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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Unterrichtliche Voraussetzungen 2
2.1. Bemerkungen zur Lerngruppe 2
2.2. Zum Unterrichtszusammenhang 4
3. Sachanalyse 4
3.1. John Steinbeck: „Of Mice and Men“
– Die Hintergründe 4
3.2. John Steinbeck „Of Mice and Men“
– der Inhalt und seine filmische Umsetzung 5
4. Didaktische Überlegungen 12
4.1. „Film und Literatur“ im Englischunterricht
13
4.2. Zugänge zu John Steinbecks „Of Mice
and Men“ 18
4.3. Die Ziele der Unterrichtseinheit 20
5. Methodische Überlegungen 22
5.1. Die Medien 22
5.2. Hausaufgaben 24
5.3. Sozial und Aktionsformen 25
5.4. Überblick über die geplante Unterrichtsreihe
26
6. Die Durchführung der Unterrichtsreihe 27
6.1. Erläuterung zur Darstellung der Unterrichtsreihe
27
6.2. Ausführliche Darstellung der 1.Stunde: Einstieg in den Film „Of
Mice and Men“ 27
6.3. Ausführliche Darstellung der achten Stunde: Reflexionen über
den Film 40
7. Kritische Reflexion
Literaturverzeichnis
1. Einleitung
In dem vorliegenden Unterrichtsversuch soll die Erzählung „Of
Mice and Men“ von John Steinbeck mit einem Grundkurs des 13. Jahrgangs
erarbeitet werden. Der Schwerpunkt der Unterrichtsreihe liegt in der inhaltlichen
Erarbeitung des Erzählstoffes.
Zentrales Medium der Unterrichtsreihe sind die 1992 unter der Regie von
Gary Sinise entstandene Literaturverfilmung, sowie der aus den Dialogen
der Filmversion bestehende Filmtext und Standfotos des Films. Der Film
orientiert sich eng an der literarischen Vorlage, muß und soll jedoch
gleichzeitig als eigenständiges Werk betrachtet werden.
Entsprechend nimmt der Aspekt „Film und Literatur im Englischunterricht“
eine zentrale Rolle im Rahmen der übergeordneten didaktischen und
methodischen Überlegungen ein. Unter fachdidaktischen Gesichtspunkten
soll zum einen dargelegt werden, daß die Arbeit mit (Spiel)filmen
im Englischunterricht grundsätzlich als didaktisch wert und sinnvoll
angesehen werden kann. Andererseits ist zu fragen und diskutieren, inwiefern
die Arbeit mit einer Literaturverfilmung den Ansprüchen des Literaturunterrichts
innerhalb der Oberstufe gerecht werden kann. Einhergehend mit diesen Überlegungen
sollen das Unterrichtsvorhaben legitimiert und sich daraus ergebende Lernziele
benannt werden. In den methodischen Überlegungen wird schließlich
erläutert, durch welche Sozialformen, Medien und methodische Mittel
die Lernziele erreicht werden sollen.
Es folgt die Dokumentation der durchgeführten Reihe in ihren Einzelstunden.
Ausgewählte Stunden werden in diesem Zusammenhang ausführlich
dargestellt und reflektiert.
In der Gesamtbetrachtung sollen die vorgenommenen didaktischen Entscheidungen
und methodischen Umsetzungen kritisch reflektiert werden, um anschließend
eine Gesamtbewertung der Unterrichtseinheit vornehmen und eventuelle Konsequenzen
ableiten zu können.
2. Unterrichtliche Voraussetzungen
2.1. Bemerkungen zur Lerngruppe
Bei der Lerngruppe, die mir durch Hospitationen und eigene Unterrichtstätigkeit
seit vor den Herbstferien bekannt ist, handelt es sich um einen „typischen“
Grundkurs des 13. Jahrgangs. Etwa ein Drittel der 21 Kursteilnehmer/innen
haben Englisch als 3.Prüfungsfach gewählt, während ein
Großteil der Lerngruppe den Kurs als einen sogenannten „Abdeckerkurs“
betrachtet. Innerhalb der Kursstufe hat das vierte Halbjahr nochmals einen
besonderen Charakter, da die schriftlichen Abiturklausuren hinter den
Schüler/innen liegen, sie auf ihre mündlichen Prüfungen
hinarbeiten und sich vor allen Dingen bereits darauf konzentrieren, was
sie nach dem bestandenen Abitur machen möchten. Dies hat zur Folge,
daß es gelegentlich an der nötigen Aufmerksamkeit mangelt.
Von seiner Zusammensetzung her empfinde ich den Kurs als eher heterogen,
d.h. der soziale Zusammenhalt innerhalb der Lerngruppe ist nur vereinzelt
vorhanden und im Leistungsvermögen gibt es teilweise recht große
Differenzen. Dennoch ist die Unterrichtsatmosphäre insgesamt entspannt,
und ich habe die Schüler/innen mir gegenüber immer als aufgeschlossen
erlebt.
