Rhetorikseminar

Langjährige Zusammenarbeit mit dem Gymnasium Haren

Michael Sänger arbeitet mit Harener Schülern an rhetorischen Fertigkeiten

„Das Reden vor einer Gruppe ist keine Frage des Talents, sondern eine Frage der Technik.“ Dieser Überzeugung ist der Lingener Michael Sänger, der seit vielen Jahren mit Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums Haren zusammenarbeitet, um ihnen das Einmaleins des Vortragens, Schreibens und Diskutierens beizubringen.

Seit dem Beginn der erfolgreichen Kooperation im Jahr 2009 konnten sich bereits über 300 Harener Gymnasiasten von den Vorzügen des besonderen Formats des Rhetorikseminars überzeugen, das in struktureller und methodischer Hinsicht einen bewussten Gegenpol zum Schulunterricht einnimmt. An drei Wochenenden kommen die Gymnasiasten auf freiwilliger Basis in die Schule und werden unter der Leitung Michael Sängers im Rahmen zahlreicher praktischer Übungen zunächst einmal mit ihrer Selbst- und Fremdwahrnehmung konfrontiert. „Die Aufzeichnung einer vorgetragenen Rede auf Video und die anschließende Analyse in der Gruppe erfordert viel Mut, bringt einen aber sehr viel weiter“, ist sich ein Teilnehmer des Seminars sicher, der darüber hinaus einige weitere Grundtechniken der Rhetorik mit auf den Weg bekam: Um zu Beginn einer Rede oder Präsentation eine Zuhörerbereitschaft und damit die Aufmerksamkeit des Publikums herzustellen, sei es unentbehrlich, die Zuschauer anzublicken sowie auf Atmung, Artikulation, Stimmmodulation, Freundlichkeit, Handbewegungen und die Gedankenführung zu achten. Hierbei sei auch die sinnvolle Dosierung der Information wichtig, sagt Michael Sänger, der in sein Seminar auch theoretische Informationen, wie die Psychologie der Kommunikation, einfließen lässt, die anschließend in der Praxis Anwendung finden. „In meinem Seminar müssen die Absolventen nicht schreiben, sondern viel reden“, erklärt der Lingener seine Konzeption, die neben dem akzentuierten Vortrag von Gedichten auch die Durchführung von Streitgesprächen oder die Simulation einer Konferenz vorsieht.

Obwohl er bereits seit einigen Jahren im Ruhestand sei und seine „Schulzeit“ damit hinter sich gelassen habe, komme er trotzdem immer wieder gern ans Gymnasium Haren, betonte Michael Sänger, der vor allem die Disziplin und Lernbereitschaft der Schülerinnen und Schüler sowie die verlässliche Kommunikation mit der Schule hervorhob, die mit dem Angebot des Rhetorikseminars bewusst einen besonderen Akzent setzt. „Die Rendite für die Zehnt- oder Elftklässler, die an diesem Seminar seit fast zehn Jahren teilnehmen, ist, vor allem mit Blick auf Bewerbungsgespräche oder selbst durchzuführende Präsentationen in Schule, Studium und Beruf sehr hoch“, berichtete Studiendirektor Klaus Schawe als zuständiger Koordinator des Harener Gymnasiums. Von Beginn an stelle das Angebot deshalb einen wichtigen Baustein des Konzepts der Studien- und Berufsorientierung dar.

Auf die Frage angesprochen, was Michael Sänger, der unter anderem das auch überregional namhafte Lingener Marionettentheater aufbaute und für seine Verdienste um die Kultur- und Heimatpflege kürzlich mit der Landschaftsmedaille der Emsländischen Landschaft ausgezeichnet wurde, dazu bewege, ein solches Seminar anzubieten, blickte der ehemalige Schulpastor auf seine Erfahrungen am damaligen Gymnasium Johanneum in Lingen zurück: „Als ich im Jahre 1986 an die Schule kam, stellte ich recht bald fest, dass viele Schülerinnen und Schüler zwar viel wussten, dies aber nicht immer so richtig rüberbringen konnten.“ Auf diese Beobachtung folgte zunächst der Entschluss, entsprechende Inhalte der Rhetorik in den eigenen Unterricht zu integrieren und darüber hinaus Arbeitsgemeinschaften mit diesem Schwerpunkt anzubieten. Ebenso trat Sänger, der am Johanneum auch die Theater-AG mit großer Leidenschaft leitete, langjährig als Dozent bei der Schülerakademie im Lingener Ludwig-Windthorst-Haus auf und schulte außerdem neben Schülerinnen und Schülern unter anderem auch Politiker.

„Vor allem der hohe praktische Anteil und das ehrliche Feedback zu den eigenen Vorträgen haben dazu beigetragen, dass ich vor Präsentationen überhaupt keine Angst mehr habe“, lautete eine Reaktion einer Schülerin des Gymnasiums Haren, die sich, wie viele Ehemalige, über ein aussagekräftiges Zertifikat freuen durfte, das ihr nicht nur im Rahmen des Bewerbungsverfahrens nützlich sein dürfte. Weiterhin stellt die Bescheinigung der erfolgreichen Mitarbeit über den Unterricht hinaus auch eine schöne Erinnerung an das Rhetorikseminar mit Michael Sänger dar.


Wie hier Schülerinnen und Schüler des aktuellen Jahrgangs 10 schulte Michael Sänger (rechts) bereits über 300 Harener Gymnasiasten auf dem Gebiet der Rhetorik.

C. Rinné