Pressespiegel März 2018


 
Artikel anlässlich des Besuchs einer Delegation unserer Schule in Catanzaro Lido (Italien) zur Vorbereitung einer Schulpartnerschaft
(18.03.2018)
 
 
Dürrenmatt sozialkritisch fokussiert inszeniert
Aufführung der Theater-AG des Gymnasiums in Haren
(05.03.2018)
 

Von Petra Heidemann

Haren. Mit spielerischer Leichtigkeit und interpretatorischem Tiefgang hat die Theater-AG Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ im Harener Gymnasium auf die Bühne gebracht und dabei die Frage, wie weit sich ein Mensch im „Rudelschutz“ von seinen moralischen Grundsätzen entfernen kann, den Zuschauern unter die Haut gehen lassen.

30 Akteure, darunter auch vier Lehrkräfte und ein ehemaliger Schüler, hatten sich im Vorfeld unter der einfühlsamen Leitung von Katrin Kleesiek-Herding intensiv mit der in Dürrenmatts Tragikomödie thematisierten ethischen Problematik auseinandergesetzt – kein einfaches Unterfangen, wenn man bedenkt, dass die jüngsten Schauspieler gerade erst der siebten Klassenstufe entstammen. Umso bemerkenswerter ist die Leistung, mit welch mimischer Dichte sich das Bühnengeschehen vollzog. Jede Hintergrundhandlung, jede Interaktion am Rande der Szenen wurde nuanciert ausgespielt und gaben dem Ganzen Tragkraft und Glaubwürdigkeit. Den Bezug zum „Heute und Hier“ schuf ein Bahnhofsschild am Bühnenrand, das den Ort „GÜLLEn“ – mit dieser Schreibweise im Sinne Dürrenmatts bewertend – an die Ems positionierte.

Vier ältere Bürger am Bahnsteig kennzeichnen die Verlassenheit des Ortes, indem sie den genauen Fahrplan der hier immer nur vorbeifahrenden Züge zitieren, bis eben Claire, die inzwischen „alte Dame“, eine Zäsur setzt, per Notbremse den Zug zum Halten zwingt. Ebenso zwingend beginnt sie, die Fäden des gesellschaftlichen Netzwerks des Dorfes aufzulösen und für ihren Rachezweck neu zu knüpfen. Geprägt von ihrer Vertreibung nach mit unlauteren Mitteln verlorenem Vaterschaftsprozess, vom Verlust ihres Kindes, geprägt vom Überlebenskampf in Prostitution und nach einem Flugzeugabsturz, ist sie durch Heirat zu Vermögen gekommen. Und nicht nur ihre Knochen sind eiskalte Prothesen, die sie aufrecht halten. Wie wenig Bedeutung sie nun einer Beziehung zumisst, offenbart sich dem Zuschauer in der Vielzahl der Ehen, die teilweise nur Stunden bestehen.