Es gibt eine relativ große Anzahl an leistungsschwächeren Schüler/innen,
die von sich aus kaum oder sehr selten aktiv am Unterrichtsgespräch
teilnehmen. Zu dieser Gruppe gehören Silke, Tanja, Thomas G., Anette,
Andrea W. und Julia. An den schriftlichen Arbeiten zeigt sich jedoch,
daß sie trotz mangelnder mündlicher Beteiligung recht aufmerksam
dem Unterrichtsgeschehen folgen. Auf Ansprache reagieren sie in der Regel
positiv und können besonders in den Unterrichtssequenzen gut einbezogen
werden, denen eine entsprechende Vorbereitungsphase vorausgegangen ist.
Auch Sumit und Patrick gehören eher zu den leistungsschwächeren
Kursteilnehmern – ihre Mitarbeit ist allerdings weniger konstant.
Zum Mittelfeld des Kurses gehören Martin, Ralf, Svenja, Andrea G.,
Demir, „Matze“, Oliver und KaiOle, wobei ihre mündliche
Mitarbeit etwas wechselhaft ist. Besonders erfreulich ist die Mitarbeit
von Andrea G., die zwar zu den leistungsschwächeren Schülerinnen
zählt, sich aber in der letzten Zeit häufig zu Wort meldet.
Ralf und Oliver können sich relativ problemlos sprachlich korrekt
ausdrücken, während bei Svenja besonders im grammatischen Bereich
Defizite bestehen. KaiOle gehört eigentlich mit zu den leistungsstärkeren
Schüler/innen des Kurses, beteiligt sich jedoch freiwillig sehr selten
am Unterrichtsgespräch; oft scheint er einfach keine Lust zu haben
sich zu melden.
Wenn „Matze“ und Demir nicht gerade durch Nebengespräche
abgelenkt sind, können sie durch ihre Mitarbeit das Unterrichtsgespräch
sehr bereichern. Demir hat zwar größere sprachliche Defizite,
scheut sich jedoch nicht, seine oft guten Gedanken in den Unterricht einzubringen.
„Matze“ zeichnet sich dadurch aus, daß er trotz seines
eher eingeschränkten Wortschatzes meistens einfach ‚lossprudelt‘
und seine Meinung zur Verfügung stellt. Auch kann er durch seine
recht lockere Art im Unterricht positive Akzente setzen.
Zu den Spitzen des Kurses gehören Katrin, Daniel, Thorsten und Thomas
K.. Sie können sich mühelos und sprachlich korrekt ausdrücken
wobei Katrin noch am deutlichsten um eine Verbesserung ihrer Sprachkompetenz
bemüht ist und können sich u.a. deshalb am ehesten auf die inhaltliche
Diskussion einlassen. Gleichzeitig beweisen sie durch die Qualität
ihrer Beiträge, daß sie auch abstrakte Zusammenhänge schnell
erfassen und von dort aus eigene Gedankengänge weiterentwickeln können.
Hervorzuheben ist insbesondere Daniel, der zwar hin und wieder in seiner
Beteiligung sprunghaft ist, aber durch die Prägnanz und in Ansätzen
„philosophische“ Reflexion seiner Beiträge dem Gespräch
oftmals die erwünschte Tiefe gibt oder auch unerwartete Aspekte in
das Unterrichtsgeschehen einbringt.
Als Arbeits und Sozialform ist den Schüler/innen hauptsächlich
das freie Unterrichtsgespräch vertraut. Unterrichtssprache ist durchgängig
das Englische.
2.2. Zum Unterrichtszusammenhang
Die Unterrichtsreihe ist eingebettet in das Kursthema „Men in Crisis“
und bildet den Auftakt für die Arbeit des vierten Semesters. Das
recht weit gefaßte Thema des Kurses bietet dem Kursleiter die Möglichkeit,
den Schüler/innen verschiedene literarische Stoffe nahezubringen.
Da das Semester recht kurz ist, soll dies im weiteren durch die Erarbeitung
einiger Kurzgeschichten geschehen, die inhaltlich ähnliche ethischmoralische
Schwerpunkte bieten.
3. Sachanalyse
3.1. John Steinbeck: „Of Mice
and Men“ – Die Hintergründe
1937 erschien der von Steinbeck selbst als „playnovelette“
bezeichnete Kurzroman „Of Mice and Men“. Bei dieser Kunstform
handelt es sich, nach Steinbeck,
„um ein Schauspiel, das leicht lesbar, und um eine Novelle, die
durch Herausschälen des Dialogs leicht aufführbar ist ... Der
erste Anlaß, in dieser Form zu arbeiten, war der Wunsch, einem Bühnenstück
größere Verbreitung zu sichern, indem ich es in Romangestalt,
die den Lesern geläufiger ist, erscheinen ließ ... Ich bin
überzeugt, daß diese Form zu Recht besteht und sich noch weiter
ausbauen läßt.“
Gleich im Anschluß an die Romanversion von „Of Mice and Men“
schrieb Steinbeck die Bühnenfassung, die noch im selben Jahr in New
York uraufgeführt wurde und ihm den begehrten „Drama Critics‘
Circle Award“ einbrachte. Die gute Rezeption der Romanversion zog
nach sich, daß der Roman nach der Wahl des „BookoftheMonth
Club“ auch in die Liste der „Ten Outstanding Young Men of
the Year“ aufgenommen wurde . Man kann daher sagen, daß die
Veröffentlichung von „Of Mice and Men“ für Steinbeck
den durchschlagenden Erfolg in seiner schriftstellerischen Laufbahn bedeutete.
