Schulchronik (1977-2005)

 


Geschichte des Gymnasiums Haren von StD Franz Schepp

Der Schulbetrieb am neu gegründeten Gymnasium in Haren (Ems) startete zum Schuljahr 1977/78 am 1. August 1977. 13 Jahre zuvor, am 28.8.1964, hatte der damalige Kreistag den Beschluss gefasst, in der alten Schifferstadt an der Ems auch ein gymnasiales Bildungsangebot vorzuhalten. Am 4.1.1977 hatte die Stadt Haren als Schulträger die Genehmigung erhalten, im gerade entstandenen Schulzentrum ein Gymnasium für die Sekundarstufe I (Kl. 7-10) einzurichten. Schulleiter wurde Josef Lager, hauptamtliche Lehrkräfte waren Wolfgang Lettau und Gottfried Paetzold. Außer ihnen unterrichteten noch weitere vier Lehrkräfte aus Meppen, die stundenweise zum Dienst nach Haren abgeordnet wurden. Es war kein einfacher Start für die neue Schule. Wenn auch der Schulleiter im Schulzentrum über ein eigenes Dienstzimmer verfügte, gab es keine eigenen Unterrichts-räume, kein eigenes Sekretariat, das Lehrerzimmer musste mit den übrigen Schulformen geteilt werden. Die gesamte Unterrichtsorganisation war in den Zentralplan des Schulzentrums integriert. Viele Harener Eltern schickten ihre Kinder weiterhin auf die Gymnasien nach Meppen, zum Teil wohl aus Tradition, zum Teil sicherlich auch deshalb, weil an dem neuen Gymnasium kein Oberstufenunterricht erteilt werden durfte. Dies änderte sich deutlich ab dem Schuljahr 1981/82, als seitens der Bezirksregierung Weser-Ems der Antrag der Stadt Haren, das Gymnasium auch im Sekundarbereich II betreiben zu dürfen, positiv beschieden wurde. Über 40 Schülerinnen und Schüler, die bisher Meppener Schulen besucht hatten, meldeten sich am Harener Gymnasium an. Im Schuljahr 1983/84 besuchten 575 Schülerinnen und Schüler die junge Schule, was die Akzeptanz, die das neue Gymnasium mittlerweile bei den Eltern gefunden hatte, beweist. Auch die Zahl der hauptamtlichen Lehrkräfte erhöhte sich nach der Ausdehnung auf die Sekundarstufe II rapide, so dass die zuvor bestehende starke Fluktuation im Kollegium stetig abnahm. Zum 1. Januar 1983 übernahm der Landkreis Emsland von der Stadt Haren die Trägerschaft des Gymnasiums. In einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung zwischen dem neuen Schulträger und der Stadt Haren als Träger des Schulzentrums wurde zunächst die Nutzung der Fachräume im Schulzentrum geregelt. In dem ebenfalls vom Landkreis übernommenen „Müller"-Haus wurde außer den Dienstzimmern von Herrn Lager, Herrn Paetzold und Herrn Wester auch die Verwaltung, die sich zwischenzeitlich im Dachgeschoss des Altbaus befunden hatte, eingerichtet. Ein umfassender Umbau im Jahr 1987 ermöglichte die Unterbringung der gesamten erweiterten Schulleitung unter einem Dach. Die ab 1983 laufenden Planungen zur Erweiterung der allgemeinen Unterrichtsräume wurden bereits 1986 mit dem Neubau von vier Unterrichtsräumen und einer Pausenhalle realisiert. Im Juni 1988 folgte die Inbetriebnahme der neuen Ballspielhalle, die die alte Martinisporthalle, die abgerissen wurde, ersetzte. Die nächste räumliche Erweiterung erlebte die Schule im Jahre 1997, als das Oberstufenhaus mit sechs allgemeinen Unterrichtsräumen und zwei Fachräumen eingeweiht wurde. Die Anlage eines neuen Parkplatzes an der Kirchstraße im Jahr 2000 vollendete diese Baumaßnahme. Das erste Abitur an der jungen Schule fand 1984 unter der Leitung des damaligen Dezernenten, LRSD Thole, statt. 70 Schülerinnen und Schüler erhielten das Zeugnis der Allgemeinen Hochschulreife. Mittlerweile haben weit über 1000 junge Leute ihre Reifeprüfung am Harener Gymnasium abgelegt, um von hier aus in die unterschiedlichsten Ausbildungsgänge und Berufe zu gehen. Darüber hinaus prägten im Verlauf der Jahre zahlreiche Aktivitäten engagierter Schülerinnen und Schüler sowie ihrer Lehrerinnen und Lehrer das Erscheinungsbild der jungen Schule. Verwiesen sei hier beispielsweise auf den Schüleraustausch mit Andrésy (seit 1985), mit Leek (seit 1986) und mit St. Louis (seit 1995) und auf die Teilnahme an diversen Schülerwettbewerben („Jugend forscht", „Bundeswettbewerb Alte Sprachen", „Bundeswettbewerb Fremdsprachen", „Bundeswettbewerb Mathematik", „Jugend zeichnet und gestaltet", „Jugend trainiert für Olympia", „Schüler lesen Platt" etc.). Nicht zu vergessen sind die Arbeitsgemeinschaften wie beispielsweise die Ornithologie-AG, die Basketball-AG, die Theater-AG und das Soziale Seminar, die neben dem Schulchor und den Musikgruppen das Erscheinungsbild der Schule über das normale Unterrichtsgeschehen hinaus gestaltet haben und gestalten. Klassen- und Studienfahrten, die Teilnahme an auswärtigen Sportwettbewerben (Basketball, Fußball, Handball, Reiten, Schwimmen) sowie Fahrten zu auswärtigen kulturellen Veranstaltungen (Ausstellungen, Theater) trugen und tragen zur sozialen und geistigen Entwicklung der Schülerinnen und Schüler bei. In diesem Zusammenhang sind auch die seit 1991 durchgeführten „Schulgemeinschaftstage" der 7. Klassen zu nennen, die den Schülerinnen und Schülern den Übergang in die neue Schulform erleichtern sollen. Der Kontakt zur Arbeits- und Berufswelt wurde und wird hergestellt durch das seit 1986 alljährlich stattfindende Betriebspraktikum der 11. Klassen, durch Besuche einzelner Klassen im Berufsinformationszentrum, durch Präsenztage der Berufsberater vom Arbeitsamt, durch die Teilnahme von Schülerinnen und Schülern am Marketing Information Game (MIG) bei der Firma Röchling, durch vom Rotary-Club Meppen organisierte Veranstaltungen mit Berufspraktikern, durch den Besuch der von Kreis und Stadt veranstalteten Ausbildungsplatzbörsen sowie durch Exkursionen zu Universitäten, Fachhochschulen oder einzelnen Firmen.

