Pressemitteilung: Neue Schule in South Horr fast fertig
Bessere Bildungschancen für Nomadenkinder Dank Pyrmonter Hilfe. Aber große Sorgen wegen anhaltender Dürre.

(www.south-horr.de)

Das Schulpartnerschaftsprojekt zwischen der Herderschule Bad Pyrmont und den Schulen in South Horr / Kenya hat sich auch in 2005 sehr gut weiterentwickelt. Das können Sigrid Recklebe, Lehrerin der Herderschule, und ihr Mann Karl-Heinz nach Rückkehr von einem Besuch in Kenya zum Jahreswechsel 2005 / 2006 berichten.

Der Bau einer neuen Schule, einer Secondary School, konnte mit Unterstützung aus Bad Pyrmont fortgesetzt und in 2005 fast fertig gestellt werden. 4 Klassenräume, ein Verwaltungsblock und das Schlafhaus waren schon komplett. Die Küche und der Speisesaal sind noch im Bau, werden aber in wenigen Wochen vollendet sein. Die Schule hatte den Betrieb schon im letzten Jahr aufnehmen können. In diesem Jahr kommt der 3. Jahrgang hinzu. Die Regierung bezahlt die Lehrer und den laufenden Unterhalt für die Schule. Ein Fachklassenraum für naturwissenschaftliche Fächer, Sanitär- und Sportanlagen fehlen noch, ebenso wie eine hinreichende Ausstattung mit Schulmöbeln und eine Solaranlage für die Stromerzeugung. Es gibt also noch einiges zu tun, bemerkt Frau Recklebe.

 

 

 

 

 

Foto: Baustelle von Küche und Speisesaal

Für die Region von South Horr ist aber schon jetzt ein großer Schritt nach vorn gemacht worden. Immerhin ermöglicht der Schulabschluss einer Secondary School die Aussicht auf einen bezahlten Job, oder auch auf ein weiterführendes Studium. Für die Kinder der Samburu, einem nomadisch lebenden Viehzüchterstamm, eine neue Perspektive. Wie wichtig solche Alternativen sind, ist uns bei unserem letzten Besuch wieder sehr deutlich geworden, berichtet Frau Recklebe. Die seit mehr als einem Jahr anhaltende Trockenheit im Norden Kenyas führt zu katastrophenähnlichen Zuständen in diesen Gebieten. Präsident Kibaki hat den nationalen Notstand ausgerufen und das Ausland um Hilfe gebeten. Ganze Tierherden verenden wegen des Futtermangels. Die Menschen leiden unter wirtschaftlicher Not, nicht nur weil ihnen die Tiere, ihre Sparkasse und Lebensversicherung zugleich, wegsterben, sondern auch weil die Preise für Tiere und Tierprodukte einbrechen. Die Kinder leiden unter Mangelernährung, erste Hungertote hat es schon gegeben. Korruption und eine fehlende Infrastruktur, wie befestigte Straßen und Telekommunikation, verhindern, dass Hilfslieferungen die Bedürftigen in den entlegenen Regionen des Nordens erreichen. In anderen Gebieten Kenyas, wie z.B. dem zentralen Hochland oder auch an der Küste, läuft das Leben hingegen normal weiter. Hat ein Sohn, eine Schwester oder ein anderer Familienangehöriger hier einen bezahlten Job, kann er das Überleben seiner Familie sichern, indem er Geld oder Lebensmittel schickt.

Bildung und Solidarität sind zwei Säulen auf denen sich eine bessere Zukunft bauen lässt. Dass es sich dabei nicht nur um eine Hoffnung handelt, beweisen einige Familien aus South Horr, in denen das bereits so funktioniert. Mit der neuen Secondary School wird dieses Konzept auf eine breitere Basis gestellt.

Daneben wurde mit der Hilfe aus Bad Pyrmont aber auch noch viel für die Verbesserung der Lern- und Lehrbedingungen an den Primary Schools, also den Grundschulen, getan. Die Schule in Kurungu hat 3 zusätzliche Klassenräume erhalten, Loonjorin und Sumurai je eine Solareinheit zur Stromerzeugung, Waso Rongai ein Lehrerwohnhaus. Die Schulgärten erhielten frisches Saatgut sowie Schläuche und Kannen für die Bewässerung. "Wir sind ein besserer Platz geworden, der von vielen Menschen bewundert wird..." schreibt einer der Lehrer in einem Brief an die Freunde in Pyrmont. Alles was wir jetzt noch brauchen ist Regen.

Die Tierherden, insbesondere die Rinder, der Familien aus South Horr sind in weit entfernt gelegene Gebiete getrieben worden, ständig auf der Suche nach Futter und Wasser. Dies birgt immer auch die Gefahr kriegerischer Auseinandersetzungen mit benachbarten Stämmen in sich. Im Nordosten des Landes hatte es schon bewaffnete Kämpfe mit vielen Toten gegeben. Eine dunkle regenschwere Wolke am Neujahrstag ließ schon Hoffnung auf einen Wetterwechsel aufkeimen. Aber die spärlichen Tropfen erreichten kaum den Boden, da waren sie schon wieder verdunstet. Wenn die nächste Regenzeit im März/April ausbleibt, wird es eine Katastrophe geben, so Sigrid Recklebe.

Foto: Gesamtüberblick über die neue Schule