Ein weiterer Faktor, der die von Steinbeck angestrebte möglichst
weite Verbreitung seines Werkes begünstigte, war die aufstrebende
amerikanische Filmindustrie. Es ist anzunehmen, daß Steinbeck schon
bei der Abfassung seiner „playnovelette“ eine mögliche
spätere Verfilmung im Blick hatte. 1939 verkaufte er die Filmrechte
für „Of Mice and Men“ und für sein wohl erfolgreichstes
Werk „The Grapes of Wrath“ an TwentiethCenturyFox. Noch im
selben Jahr wurde „Of Mice and Men“ unter der Regie von L.
Milestone verfilmt.
Aus den vorangegangenen Ausführungen wird deutlich, daß eine
Verfilmung des literarischen Stoffes den Intentionen des Autors durchaus
entspricht. Die Beschränkung auf wenige Schauplätze und die
Herausarbeitung typisierter Charaktere bereits in der Erzählversion
erleichtern nicht nur die Umsetzung in eine Bühnenfassung, sondern
fördern auch eine nah am literarischen Original orientierte filmische
Bearbeitung.
Gegenstand der vorliegenden Unterrichtsreihe ist die Verfilmung von 1992
unter der Regie von Gary Sinise. Bis auf wenige Ausnahmen hat die Verfilmung
mit Gary Sinise und John Malkovich in den Hauptrollen als George und Lennie
ausgesprochen gute Kritiken bekommen und wird vor allem wegen seiner Nähe
zum Original und seiner starken Ausdruckskraft gelobt:
„I recommend OF MICE AND MEN without reservation [...]. It is visually
beautiful. It is thematically intelligent and important. It is sensitive
to its source and the debut of a great new movie talent.“
3.2. John Steinbeck „Of Mice
and Men“ – der Inhalt und seine filmische Umsetzung
John Steinbecks Erzählung „Of Mice and Men“ führt
uns in die Zeit der wirtschaftlichen Depression, hinein in das Milieu
kalifornischer Wanderarbeiter, die als Erntehelfer heimatlos von Ranch
zu Ranch ziehen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Steinbeck selbst
hat für längere Zeit das Leben dieser “hobos“ geteilt,
was darin deutlich wird, wie treffend er das Lebensgefühl, die Einsamkeit
und die insgeheimen Sehnsüchte der Charaktere beschreibt. Wie einen
Mikrokosmos des ländlichen amerikanischen Lebens der damaligen Zeit
stellt er das Leben auf der Tyler Ranch, dem Hauptschauplatz der Geschichte,
dar. Vorenthalten wird dem Leser wie auch dem Zuschauer des Films allerdings
das wirkliche Alltagsleben, die knochenharte, tägliche Arbeit, die
kargen Lebensumstände, in denen es gerade mal für das Nötigste
zum Überleben reicht. Anknüpfungspunkte an historische Zusammenhänge
hat die Erzählung insofern, als daß die örtlichen Gegebenheiten
denen entsprechen, in denen Steinbeck selbst aufgewachsen ist und die
meiste Zeit seines Lebens verbracht hat (das Gebiet um Monterey und Salinas
in Kalifornien) und daß es Lennie, eine der beiden Hauptfiguren,
tatsächlich gegeben hat.
„Of Mice and Men“ ist jedoch keine Erzählung, die sozialkritische
Akzente setzen und dadurch Betroffenheit auslösen will. Der Erzählstil
Steinbecks wird eher als naturalistischmelodramatisch beschrieben, dem
im Film durch die Darstellung einer idyllisch anmutenden Landschaft, mit
schönen Bildern und der dazu passenden musikalischen Untermalung
Rechnung getragen wird. Auch die Wahl der Schauspieler verstärkt
die Ausdruckskraft der von Steinbeck gewählten dramatischen Figurenkonstellation.
Steinbeck geht es um Zwischenmenschliches. Der Leser/ Zuschauer soll sich
in das Leben Einzelner einfühlen, deren Schicksal ganz individuell
ist und gleichzeitig als ein Sinnbild die Hoffnungen und Wertvorstellungen
einer ganzen Bevölkerungsgruppe zum Ausdruck bringt.
Das Schicksal Georges und Lennies, das mit dem der anderen Ranchbewohner
verwoben wird, steht im Mittelpunkt der Erzählung und zieht den Leser/
Zuschauer in den Bann. George hat den geistigzurückgebliebenen, aber
sehr kräftigen Lennie in seine Obhut genommen, als dessen Tante Klara
starb. George ist für Lennie die einzige Bezugsperson; er ist auf
dessen Fürsorge angewiesen und vertraut ihm gleichzeitig blind. Dies
wird an verschiedenen Stellen deutlich, z.B. wenn George erzählt
„I used to play jokes on him because he’s too damn dumb to
take care of himself. He’s been doing any damn thing I told him.
