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Weidenhütten- / Weidentipibau ein jahrgangsübergreifendes Naturprojekt - Unsere Klasse 3 und Klasse 4 der Martin-Luther-King-Schule, Förder-schule Schwerpunkt Lernen, verbrachte fünf Projekttage auf dem Kinder-waldgelände in Hannover. Es handelt sich um eine sieben Hektar große ehemalige Brachfläche am Mecklenheider Forst im Norden von Hannover, die Kinder und Jugendliche nach ihren Ideen und Wünschen gestalten und nutzen können. Mit den beiden Dipl. Ing. Landschaftsplanerinnen Frau Angelika Liebrecht und Frau Astrid Hölzer, die mit viel Einfühlungsvermögen unsere Schülerinnen und Schüler anleiteten, bauten wir an den Projekttagen ein Weidentipi, verrichteten Pflegearbeiten und erfuhren an einem „Forschertag“ einiges über das Leben im Bach/Fluss. So ermöglichte das Projekt unseren Kindern einen eigenen Zugang zur Natur, indem sie lernten selbst zu planen, Neues auf dem Kinderwaldgelände zu entwickeln, mit verschiedenen Werkzeugen zu bauen und zu forschen.
1. Projekttag: Am 1. März 2006 haben wir mit den beiden Klassen Weiden im Kinderwald abgesägt, längere Äste und Zweige mit Astscheren abgetrennt und diese Weiden im Wald zu einer Sammelstelle gebracht.
2. Projekttag: Am 21. April 2006 wurde die ovale Grundform unseres Weidentipis festgelegt, das an einen Weidentunnel mit weiteren Tipis angebaut werden sollte. Jetzt begannen die anstrengenden Grabearbeiten mit Spaten, Schaufel und Spitzhacke. Knietief sollte der ovale Graben rundherum werden. Viele große Steine mussten mit der Spitzhacke herausgeholt werden. Die heraus-geholten Steine wurden von den Schülerinnen und Schülern zu einem Berg aufgehäuft. Da nicht immer alle Kinder den Graben ausheben konnten, gab es noch andere wichtige Aufgaben. Die anderen Weidentipis und der Weidentunnel mussten gegossen werden, damit sie gut anwachsen und Knospen und Blätter bekommen. Mit Eimern wurde Wasser aus dem angrenzenden Bach geholt und in Gießkannen oder andere Eimer umgefüllt. Anschließend halfen die Kinder ab-wechselnd beim Gießen. Die letzte Aktion dieses Tages war dann das Heraus-holen der am 1. März abgeschnittenen Weiden, die von den Schülerinnen und Schülern noch einmal etwas abgesägt und in den Bach ins Wasser gestellt wurden.
3. Projekttag: Am 26. April 2006 prüften wir mit unseren beiden Betreuerinnen die „Knietiefe“ des ovalen Grabens für unser Tipi. Jetzt wurden die gewässerten Weiden aus dem Bach geholt und in die gebuddelten Gräben gestellt. Astrid Hölzer band stehend auf einer Leiter, die von Angelika Liebrecht und uns festge- halten wurde, die Weiden im oberen Bereich mit Hanf zu einem Tipi zusammen. Mehrere Kinder haben die Weiden die ganze Zeit festgehalten. Anschließend wurde noch Wasser in die Gräben gegossen. Andere Schülerinnen und Schüler füllten die vorher ausgebuddelte Erde mit Spaten wieder in die Gräben, so dass die Weiden bzw. das ganze Tipi mehr Stabilität bekamen. Zum Abschluss ver- teilten wir Rindenmulch auf der ovalen Fläche und gossen alles schön.
4. Projekttag: Am 27. April 2006 wurden unter Anleitung unserer beiden Be-treuerinnen Weidenzweige in unser Tipi quer eingeflochten. Gießarbeiten und Pflegearbeiten - verteilen von Rindenmulch -, aber auch ein Rundgang über das gesamte Kinderwaldgelände bildeten den Schwerpunkt dieses Projekttages.
5. Projekttag: Am 5. Mai 2006 war unser „Forschertag“ auf dem Kinderwaldge-lände. Nach unserer wichtigen Pflegearbeit – Weidentipi gießen – haben unsere Kinder das Wasserleben im Bach kennengelernt. In Becherlupen wurden kleine Wassertiere – Flussflohkrebse, Wasserasseln, Schlammschnecken, Wasser- läufer, Taumelkäfer – kurzfristig eingefangen und mit Hilfe von Bestimmungs-karten und – büchern bestimmt. Sogar kleine Fische fingen die Kinder für kurze Zeit in Eimern ein und betrachteten sie genau. Für den Steinhaufen, der aus den aus dem Graben herausgeholten Steinen entstanden war, wurden Schnecken gesammelt. So entstand unser „Schneckensteinhaufen“. Für unsere beiden Klassen und uns war dieser „Lernort außerhalb der Schule“ eine große Bereicherung. Wir Lehrer erlebten unsere Kinder von einer anderen Seite. Hier standen unsere Schülerinnen und Schüler nicht mit ihren Schwächen – nicht gut lesen, schreiben, rechnen können – im Mittelpunkt, sondern mit ihren Stärken. Mehrere Kinder waren die „großen Baumeister“ – tief graben und schwere Steine mit der Spitzhacke herausholen – andere waren die „eifrigen Gießer“ – mit der Gießkanne oder einem Eimer alle Tipis und den Tunnel gießen -. Wieder andere Kinder spielten mit den ausgebuddelten Steinen, häuften sie zu einem Berg auf und sammelten Schnecken für den Steinhaufen. Auch der Spaß kam nicht zu kurz, wenn es z.B. um das Element Wasser ging. Es war ein großer Spaß für die Kinder, wenn sie an wärmeren Tagen ganz in den Bach gingen und Wassertiere herausfischten, um sie zu beobachten und sich auch einmal gegenseitig naß spritzten.
Insgesamt arbeiteten die Kinder mit viel Begeisterung und Wissensdurst und einem ausgeprägten Teamgeist.
Projektziele, die erreicht wurden:
- Kennen lernen der Weide als Kulturpflanze, ihre wichtige ökologische Bedeutung und ihre Verwendung als Baumaterial - Natur erleben und Verantwortung für die Natur und sich selbst zu stärken
- Emotionale Bindungen zur Natur initiieren
- Erweiterung des ökologischen Verständnisses
Darüber hinaus sollten die Kinder auch erfahren, dass …
- jeder Einzelne selber etwas bauen und mit „echtem“ Werkzeug umgehen kann
- viele kleine Bausteine etwas Großes ergeben
- sie sich gegenseitig helfen und unterstützen
- sie ihre eigenen Grenzen wahrzunehmen
- sie ihre motorischen Fähigkeiten stärken
- sie ihre Zusammenarbeit und ihr Durchhaltevermögen weiter ausbauen
Pia Rosenthal Monika Köhler-Hermann
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