Die Don-Bosco-Schule ist eine Haupt- und Realschule in Trägerschaft des Bistums Hildesheim.

Aktivitäten 2009/2010

„Jungs im Blick“

Eltern-Lehrer-Forum am 23.2.2010

Gedanken zum Thema von unserer Schulsozialpädagogin Jennifer Hahn

 

 

 

 

 

Warum Jungs so anders sind und daher auch anderes brauchen - am Ende des Abends war klar: Hier gibt es viel zu tun, um unseren Söhnen und Schülern gerecht zu werden!

 

 

 

 

Zweieinhalb Stunden hatte er angekündigt, der Referent Albert Krüger, der am 23.2. zum Eltern-Lehrer-Forum unserer Schule eingeladen war. Zugleich versprach er, dass es nicht langweilig werden würde und dass man sich bei seinen Vorträgen bewegen darf. Wer also sein Sitzfleisch genug strapaziert hatte, durfte einfach ein wenig herumlaufen, nach draußen gehen und sich dann ganz entspannt wieder ins Auditorium setzen.

 

Das war ein erster Hinweis darauf, dass Jungen Bewegung brauchen und diese sich förderlich auf ihren Lernprozess auswirkt.

Im Folgenden wurden die über 330 Gäste des Abends nicht enttäuscht. In engagierter, schwung- und humorvoller Weise gab Herr Krüger viele interessante und nachdenklich stimmende Informationen über das männliche Geschlecht. Einige davon sind hier zu lesen:

 
  • Jungen und Mädchen haben ein anderes Wertesystem.
  • Hyperaktivität, Suizidgefährdung, Alkoholmissbrauch, Beteiligung an tödlichen Unfällen, an kriegerischen Auseinandersetzungen sind männliche Phänomene.
  • Unterricht an den meisten Schulen ist mädchenspezifisch. An einem Ort, an dem nichts auf Jungen zugeschnitten ist, nicht einmal die Schulbücher, suchen sich Jungen ihre Nischen.
  • Jungen haben unbändigen Hunger nach Rollenvorbildern. In ihrer Sozialisation kommen aber nur sporadisch männliche Vorbilder vor.
  • Es ist elementar, dass Jungen kämpfen müssen, dass sie ihre Energien im Kampf erproben müssen. Testosteron ist biologisch dafür verantwortlich. Im Kämpfen bauen Jungen Beziehungen auf.
  • Das Gehirn der Jungen ist auf Handeln ausgerichtet. Jungen brauchen daher klare Aussagen und Strukturen.
  • Nicht die Jungen sind das Problem, sondern ihr Umfeld, die Eltern und Lehrkräfte mit ihrer Sicht. Die Denkmuster der Erziehenden lassen kaum Platz für jungenspezifische Entwicklung.
  • Schule muss ein Ort sein, an dem man nicht in Verteidigung geht. Erholung ist, wenn man so sein kann wie man ist.
Zum Abschluss erhielt der Referent ein Paket für Jungen untypische Tempotaschentücher in modernem Design, ein Paar Fußballhandschuhe und ein Schokohandy, das symbolisch für die Kommunikation unter den Geschlechtern steht.

Die zahlreichen Gäste, unter ihnen auch viele Eltern und Lehrkräfte anderer Schulen, gingen bereichert und nachdenklich nach gut zweieinhalb Stunden nach Hause.

Das Eltern-Lehrer-Forum wurde unterstützt von den katholischen Schulen:
  • Albertus-Magnus-Schule
  • Augustinusschule
  • Bonifatiusschule
  • Josephinum
  • Marienschule 

 

Gedanken zum Thema von unserer Schulsozialpädagogin Jennifer Hahn

zum Seitenanfang  

Gedanken zum Thema von unserer Schulsozialpädagogin Jennifer Hahn
Eine wichtige Aufgabe für Lehrer und Eltern im Umgang mit Jungen ist es, sie in ihrer Unterschiedlichkeit anzunehmen. Wir müssen unsere eigenen Muster überprüfen, um ihnen auf gleicher Ebene zu begegnen und sie verstehen wollen. Mitgefühl, Klarheit, Liebe, Annahme und eine innere Haltung des Vertrauens sind hierbei unverzichtbar. Auch müssen die Lerninhalte auf die Bedürfnisse der männlichen Schüler angepasst werden. Jungs müssen auch mal kämpfen dürfen. Außerdem lieben sie unkonkrete Antworten und fühlen sich dadurch heraus gefordert.