... One day – a bunch of guys standing around on the Sacramento
river, and I says, ‚Jump in Lennie‘, and he jumps. He couldn’t
swim a stroke. He damn near drowned. He’s so damn nice to me for
saving him. He forgot I told him to jump in.“
Gleichzeitig wird deutlich, daß auch George von Lennie abhängig
ist, weil die Verantwortung und Fürsorge für Lennie wiederum
seinem eigenen Leben Sinn und Halt gibt. Ihre Freundschaft macht ihn zu
etwas Besonderem und läßt ihn sich herausheben aus der Masse
der anderen “lonely guys“. Die Verantwortung für Lennie
empfindet George zwar oftmals als Last
„When I think of the swell time I could have without you, I go nuts.
I never get any peace. If I was alone, I could live so easy. I could get
a job and work and no trouble. No mess at all: When the end of the month
come I could take my 50 bucks, I could go into town and get whatever I
want. I could stay in a cathouse all night. – And what do I got?
I got you. You can’t keep a job. You lose me every job I get. You
keep me shoving all over the country all the time. – That ain’t
the worst. You get in trouble. You do bad things, and I got to get you
out. All the time. Crazy son of a bitch. You keep me into hot water all
the time.“
dennoch wird klar, daß es keine echte bzw. befriedigende Lebensperspektive
darstellt, als Alternative sein Leben in Bars und Bordellen zuzubringen.
Gleichzeitig ist es Lennie, der mit seiner Forderung: „Tell me like
you done before...“ (s.u.) in George den Traum von einem anderen
Leben wachhält, den Traum von einer eigenen kleinen Farm, einem Ort
der Geborgenheit, an dem sie unabhängig und selbstbestimmt leben
können. Wie in einem Ritual , ähnlich dem, wenn Kinder vor dem
Schlafengehen das immer gleiche Märchen vorgelesen bekommen möchten,
folgt George der Aufforderung Lennies:
LENNIE: „Tell me like you done before.“ [...] GEORGE: „You
get a kick out of that, don’t you? O.K., I will. Guys like us that
work on ranches are the loneliest guys in the world. They ain’t
got no family, and they don’t belong no place, and they got nothing
to look ahead to. LENNIE: „But not us, George. Tell about us now.“
GEORGE: „We ain’t like that. We got a future. We got somebody
that gives a damn about us. If them other guys gets in jail, nobody cares.“
LENNIE: „But not us, George, because I got you to look after me,
but you got me to look after – George, tell about how it’s
gonna be.“ GEORGE:“ Someday, we’re gonna have us a little
house and a couple of acres ... And a cow and a pig “ LENNIE: „
a pig ... And chickens. We gonna live off the fat of the land and have
rabbits [...] and I get to tend the rabbits.“
Auch wenn die Erfüllung des Traumes durch das spätere Zusammentreffen
mit Candy in greifbare Nähe zu rücken scheint, ist dem Leser/
Zuschauer vom Beginn der Geschichte an klar, daß es nie zu einer
Verwirklichung dieses Traumes kommen wird. Durch die Technik des “foreshadowing“
nimmt Steinbeck den Leser derart mit in die Geschichte hinein, daß
er immer schon ahnen kann, was wohl noch geschehen mag und daß sich
die Geschichte in dramatischer Weise zuspitzen wird.
Es ist die Vorliebe Lennies, Mäuse, junge Hunde und andere weiche
Dinge zu „streicheln“, die gepaart mit der Unfähigkeit,
seine eigene Körperkraft zu kontrollieren zunächst den Objekten
seiner Zuneigung buchstäblich das Genick bricht und schließlich
auch ihn selber das Leben kostet. Als Lennie ohne böse Absicht die
Frau Curleys tötet, sieht George keine andere Lösung, als Curley
und den anderen Männern zuvorzukommen und Lennie selbst zu erschießen.
Ein letztes Mal erzählt George die Geschichte von der eigenen kleinen
Farm, bringt Lennie damit in den Zustand einer freudigen Ekstase und gibt
ihm den Gnadenschuß, als dieser den Satz “I get to tend the
rabbits ...“ auf den Lippen hat. Das Ende stimmt traurig und es
ist kaum möglich, sich der eigenen Emotionen zu entziehen. Gerade
die Unausweichlichkeit des dramatischen Geschehens macht betroffen. Automatisch
tauchen die Bilder der Geschichte auf, die das Ende schon vorausahnen
ließen. Unterstützt wird dieser Rückblick durch die Schlußszene,
in der das Bild des Anfangs aufgegriffen wird: George – im Halbdunkel
eines Zugabteils sitzend und tief in Gedanken versunken – reflektiert
das Geschehene, sein Leben und die Erfahrungen, die er im Zusammensein
mit Lennie gemacht hat.
