Die Don-Bosco-Schule ist eine Haupt- und Realschule in Trägerschaft des Bistums Hildesheim.

Aktivitäten 2009/2010

Von Moorsoldaten, Moordversuchen und Moorgendlicher Müdigkeit
LIFE-Projekt in Esterwegen 2010

Vom 19. bis 23. April 2010 waren wir, die Klassen 10R1 und 10R2 in Esterwegen im Emsland und haben uns um die Gedenkstätten der „Moorsoldaten“ gekümmert.  Die Moorsoldaten waren politische Gegner, Untergrundkämpfer, Kriegsgefangene und Strafgefangene, die für das NS-Regime im Moor arbeiten mussten. Sie wurden „gedrillt“ wie Soldaten, z.B. mussten sie täglich ins Moor marschieren, zum Appell antreten und statt eines Gewehres trugen sie ihren Spaten auf der Schulter.

Montag früh machten wir uns von Hildesheim auf den Weg ins Emsland, wo wir nach einem kurzen Ausblick auf die Meyer-Werft (Marc und Daria lieferten sich ein spannendes Duell beim Schätzen der Schriftgröße der Buchstaben MEYER-WERFT: beide gewannen eine Kreuzfahrtreise durch die Karibik für jeweils 2 Personen…) die Papenburger Fußgängerzone erkundeten - teilweise sind wir dann in einem amerikanischen Schnellimbiss gelandet.

Im DIZ (Dokumentations- und Informationszentrum für die Emslandlager) bekamen wir eine Einführung in die Geschichte der Emslandlager. In einer Ausstellung fanden wir viele persönliche Gegenstände ehemaliger Häftlinge, wie z.B. Briefe, Zeichnungen, Schnitzereien, Bilder und andere interessante Dinge. Dem ansonsten interessanten Vortrag konnten nicht alle folgen, weil einige von der 4-stündigen Autofahrt offenbar total geschwächt waren.
 

In der Einöde von Ostfriesland an der Grenze zum Emsland fanden wir dann doch unsere überraschend schöne Unterkunft. Am Abend ließen wir den Tag mit einer zusammenfassenden Runde ausklingen.
Moorgendliche Müdigkeit, eiskalter Westwind, Regenschauer und 6 Grad Außentemperatur – so begannen wir den nächsten Tag und Tobi sagte dazu: „Ist doch nicht so schlimm; was habt ihr denn?“ Und: „Ist doch nicht so kalt!“ Wir anderen: „Bibber, Bibber“ und Herr Richter: „Denkt an eine heiße, 20-minütige Dusche.“ Mutig und verrückt, wie Don-Bosco-Schüler eben sind, machten wir uns auf den Weg auf eine Besichtigungstour zu der Gedenkstätte Börgermoor, dem Friedhof Esterwegen und auf das ehemalige KZ-Lagergelände von Esterwegen.

   

Am Ende des Tages hatten wir einen umfassenden Eindruck von den schweren Bedingungen, unter denen die Moorsoldaten arbeiten mussten.
Am Nachmittag arbeiteten die Jungs auf dem Lagergelände (Laubfegen bei Gegenwind) und die Mädchen tranken heißen Kakao bei den Nonnen im Kloster, nachdem sie Fugen gekratzt, Laub gefegt, Unkraut gejätet, Gartenmöbel geschleppt und anschließend geputzt hatten.

Am Mittwoch führten wir die Arbeit vom vorherigen Tag fort und wurden von Schwester Jacintha durch das Kloster geführt (sehr beeindruckend!). Eine kleine Arbeitsgruppe von uns kümmerte sich um die Gedenkstätte des ehemaligen KZ Börgermoor (Laub harken, Straße fegen und die Schrift auf dem Gedenkstein nachzeichnen, die das Moorsoldatenlied beinhaltet.)

Der letzte Tag war wieder anstrengend! Am Vor- und Nachmittag haben wir auf dem Lagergelände Esterwegen Gräben zugeschüttet und Wege mit Rindenmulch ausgebessert.

Bei einem Besuch im echten Moor setzte Herr Richter dann seine kläglich geplanten Moordversuche nicht in die Tat um (Hust, Hust).