Sobald wir in unseren Bedürfnissen nicht angesprochen werden, beginnt unser Gehirn sich zu langweilen, wir schalten in den Sparmodus und sind nicht mehr bei der Sache. Ein Resultat, das im Unterrichtsgeschehen oftmals dazu führt, dass Jungs unruhig werden und anfangen zu kippeln oder Papierkügelchen schmeißen.
Eine Veränderung zum Positiven kann sich erst dann vollziehen, wenn wir unser Denksystem ändern und zu fühlen beginnen, wie Jungs zu verstehen sind.

Wir sollten uns immer wieder in Erinnerung rufen, dass sie Herausforderungen brauchen. Das Testosteron fördert eine automatisierte Verhaltensweise und erschwert Veränderungen.

Aggression als solche muss nicht automatisch negativ sein. Wörtlich genommen bedeutet sie nur ein Heranschreiten, einen inneren Antrieb, das heißt, sie kann durchaus auch positiv genutzt werden. Problematisch wird es erst dann, wenn Jungs keine Gelegenheit  geboten wird, ihre Aggressionen los zu werden, also für positive Zwecke einzusetzen. Jungs haben diese Energie im Übermaß. Diese muss kanalisiert werden.

Neben einem ausgeprägten Bewegungsdrang ist das Testosteron im Körper der Jungs Auslöser für das starke sexuelle Verlangen, ein Wettbewerbsdenken (wenn Jungs kämpfen, bauen sie Beziehungen auf), Selbstbehauptung und Selbstsicherheit.

Zwischen dem 14. und 16. Lebensjahr ist die 20-fache Menge an Testosteron im männlichen Körper vorhanden. Die Auswirkung dieser Hormonausschüttungen sind also auch 20-mal so hoch. Völlig klar, dass da so einiges ins Wanken gerät und die Jungs selbst sowie ihr Umfeld es nicht immer ganz leicht haben, mit den neuen Herausforderungen umzugehen.

Sobald Jungs einen Raum haben, wo sie sich sicher fühlen, können sie allerdings ihre Gefühle auch zulassen und zeigen.

 

Wenn Frauen aber versuchen, Männer bzw. Jungs zu verändern, dann gehen sie in den Widerstand. Es sei also noch mal erwähnt, dass eine annehmende Haltung hier unverzichtbar ist. Das Gehirn von Jungs ist auf Handeln ausgerichtet, weniger auf das eher frauentypische Reden. Jungs brauchen Strukturen und klare Aussagen, sie denken lösungs- und ergebnisorientiert und haben eine große räumliche und mathematische Begabung. 

Unsere Natur ist eine Natur des Ausdrucks.

Wenn wir uns und unsere Ideen nicht ausdrücken können, verwandeln wir uns in ein gelangweiltes Selbst, apathisch und total entfremdet. 

Dort, wo wir uns nicht angesprochen fühlen, schaltet unser Gehirn vom Lebens- in den Überlebensmodus, das heißt ein Großteil des Gehirns schaltet ab und wir denken sozusagen auf Sparflamme, die Reflexe bleiben erhalten, es findet jedoch kein aktives Zuhören oder gar eine Verarbeitung der Informationen statt.

Um etwas zu verändern, also gehirnphysiognomisch Veränderungen zu bewirken, muss dieses 9000-mal gedacht bzw. gemacht werden. Nicht zu unterschätzen ist hierbei die Kraft der Imagination. Wir müssen uns also die Frage stellen: „Welche Gewohnheiten habe ich entwickelt, die nicht unterstützend sind, die vielleicht sogar das eigene System untergraben?“ Unsere Glaubenssätze müssen wir fortlaufend überprüfen und Optionen erkennen, um sie auf der Grundlage unserer Werte auszudrücken.



zum Seitenanfang

Don-Bosco-Schule * Bromberger Str. 36 * 31141 Hildesheim * Tel.: (0 51 21) 88 60-0 * Fax: (0 51 21) 88 60-32 * E-Mail: don-bosco-schule@t-online.de