Zu Beginn des Films weiß der Zuschauer noch nicht, worüber
die Person im Zug nachsinnt , kurz darauf wird man jedoch mitten in das
Geschehen geführt, auf das die Person offensichtlich zurückblickt:
eine Frau in einem roten, zerrissenen Kleid rennt verzweifelt schreiend
davon, im nächsten Moment sieht man zwei Männer (George und
Lennie) auf der Flucht vor einer Gruppe von Farmarbeitern, mit Hunden
und mit Gewehren bewaffnet. Die beiden schaffen es, sich in einen Graben
zu retten, verstecken sich im Ufergebüsch und springen dann im Schutz
der Nacht auf einen fahrenden Zug auf.
Der angstvolle Blick der Frau legt die Vermutung nahe, daß es sich
um eine versuchte Vergewaltigung handelt, gleichzeitig wird dem Zuschauer
deutlich, daß es Lennie sein muß, der die Situation verursacht
hat. Zu einem späteren Zeitpunkt erfährt man, daß Lennie
nur das rote Kleid der Frau berühren und „streicheln“
wollte, dann aber bei deren Widerstand nicht von ihr ablassen konnte,
was zu der für die Frau bedrohlichen Situation führte.
Vor der Lynchjustiz der Männer noch einmal davon gekommen, symbolisiert
die Fahrt mit dem Zug und die morgendliche Ankunft in einer Kleinstadt
weiter im Süden des Landes einen erzwungenen Neuanfang. Markiert
wird der Neuanfang durch die Worte:
LENNIE: George, where are we going? GEORGE: We are going to a ranch to
work.
und die Ankunft auf der Tyler Ranch. Bevor sie diese erreichen, übernachten
die beiden an einem Flußlauf. Auf dem Weg dorthin erfährt der
Zuschauer des Films zum ersten Mal von der o.g. Vorliebe Lennies, als
George entdeckt, daß dieser in seiner Hosentasche eine tote Maus
verborgen hält:
LENNIE: George, that’s my mouse. But I didn’t kill it. I found
it dead. [...] GEORGE: Give it here! What do you want with a dead mouse,
anyway? LENNIE: I was just petting it with my fingers while we was walking
along.
Wie ein kleines Kind weint Lennie, als George ihm die tote Maus wegnimmt.
George versucht, ihn mit pädagogischen Mitteln zu beschwichtigen:
GEORGE: Tell you what I’ll do. First chance I get I’ll get
you a puppy. That’d be better than mice. You can pet ‘em harder.
OK?
Zentrales Moment dieser, wie insbesondere auch der beiden folgenden Szenen
(„The overnight stop by the river“ und „At the campfire“)
, liegt in der Darstellung der Beziehung der beiden zueinander . Auch
das Motiv des Traumes von der eigenen kleinen Farm taucht hier das erste
Mal auf.
Bei der Ankunft auf der Tyler Ranch steht zunächst die Einführung
der weiteren Charaktere im Mittelpunkt. Neben den Hauptcharakteren George
und Lennie sind hier vor allem Candy, Curley und Curley’s Wife zu
nennen.
Bevor diese jedoch näher charakterisiert und in ihrer Stellung innerhalb
der dramatischen Konzeption der Geschichte beschrieben werden sollen,
möchte ich kurz auf die weiteren Figuren der Erzählung eingehen.
Slim, der Vorarbeiter auf der Ranch, ist so etwas wie der ruhende Pol
in der Gruppe der Menschen, die in diesem „Mikrokosmos amerikanischer
Gesellschaft“ ihr Leben miteinander teilen. Seine Souveränität
und seine sympathischoffene Art machen ihn für die anderen zu einer
Autorität; gleichzeitig kann man ihm auch persönliche Dinge
anvertrauen .
Crooks ist der farbige Stallknecht, der auf der Ranch aufgrund seiner
Abstammung eine Außenseiterposition einnimmt. Er darf am sozialen
Leben nicht teilnehmen und lebt von den anderen getrennt in einer eigenen
Unterkunft. Als ihm Lennie dort eines Tages in seiner naiven Art einen
Besuch abstattet, wird deutlich, wie einsam das Leben Crooks‘ ist:
“Well, maybe you can see now. You got George. Suppose you ain’t
got nobody. Suppose you can’t go into the bunkhouse and play rummy
because you’s black. [...] A guy goes nuts, he ain’t got nobody.
I tell you, a guy gets too lonely, he gets sick!”
Weitere Nebenfiguren sind Carlson, Whit und der „Boss“, wobei
letzterer lediglich in der Szene 6 („Arrival at Tyler Ranch“)
eine Rolle spielt und dort als resolut, streng und leicht aufbrausend
beschrieben wird. Carlson tritt im wesentlichen dadurch in Erscheinung,
daß er die Erschießung von Candys altem Hund initiiert. Whit
ist lediglich ein junger Arbeiter, der mit den anderen die Unterkunft
teilt.
Unter den Hauptcharakteren nimmt Curley, der Sohn des „Boss“,
die Rolle des eifersüchtigen und streitsüchtige Ehemannes ein,
aus dem aber im Grunde Unzufriedenheit und ein gewisses Gefühl von
Minderwertigkeit spricht.
CANDY: “Curley’s pretty handy with his fists. [...] Curley’s
like a lot of little guys – hates big guys. He’s mad at them
because he ain’t a big guy.”