Die vom Leben abgehängte, völlig insolvente Kleinstadt erhofft sich von Claires Wiederkehr großzügige Unterstützung, eilt ihr doch der Ruf der Wohltäterin voraus. Claire, die Vanessa Horstig souverän als Grand Dame Szene-beherrschend verkörperte und bis in Lidaufschlag und Fingerspitzen spannungshaltend ausgespielte, bleibt unberührt von den schleimigen Bemühungen der Honoratioren, stellt aber eine Milliarde für Stadt und Bürger in Aussicht, wenn jemand Alfred, den wahren Vater ihres toten Kindes, tötet. Während sich kopflose Genusssucht auf Pump bei den Bürgern ausbreitet, zerreißt es Alfred zwischen biederem Kaufmannsleben, der sich verdichtenden Erkenntnis seiner Schuldhaftigkeit und den romantischen Erinnerungen, die Claire in Waldszenen, die an Shakespeare-Inszenierungen erinnern, bewusst wachruft. Eva Balcke gelang es hervorragend, den Prozess erlebbar werden zu lassen, der sich in Alfred vollzieht – vom unbescholtenen Bürger über nackte Angst vor dem unkalkulierbar gewordenen Handeln seiner Mitbürger zum aufrechten Sich-der-Vergangenheit-Stellen. Unter Claires Anspruch, „Gerechtigkeit kaufen“ zu können, „Konjunktur für eine Leiche“ zu bieten, werden die Bürger zu Marionetten. Das Virus persönlichen Profitstrebens tarnt sich als scheinheilige Verantwortung für das Gemeinwesen: Maria Sophie Deters gab dem als Bürgermeister höchst anschaulich Gestalt; der Arzt (überzeugend von Hanna Wösten dargestellt) beugt sich der Order Claires in seiner Todesdiagnose; auch dem Pfarrer, dem Anna von Herz die richtige Mischung aus Amtsbemühen und zu belächelnder Schwäche gab, findet keine Distanz; das Werte deklarierende Bildungsbürgertum verrennt sich in den Alkohol, Tina Schnelte zeichnete alle Fassetten des Lehrers typisierend. Frauen, „kleine“ Beamte, selbst die Vertreter der Medien lassen sich im aufoktroyierten Spiel der „alten Dame“ instrumentalisieren, sind Teil des einstimmigen Schuldspruchs, lassen diesen für die Kamera sogar wiederholen und machen ihn damit zum billigen Medienreißer.

Jeder der 30 Akteure füllte seine Rolle, gab ihr Bedeutung für das Ganze. Jedem gelang die Dürrenmatt’sche Gratwanderung, tragische Gesellschaftsanalyse mit skurriler Komik an den Zuschauer zu transportieren, wie die Gänsehaut verursachenden Auftritte der kleinen Monstren oder des ehemaligen Richters in seiner kalt-perfekten Butlerfunktion, Claire geradezu hörig. Nicht nur Mattis Bohlen kommentierte mit seiner Gitarre leise, sondern auch satirisch eingesetzte musikalische Off-Einspielungen ließen aufhorchen.

Im während des Stückes durchgängig präsenten Sarg wurde nicht nur Alfred zu Grabe getragen, sondern gesellschaftliche Sozialtugenden, die zwecks persönlicher Vorteilsnahme gemeinschaftlichen Mord zur gemeinschaftlichen Pflichterfüllung deklarieren. Das zu vermitteln, bedarf nicht nur des nahezu perfekten Zusammenspiels des Ensembles, sondern auch des gezeigten Mutes, Spannungsbögen durch Schweigen wirken zu lassen – das zeugte von spielerischer Leidenschaft und ließ den Theaterabend zu einem Erfolg werden.

Mit viel Gepäck und seltsamem Gefolge verschafft sich Claire bei ihrer Ankunft einen spektakulären Auftritt.
Foto: Petra Heidemann

aus: Meppener Tagespost, 05.03.2018

 
Kinder, die Großartiges zustande bringen
Preisverleihung „Kleine Alltagshelden“ in der Turnhalle der Overbergschule Meppen
(01.03.2018)
 

Das „Best Bio Team“ aus Haselünne ist Sieger im Wettbewerb „Kleine Alltagshelden 2017“. Die acht jungen Gemüsebauer und alle anderen Preisträger wurden am Mittwochmorgen in der Turnhalle der Overbergschule von den Initiatoren der Aktion geehrt.

Von Reinhard Fanslau

Meppen. Mit dem Anbau und Verkauf von Bohnen bis Radieschen hatten die acht Kinder über 500 Euro eingenommen, die sie für gute Zwecke spendeten. Das war für die Jury Platz-eins-würdig. Haselünnes Erster Stadtrat Reiner Strotmann gratulierte den Preisträgern und sagte: „Es ist großartig, was Kinder zustande bringen können. Das sollte uns Erwachsenen zeigen, was möglich ist.“

Mit Strotmann waren etliche andere Lokalprominente und Bürgermeister in die Turnhalle in der Clemens-straße gekommen. Ein Zeichen dafür, welchen Stellenwert der Wettbewerb im vierten Jahr seines Bestehens im öffentlichen Bewusstsein genießt. Es handelt sich um eine Kooperation der Freiwilligenagenturen und -zentren des Landkreises, des Emsland Kuriers und der Meppener Tagespost (MT).