In den täglichen Abendrunden arbeiteten wir das, was wir am Tag erfahren haben, immer wieder auf: wir sammelten noch einmal alle Infos vom Tag, erstellten fiktive Interviews mit Häftlingen und diskutierten die Neu-Gestaltung des Lagergeländes.

Fazit: Wir sind müde, wir sind kaputt, aber hatten sehr viel Spaß und haben sehr viel gelernt und erlebt!

Konstantin Stellmacher, Florian Borghoff, Tobias Klauenberg, Daria Brandes und Caroline Harbich (10R1)

Mehr Fotos in der Fotogalerie


(Fiktives)Interview mit einem ehemaligen Häftling

Reporter:  „Guten Tag. Meine erste Frage wäre, wie sind Sie in das Lager Esterwegen gekommen?"
 Häftling: „Ich wollte ganz direkt und so schnell wie möglich allen Menschen mitteilen, was aus Deutschland durch Adolf Hitler geworden ist. Ich habe eines Nachts Flugblätter geschrieben und sie in der nächsten Nacht verteilt.

Reporter: „Wie mutig von Ihnen. Aber Sie sind dann ja doch erwischt worden. Wissen Sie, wie das passiert ist?“

Häftling: „Ich habe die Vermutung, dass mein damals bester Freund etwas damit zu tun hatte. Auf einmal standen fünf Leute von der SS vor meiner Tür und haben mich ohne zu zögern festgenommen und in das Lager gebracht.

Reporter: „Wie waren die ersten Tage im Lager?“

Häftling: „Ich bin angekommen und hatte echt Angst, aber es war mir ja bewusst, dass meine Aktion Folgen mit sich bringen könnte. Dass es dann so schnell geht, hatte ich aber nicht erwartet. Ich bekam gleich meine Nummer, die 512, ich werde sie nie vergessen. Sie war auf meine Arbeitskleidung genäht. Dann wurde mir ein Bett, wenn man es so nennen kann, in einer der Baracken zugeteilt. Es roch sehr unangenehm nach Schweiß, Dreck und feuchter Luft. Wir wurden nachts eingesperrt. Es gab vorher einen letzten Toilettengang, danach musste ein Eimer für über 100 Männer bis zum Morgen reichen. Es war alles sehr unhygienisch und einfach nur schrecklich. Nachts konnte man unmöglich schlafen.

Reporter: „Wie war Ihr erster Eindruck von dem Lager, als Sie es betreten haben?“

Häftling: „Ich wurde von ein paar Wachleuten erst mal durch ein echt schönes Lager geführt. Als ich durch ein zweites großes Tor ging, wurde mir aber bewusst, dass ich dort wohl nicht leben werde. Es war alles 4-fach gesichert rundum. Man war also wirklich ein Gefangener. Nichts mit schönen Brunnen, Theater und so. Die Baracken waren, wie ich schon gesagt habe, in einem furchtbaren Zustand. Das vordere Lager war nur für die Wachleute.“

Reporter: „Wie fühlten Sie sich, als Sie wirklich einer von diesen…ja, Sklaven waren? Viele Leute sind ja auch gestorben vor Ihren Augen.“

Häftling: „Ja, das stimmt. Es fällt einem wirklich nicht leicht, darüber so offen zu reden.“

Reporter: „Das verstehe ich. Man kann es sich selber kaum vorstellen, wenn man so etwas nicht miterlebt hat.“

Häftling: „Naja…war schon sehr komisch, morgens geweckt zu werden und der im Nachbarbett ist nicht mehr aufgewacht…Viele sind an der Unterernährung und der harten Arbeit gestorben. Die Leute sind dann auch einfach offen weggetragen worden, ohne Sarg oder Decke. Nachts habe ich oft an meine Familie gedacht. Ich habe auch oft geweint, aber da war ich nicht der Einzige. Was mir etwas geholfen hat, war ein Genosse von mir. Freunde waren ja eigentlich verboten, aber es gab trotzdem viele tiefe Freundschaften in solch schweren Zeiten.“

Reporter: „Ich danke Ihnen sehr für dieses interessante Interview. Ich habe viel gelernt und Sie haben mir sehr weitergeholfen.“  

Daria Brandes und Tobias Klauenberg (10R)

 


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