Schon nach der ersten Begegnung mit George und Lennie wird klar, daß
Curley es auf Lennie abgesehen hat. Zum Eklat kommt es dann, als Curley
Lennie zu einer Schlägerei provozieren will und Lennie im Kampf Curleys
Hand wie eine rohe Kartoffel in seiner Faust zerquetscht .
Curley’s Wife ist das einzige weibliche Wesen auf der Ranch. Die
Tatsache, daß sie nicht einmal einen eigenen Namen hat, deutet darauf
hin, daß sie kaum in ihrer eigenen Persönlichkeit wahrgenommen
wird. Mit dem Vorwand “I’m looking for Curley“ ist sie
ständig darum bemüht, sich durch die Präsentation ihrer
offensichtlichen weiblichen Reize bei den Männern Anerkennung zu
verschaffen. Ihre Einsamkeit, die Suche nach Nähe und Geborgenheit
sowie Trotz und Enttäuschung über die Heirat mit Curley und
die verpaßten Lebenschancen kommen darin zum Ausdruck . Gerade als
sie in Lennie jemanden gefunden hat, dem sie ihre innersten Gefühle
anvertrauen kann – selbst wenn dieser sie nicht versteht , wird
das Anbändeln mit ihm für sie zur tödlichen Falle. Als
sie Lennie ihr Haar streicheln läßt, erkennt dieser nicht die
Grenzen, wann es gilt aufzuhören. Bei dem verzweifelten Versuch,
ihren Widerstand bzw. ihr Schreien zu unterdrücken bricht er ihr
in seiner Panik ungewollt das Genick. Dieser erste dramatische Höhepunkt
wird durch den in derselben Szene bereits vorangegangenen Tod des Hundewelpens,
das Lennie anvertraut war, vorbereitet. Gleichzeitig wird man erinnert
an den Anfang der Geschichte, an die davon laufende Frau im roten Kleid
und Georges und Lennies Flucht vor ihren Verfolgern.
„I done a bad thing, I done a really bad thing.“
Diese Erkenntnis läßt Lennie immerhin an den Ort fliehen, den
George ihm vorher eingeschärft hatte
„If you get in any trouble, come right here and hide in the brush.“
Doch erkennt Lennie wirklich die Tragweite seiner Tat? Lennie ist gefährlich,
und er ist schuldig am Tod von Curley’s Wife. Gleichzeitig ist er
aufgrund seiner geistigen Beschränktheit nicht zurechnungsfähig
und kann daher für seine Tat nicht selbst verantwortlich gemacht
werden. Die Tragik liegt in der Unausweichlichkeit und damit Schicksalhaftigkeit
des Geschehens.
Innerhalb der dramatischen Konzeption der Geschichte bleibt abschließend
noch, die Rolle Candys näher zu bestimmen, die gleichzeitig auf das
Ende hinweist.
Candy ist ein durchweg positiv besetzter Charakter, der durch sein Alter
und seine leichte Behinderung er hat bei der Arbeit auf der Farm eine
Hand verloren und wurde deshalb mit der Verrichtung leichter Arbeiten
auf der Farm betreut – eine besondere Position auf der Ranch einnimmt.
Er erhält auch insofern eine besondere Stellung innerhalb der dramatischen
Struktur der Geschichte, als sich von ihm einerseits Parallelen zu Lennie,
andererseits zu George ziehen lassen. Dies wird besonders in der Szene
„The killing of Candy’s dog“ deutlich, in der sein langjähriger
Weggefährte, ein altersschwacher Mischlingshund, „weil er zu
nichts mehr nutze ist“, von Carlson erschossen wird.
CARLSON: God almighty, that dog stinks. He’s got no teeth. He’s
all stiff from rheumatism. Ain’t no good to you. Hell, he ain’t
no good to hisself. Why don’t you just shoot him, Candy?
Der hohe emotionale Gehalt dieser Szene, der im Film durch eine hervorragende
Inszenierung zum Ausdruck kommt, ist besonders hervorzuheben. Die Qualität
der Konstruktion der Szene spiegelt sich auch in einem Vergleich mit der
Erzählversion wider. Die sprachliche Gestaltung, durch die die gespannte
und emotional geladene Atmosphäre ausgedrückt wird, zeugt von
den literarischen Qualitäten Steinbecks:
“Candy did not answer. The silence fell on the room again. It came
out of the night and invaded the room.”
Die ethische Dimension des Geschehens, in dem es um die Würde des
Lebens geht und um die Frage, ob allein Leistungsfähigkeit über
den Wert von Leben entscheidet, wird unter anderem durch die Parallele
zu Candy selbst thematisiert. So äußert er in der Reflexion
auf die Erschießung seines Hundes:
“You seen what they have done to my dog. They said he wasn’t
good no more. I wish somebody would shoot me when I ain’t no good.
But they won’t so that. They’ll can me, and I ain’t
gonna have no place to go.”