MT-Redaktionsleiter Hermann-Josef Mammes blieb es vorbehalten, Schüler aus verschiedenen Jahrgangsstufen (ab Stufe 6) des Harener Gymnasiums zu ehren. Diese bilden das Projekt „Generationsübergreifendes Lernen“. Das besteht seit mehreren Jahren. Die Mitglieder engagieren sich für ältere Mitbürger des Seniorenzentrums St. Martinus, besuchen sie und gehen mit ihnen zum Beispiel kegeln und tanzen. „Ihr seid nicht nur kleine Alltagshelden, sondern große Vorbilder für uns Erwachsene“, sagte Mammes in seiner kurzen Ansprache und stellte heraus, dass beide Seiten etwas von dem Projekt haben. Die Älteren freuen sich, dass sie regelmäßig Besuch bekommen, und die Jüngeren erfahren, dass ihnen die Älteren auch viel geben können.

„Kleine Alltagshelden“ dürfen sich auch die „CariKids“ aus Twist nennen. Marcus Drees vom Caritasverband schlug die Gruppe von neun Kindern und Jugendlichen zwischen 6 und 15 Jahren vor, weil sie in vorbildlicher Weise versuchen, nicht behinderte und behinderte Menschen zusammenzubringen. Das geht vom Blumenpflanzen bis zur gemeinsamen Karnevalsfeier. Twists Bürgermeister Ernst Schmitz durfte nicht nur die „CariKids“ ehren, sondern auch Kinder aus mehreren Twister Kirchengemeinden. Die Jungen und Mädchen sind unermüdlich bei Wind und Wetter ehrenamtlich tätig, sei es als Austräger des Kirchenblattes, als Messdiener oder als Sternsinger. Immer, wenn irgendwo in einer Twister Gemeinde Hilfe benötigt wird, seien sie da, sagte Schmitz und ergänzte: „Jeder von euch hat etwas Besonderes getan, jeder von euch ist ein Gewinner.“

Mit Mia Moorkamp (Meppen), Moritz Klinke (Twist) und Lennox Hagen (Haren-Wesuwe) wählte die Jury drei Einzelalltagshelden aus. Lennox rettete seiner zusammengebrochenen Großmutter das Leben, indem er wachsam war und seinen Großvater zu Hilfe holte. Ihn ehrte Dieter Sturm (Erster Stadtrat Haren). Moritz setzte sich für in seinem Wohnort lebende Flüchtlingskinder ein. Er wurde von Dezernent Michael Steffens (Landkreis Emsland) gewürdigt, der sagte: „Bei diesem Projekt sind alle Beteiligten Gewinner“. Overberg-Schülerin Mia tat sich als Streitschlichterin hervor, wofür ihr Lehrerin Elena Steil sehr dankbar war und die Achtjährige für den Wettbewerb vorschlug. Die Laudatio auf Mia hielt Meppens Bürgermeister Helmut Knurbein. Offiziell „Kleine Alltagshelden“ dürfen sich jetzt auch die Schüler der Klasse 4 der Overbergschule nennen. Diese setzten sich für Kinder des heilpädagogischen Vitus-Kindergartens ein. Meppens Stadtoberhaupt Knurbein würdigte den Einsatz mit den Worten: „Viele Leute reden über Integration. Hier wird Integration gelebt.“

Moderiert wurde die Veranstaltung wie immer von Christian Hüser. Für zwei zauberhafte Einlagen sorgte Magier Endrik Thier.

Gute Stimmung in der gut gefüllten Turnhalle der Overbergschule herrschte am Mittwoch bei der Preisverleihung der Aktion „Kleine Alltagshelden.“
Foto: Reinhard Fanslau

 


aus: Meppener Tagespost, 01.03.2018