geschehen erfassen und artikulieren,
    • Beim zweiten Sehen (Ausschnitte, Dialoge) Sprache erinnern und verwenden,
    • Nach dem dritten Sehen thematisch-inhaltliche Aspekte erfassen und erörtern.

[N.B.: Die Übungstypen auf der Checkliste beziehen sich nicht nur auf solche kurzen Filmstücke, etwa aus dem Schulfernsehen, sondern auf Videofilme ganz allgemein, bis hin zur Literaturverfilmung.]

A Aktivitäten vor der Durchführung eines Videofilms
  • Vorwissen aktivieren! (inhaltlich und sprachlich)
    - Was weißt Du über...?
    - Reizwort / Begriff vorgeben und Assoziationen auf Folie/Tafel sammeln
      (Assoziogramm).
  • Vermutungen anstellen lassen!
    a. Der Film ist über: ...
    b. Wir werden sehen: ... (Szenen stichwortartig)
    c. Folgende Geräusche / Musik könnten vorkommen: ...
    d. Wenn der Film auch eine “Geruchsspur” hätte, könnte man riechen: ...

    Vorgaben: Filmtitel / Bild auf Cassetten-Hülle / Standfotos / Standbilder per Pausentaste / kurze Anfangsszene (wenige Sekunden)

  • Schauspieler beschreiben lassen! (Personenbeschreibung)
    - Du bist der Regisseur: Wie sollen die Hauptdarsteller im Film
      aussehen? Vorgabe: Inhaltsangabe des Films
  • Mini-Drehbuch erstellen lassen!
    Szene Nr. Handlung Dialog Geräusche/Musik Kameraeinstellung
             

    Vorgabe: Inhaltsangabe und einfacher Raster
  • Beobachtungsaufgaben stellen!

    - Welche Personen kommen vor?
    - An welchen Schauplätzen spielt der Film?
    - Was sagt A zu B?
    - Wer sagt folgenden Satz “ . . . . .”?
    - Stimmt das – ja oder nein? (Aussagen zum Abhaken)
    - Was ist anders als bei uns? (Kulturelle Unterschiede)
    - Was denkt/fühlt NN? (Gestik, Mimik, Körpersprache)
B. Aktivitäten während der Vorführung eines Videofilms
  • Wörter und Strukturen nachsprechen lassen!
    - Film stoppen, ausgewählte Wörter/Strukturen nachsprechen lassen und zur
       Bestätigung noch einmal vorspielen (wie im Sprachlabor).
  • Kleine Sequenzen nacherzählen lassen!
    - Film stoppen und z.B. Dialog in indirekte Rede umformen lassen.
  • Fragen durch Schüler stellen lassen!
    - Schüler stoppt Film bei Verstehensschwierigkeiten und fragt Mitschüler.
  • Film zu Ende erzählen lassen / andere Teile des Films rekonstruieren lassen!
    - Dazu Film bei inhaltlichem Höhepunkt stoppen bzw. nur Anfang / Mitte /
       Ende zeigen und fehlende Passagen rekonstruieren lassen.
  • Schülerkommentare durch Sprechblase provozieren!
    - Sprechblase (aus Pappe oder Folie) bei Standbild über den Kopf einer
       Person halten.
  • Sprechblase durch schnellen Bildsuchlauf schaffen.
    - Schnellen Bildsuchlauf (vor oder zurück) mit gelegentlichen Stopps (gezielt oder
       “Zufallstreffer”) und über betreffende Filmstelle reden.
  • Vermutungen äußern lassen!
    Film(sequenz) ohne Ton vorspielen und fragen:
    - Worum geht es hier überhaupt?
    - Wer könnten die verschiedenen Personen sein?
    - Welchen Beruf könnten sie ausüben? etc.
  • Sprechart übernehmen lassen!
    - Szene zunächst mit Ton mehrfach vorspielen, dabei konzentrieren sich Schüler
       auf bestimmte Person. Danach übernehmen sie, bei abgeschaltetem Ton,
       einen Sprechpart (nur wesentliche Aussagen, keine Synchronisation!).
  • (Laufenden) Film kommentieren lassen!
    - Szene zunächst mehrfach mit Ton vorspielen, dann, bei abgeschaltetem Ton,
       von Schülern kommentierend begleiten lassen.
  • Film aus Tonspur und Bildspur in Partnerarbeit rekonstruieren lassen!
    - Schülergruppe 1 schaut sich Film ohne Ton an, gruppe 2 hört nur die Tonspur.
       In Partnerarbeit wird der Film rekonstruiert und danch komplett vorgeführt.
C. Aktivitäten nach der Vorführung eines Videofilms
  • Tapescript erstellen lassen!
    - Für diese und andere Übungen Tonspur des Videofilms auf Audiokassette
       mitschneiden (technisch sehr einfach, nur ein Überspielkabel erforderlich!).
  • Lückentext bearbeiten lassen!
    - Aus Tapescript Lückentext anfertigen und ausgewähltes Vokabular und
       Dialogteile etc. ergänzen lassen (mit Hilfe von Audiokassette oder von
       vorgegebenen Wörtern / Sätzen).
  • Briefe, Berichte, Interviews etc. erstellen lassen!
    - Grundsätzlich bei Film alle Übungsformen möglich, die auch bei anderen
       Textsorten möglich sind.
  • Film durch Bildergeschichte oder Comic aufarbeiten lassen!
    - Kreative Artikulationsmöglichkeit, bes. für weniger sprachbegabte Schüler.
  • Stummen Dialog führen lassen!
    - Schriftliche Kommunikation über Gefühle und Meinungen an einer Wandzeitung
       (bes. bei Filmen, die starke Emotionen auslösen).
  • Rollenspiel durchführen lassen
    - Entweder schon während der Filmvorführung bei einem inhaltlichen Höhepunkt
       oder nach dem Film.
  • Wenn Sie mehr über den Einsatz von Video im Fremdsprachenunterricht wissen wollen:

Die Checkliste auf den vorausgehenden Seiten basiert auf einem Aufsatz von Wolf Liebelt: "Anregungen für den Umgang mit Video im Fremdsprachenunterricht.", in: PRAXIS des neusprachlichen Unterrichts 3 (1998), S. 250 - 261, (dort weitere Literaturangaben.

Die Information auf Seite 2 ("Schon gewußt?") sind entnommen einem Aufsatz von H.J. Weiand: "Sprachlernen mit dem Videorekorder" in: Praxis Schulfernsehen 177 (1991), S. 86 - 88 und 179 (1991), S. 62 - 63, (dort weitere Literaturangaben).

 
 

 

zurückLinieSeitenanfang

 
    EinleitungEinsatzberichteArbeitsblätterFilmscriptKritiken FilmspracheLiteratur LinksSitemap