Candys Reaktionen sind Trauer, Resignation und Akzeptanz, aber kein wirkliches
Auflehnen. Hoffnung keimt erst dann wieder auf, als er von George und
Lennie in dessen Pläne für die eigene kleine Ranch einbezogen
wird und darin eine neue Lebensperspektive für sich entdeckt. Gleichzeitig
nimmt Candy mit seiner Äußerung:
“ I ought to have shot that dog myself. I shouldn’t let no
stranger shoot my dog.”
das tragische Ende der Geschichte vorweg. Abermals bedient sich Steinbeck
hier des Stilmittels des „foreshadowing“. Die parallele Konstruktion
der Szenen drückt sich darin aus, daß George quasi diesen „Ratschlag“
Candys beherzigt und Lennie lieber selber den Gnadenschuß gibt,
als mitzuerleben, daß er von Fremden brutal und mit Genugtuung erschossen
wird. Die Beurteilung der Entscheidung Georges ist geprägt von der
scheinbaren Ausweglosigkeit der Situation. Während der Begegnung
am Fluß hört man bereits Curley und die anderen Männer
nahen. George ringt sichtlich mit sich. Seine Motive sind bestimmt von
Mitleid, Liebe, Freundschaft, und George handelt schließlich in
dem Bewußtsein, das Beste für seinen Freund zu tun. Schuld
hätte George in jedem Fall auf sich geladen, die getroffene Entscheidung
schien ihm der beste Weg aus seinem moralischen Dilemma. Als Zuschauer
kann man die Entscheidung Georges nachempfinden, auch wenn die ethische
Frage bleibt, ob jemand das Recht hat, einen anderen Menschen –
und sei es zu dessen Wohl – zu töten .
In der Schlußszene, wie auch in der gesamten Erzählung, kommt
das Weltbild Steinbecks darin zum Ausdruck, daß für ihn das
Schicksal des Einzelnen Teil und Sinnbild der Ordnung der Natur sind.
Der ursprünglich geplante Titel “Something That Happened“
gibt darüber Aufschluß, daß für Steinbeck auch ein
dramatisches Geschehen, wie das in der Erzählung beschriebene, Teil
des „ganz normalen Lebens“ ist. Das Scheitern der eigenen
Träume und das letztendliche Geworfensein des Menschen auf sich selbst
(in der Erzählung verkörpert durch George) sind die Essenz dieser
realistischen Weltsicht. Der aktuelle Titel “Of Mice and Men“
ist dem Gedicht “To a Mouse – On Turning Her Up in Her Nest
with the Plough“ von Robert Burns (17591796) entliehen , in dem
eben dieser Zusammenhang deutlich wird. Das Wissen um Steinbecks Kenntnis
von Paradise Lost und der Bibel lassen Parallelen deutlich werden mit
der Erzählung von Kain und Abel, in der die Schuld Kains am Brudermord
gleichsam Sinnbild für die Schicksalhaftigkeit des menschlichen Lebens
ist. „Unstet und flüchtig“ muß George nun seiner
Wege gehen, dem verlorenen Traum vom Paradies nachsinnend.
4. Didaktische Überlegungen
Bevor ich die konkreten didaktischen Überlegungen zu einer Erarbeitung
von John Steinbecks „Of Mice and Men“ mit der unter 2.1. beschriebenen
Lerngruppe darlege, möchte ich dem zunächst einige allgemeinere
didaktische Überlegungen voranstellen, die den Hintergrund für
die Entscheidung bilden, den literarischen Stoff anhand der Literaturverfilmung
zu erarbeiten.
4.1. „Film und Literatur“
im Englischunterricht
Es ist unbestritten, daß die heutige Gesellschaft in hohem Maße
durch die Medien, insbesondere Film und Fernsehen, geprägt ist. Schülerinnen
und Schüler verfügen über vielfältige Erfahrungen,
sich „Welt“ über das Medium Film zu erschließen.
Die Überlegung, mit einem Spielfilm im fremdsprachlichen Unterricht
zu arbeiten, schließt also direkt an die Erfahrungswelt der Jugendlichen
und jungen Erwachsenen an und trägt der Tatsache Rechnung, daß
„der fiktionale Film in der Gegenwartskultur (auch der Zielsprachenländer!)
‘als audiovisueller Archetyp des Erzählens eine universelle
Geläufigkeit erlangt‘ hat“ .
Hierbei hat, entgegen anders lautender Prognosen , heutzutage insbesondere
der Besuch des Kinos einen hohen Stellenwert und kann als „bevorzugter
Medienort Jugendlicher und junger Erwachsener“ betrachtet werden.
Das Freizeitverhalten von Jugendlichen verweist unabweisbar darauf, daß
das Sehen dem Lesen gegenüber einen wesentlich höheren Stellenwert
besitzt. Didaktische Überlegungen müssen daher Interessen, Vorerfahrungen
und –erwartungen einer von visuellen Medien geprägten Generation
mit einbeziehen (dazu gehört natürlich auch der Spielfilm im
Kino).“ .