Im Schuljahr 2001/2002 besuchen 500 Schülerinnen und Schüler das Harener Gymnasium, die von 43 Lehrkräften (die Referendare eingeschlossen) unterrichtet werden. Etliche Kolleginnen und Kollegen sind schon seit Jahren stundenweise an die Orientierungsstufen in Haren, Lathen und Rütenbrock, seit diesem Schuljahr auch an die Realschule Haren abgeordnet und tragen dazu bei, dem dort bestehenden Lehrermangel abzuhelfen. Auch dadurch wird die Bedeutung des Harener Gymnasiums für die hiesige Bildungslandschaft deutlich.

Das Jahr 2002 stellte für das Gymnasium Haren eine erste Zäsur dar. Einerseits feierte man das 25jährige Bestehen der Schule, andererseits ging der erste Schulleiter, OStD Josef Lager, in den wohl verdienten Ruhestand. Seine Nachfolge übernahm bis zur Ernennung eines neuen Schulleiters StD Gottfried Paetzold. Nach dem Regierungs-wechsel in Hannover Anfang 2003 zeichneten sich mit der schnell beschlossenen Abschaffung der Orientierungsstufe weit reichende Veränderungen ab, auf die man sich in der Schulleitung schon frühzeitig einstellte.

Am 2. Februar 2004 wurde Michael Heuking vom Leitenden Regierungsschuldirektor Hopster als neuer Schulleiter eingeführt, der die Vorbereitungen auf die zum 1. August anstehende Schulstrukturreform sofort tatkräftig weiterführte. Seit dem Schuljahr 2004/2005 wird das Gymnasium Haren durch die Eingliederung der 5. und 6. Klassen von weit über 700 Schülerinnen und Schülern besucht, neun neue Lehrkräfte vergrößerten das Kollegium.

Räumlich dehnte sich die Schule durch die Inanspruchnahme des „Ständerbaus“ und weiterer naturwissenschaftlicher Räume ins Schulzentrum aus. Im Laufe des Schuljahres 2004/05 ergaben sich weitere Anstöße, die das Gesicht der Schule verändern werden. Der Anfang 2005 nach langem Diskussionsprozess gefasste Beschluss der Gesamtkonferenz, das Gymnasium zur Ganztagsschule umzugestalten, eröffnete dem Landkreis Emsland als Schulträger die Möglichkeit zu einem Erweiterungsbau. Die Bauarbeiten, denen das alte Verwaltungsgebäude weichen musste, begannen während der Sommerferien, gehen gut voran und lassen hoffen, dass der Rohbau Ende 2005 fertig gestellt ist.

aus: Gymnasium Haren (Hrsg.): Schulchronik von 2002 bis 2005, S. 12-13.