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Das Lessing-Denkmal in Wolfenbüttel
von Julia Reinecke und Bettina Hendricks
 

 

 

 G. E. Lessing machte sich durch sein schriftstellerisches Wirken im 18.Jh. einen Namen, da er vehement die Ideen und Gedanken der Aufklärung, der Glaubensfreiheit und Humanität vertrat. Er hatte nach seinem Tode ebensoviel Verehrer wie Feinde. Einer dieser Verehrer war der Schauspieldirektor Gustav Friedrich Wilhelm Großmann.

Großmann wollte Lessing das erste öffentliche Denkmal setzen, bemühte sich zunächst um Spenden der deutschen Theater. Nach einer Reihe von höflichen, aber bestimmten Absagen stand er der Resignation sehr nahe. Die Eheleute Campe in Braunschweig, insbesondere die Rätin Dorothea Maria Campe, eine Freundin und Verehrerin Großmanns, unterstützten ihn in seinem Vorhaben, Lessing ein Denkmal zu setzen. Durch das Drängen seiner Freunde entschloss sich Großmann, „Privatsammlungen kleiner willkürlicher Beträge unter Lessings Verehrern ... mit zur Hilfe zu nehmen.“ Die Rätin kümmerte sich um die Form, den Ausstellungsort und um die Genehmigung durch den Herzog.

 

Gegen Ende des Jahres 1790 wurde der Gothaer Bildhauer Friedrich Doell mit dem Werk beauftragt. Es vergingen mehrere Jahre, bevor Doell mit dem Denkmal begann. Großmann hatte es, abgelenkt durch persönliche Probleme, versäumt, Doell die erbetene Mitteilung über die Summe des gesammelten Geldes zukommen zu lassen. Bevor jedoch das Vorhaben ein Denkmal zu setzen, scheitern konnte, schaltete sich der Reichsgraf von Soden, königlich preußischer Minister beim fränkischen Kreise, ein und regelte die finanzielle Misslage, indem er zu dem gesammelten Geldern den fehlenden Teil aus eigener Tasche bezahlte. Er trieb Großmann dazu an, dem Bildhauer Doell das Geld zuzuschicken. So kam es, dass Doell erst im Jahre 1795 mit seiner Arbeit begann, als er wusste, das diese nun auch bezahlt werde. Doell schuf das aus Blankenburger Marmor bestehende und mit vier Reliefs versehene Monument in der Form eines antiken Grabmales: Auf der einen Seite das Bildnis Lessings, auf der Rückseite die allegorischen Masken von Komödie und Tragödie sowie zu beiden Seiten Inschriften in vergoldeten Antiqualettern.

 

 

Bildnis Lessings

 

 

 

Die vergoldeten Antiqualettern

 

    Auf der linken Seite:                                    Auf der rechten Seite:

 

 

G. E. Lessing, weiser Dichter,

Deutschlands Stolz,

einst der Musen

und seiner Freunde Liebling

 

 

Ihm errichteten

dieses Denkmal einige seiner

dankbaren Zeitgenossen

MDCCLXXXXV (1795)

 

                                                                                                         

       

 

 

Die allegorischen Masken von Komödie und Tragödie

 

 

 

 

„Zwischen den beiden allegorischen Masken von Komödie und Trauer (ihre Augenhöhlen sind leer) hängen an einer Bandschleife drei Dinge: ein Handspiegel – Theater ist ein Spiegel menschlicher Sitten; ein krummer Knüppel – das gemeine Volk, aus dem die Haupthelden der alten Komödie stammen, prügelt sich; ein Dolch – ein Zeichen für die Leidenschaften des hohen Adels. Das Ganze ist eingerahmt durch einen Lorbeerzweig und einen Palmenzweig, die zum Kranze verbunden sind.“

 

 

Im Juli 1796 wurde das Lessingdenkmal vor der Tür der Wolfenbütteler Bibliotheksrotunde abgeladen. Letztendlich wurde das Denkmal aufgrund bestimmter Sicherheitsvorschriften „vor der Fronte des Bibliothek –Gebäudes in einem Abstand von ohngefähr 30 Schritten unweit der Tür des Zeughauses errichtet“.

Da es aber Teilen der Wolfenbütteler Bevölkerung missfiel, dass man Lessing ein öffentliches Denkmal setzte, denn es gab nicht wenige, die in Lessing einen gottlosen Mann sahen, wurde, obwohl das Denkmal von Wachposten unter ständiger Beobachtung stand, das Kunstwerk mutwillig beschädigt und beschmiert.

Ende Juli 1806 muss der Zustand des Denkmals sich so verschlimmert haben, dass man sich veranlasst sah, das Denkmal mit Erlaubnis der Regierung in das Vestibül der Bibliotheksrotunde hineinzunehmen, wo es auf dem ersten Absatz des Treppenhauses nur noch durch das Gitter des Einganges zu sehen war. Durch Platzmangel stand das Denkmal derart eingeengt, dass den Besuchern die allegorischen Masken verborgen blieben, da sie zur Wand gerichtet waren, was eigentlich nicht der Sinn und Zweck dieses Denkmals war.

 

Nach Abriss der Bibliotheksrotunde wurde das Denkmal in die inzwischen neugebaute Bibliothek, die Bibliotheca Augusta, die sich direkt hinter der Rotunde befand, gestellt.

Im Neubau bekam das Denkmal mehr Luft, wurde in die Mitte des geräumigen Vestibüls gestellt, sodass der Blick jedes Besuchers zuerst auf das Denkmal fiel, allerdings wurde es so aufgestellt, dass es von jedem Besucher umgangen werden musste, um in die Bibliothek zu gelangen. Nach den Umbauten der sechziger Jahre unseres Jahrhunderts wurde es zur Seite gerückt, um den Blick in das Innere der Bibliothek freizugeben. Und so versteckt steht es heute noch.

 

Scheint das Lessingdenkmal unwichtig geworden zu sein?

Ist Lessing allgemein noch von Gültigkeit?

Können wir Lessings Bedeutung für unsere Zeit in ihrem vollem Ausmaß noch wahrnehmen?

 

Quelle: Hans Butzmann: Lessings Denkmal in Wolfenbüttel. Ein Vorspiel zur Geschichte der Lessingverehrung. Wolfenbüttel: Herzog August Bibliothek, 1982. Signatur: F 8° 2446:11

 

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