Der Reiz liegt dabei nicht nur in Art und Inhalt der gezeigten Filme,
sondern im Kino als „sozialem Erlebnisort“. In diesem Zusammenhang
darf man einerseits mit einer erhöhten Bereitschaft und Aufmerksamkeit
der Schüler/innen rechnen, sobald ein Film eingesetzt wird. Ein gemeinschaftliches
Erlebnis ist in Ansätzen auch im schulischen Unterricht möglich
und angestrebt. Dennoch gilt es zu bedenken, daß es sich in der
Schule eben gerade nicht um einen Freiraum „außerhalb organisierter
pädagogischer Zonen“ handelt, als den die Schüler/innen
den Besuch des Kinos ansehen. Deshalb ist zu berücksichtigen, daß
auch Widerstand gegen die pädagogische Vereinnahmung eines extrem
positiv besetzten Mediums spürbar werden könnte.
„Aus diesem Grund erscheint es fragwürdig und wenig erfolgversprechend,
wenn fiktionale Filme in erster Linie oder gar ausschließlich in
medienkritischer Absicht benutzt werden, um die Lernenden gegen deren
Faszinationskraft zu immunisieren, wie dies gelegentlich auch im fremdsprachlichen
Unterricht geschieht.“
Daß der genannte Einwand berechtigt ist, zeigt z.B. der Unterrichtsversuch
von Nigel J. Ross:
„One overall complaint was that their reading for pleasure and their
visits to the cinema were in some ways spoilt by noticing the writer’s
or filmmaker’s art. Instead of entering the imaginary world of a
novel or a film and associating with the situations and characters, they
tended to stand back and look at the author’s/ director’s
technique. The teacher, it was said, had revealed the true identity of
Father Christmas.“
Sicherlich ist eine kritische Auseinandersetzung mit Medien entsprechend
dem fächerübergreifenden Lernziel, die Schülerinnen und
Schüler zu kritischen und mündigen Bürgern zu erziehen
auch im Fremdsprachenunterricht durchaus sinnvoll und wünschenswert,
soll jedoch aus den genannten Gründen an dieser Stelle nicht angestrebt
werden.
Ein weiterer Pluspunkt für die Arbeit mit Spielfilmen in der Originalsprache
liegt darin, daß es sich dabei um „authentisches Material“
handelt, in dem „native speakers“ sprechen und agieren. Zwar
könnte man hier einwenden, daß es sich in Spielfilmen um eine
künstliche „Filmsprache“ handele, mit konstruierten Dialogen
und Handlungen, dies tut jedoch, meiner Ansicht nach, der Authentizität
der Zielsprache keinen Abbruch. Die Behandlung eines Films kann also als
Ergänzung zur vorrangig im Fremdsprachenunterricht eingesetzten Textarbeit
insbesondere das Hör/Sehverstehen der Schülerinnen und Schüler
fördern.
Darüber hinaus transportiert „der Spielfilm zwangsläufig
eine Fülle kulturkundlicher Informationen über Gesellschaft
und Geschichte Englands und Amerikas“ .
„Auch wenn der kulturkundliche Aspekt nicht direkt zum Thema wird,
das Betrachten eines fremden, ‚authentischen‘ soziokulturellen
Hintergrundes provoziert zwangsläufig Fragen und trägt somit
zur Erweiterung des Erfahrungshorizontes der Schüler bei.“
Als Argument gegen den Einsatz von Filmen im Unterricht wird von Kritikern
häufig angeführt, daß dadurch die passive Konsumhaltung
der Jugendlichen gefördert würde. Dieser Einwand kann durch
entsprechende Untersuchungen entkräftet werden:
So träfe es keineswegs zu, daß sich Jugendliche Kinofilme einfach
‚reinzögen‘; die meisten jungen Zuschauer sprächen
nach dem Kinobesuch noch miteinander über das Gesehene, viele dächten
noch darüber nach.
„Bei Gymnasiasten der Oberstufe stehen im Mittelpunkt solcher Unterhaltungen
vor allem: Gags und lustige Szenen, die Musik, die Aussage des Films,
die Figuren, die Schauspieler, die Gefühle, die der Film geweckt
hat.“
Die Behandlung eines Spielfilms im Unterricht läßt demnach
die berechtigte Hoffnung zu, daß er die Schülerinnen und Schüler
zu einem intensiven Rezeptionsgespräch herausfordert.
Das Ziel im Fremdsprachenunterricht muß es nun sein, die Schülerinnen
und Schüler zu motivieren und ihnen Raum und sprachliche Mittel zu
Verfügung zu stellen, damit sie diese Unterhaltung tatsächlich
in der Fremdsprache durchzuführen vermögen. Wenn dies gelingt,
wird dem obersten Ziel des Fremdsprachenunterrichts, der Förderung
der Kommunikationsfähigkeit, Rechnung getragen.
Bei der Behandlung von Filmen im Unterricht sollte außer den o.g.
noch ein weiterer Punkt Beachtung finden: Der Film ist ein ‘flüchtiges
Medium’, bei dem der Zuschauer jeweils eine Fülle von Informationen
gleichzeitig zu verarbeiten hat, und in dem in der Regel die Bildimpulse
deutlicher wahrgenommen werden als die gesprochene Sprache. Deshalb ist
bei der Behandlung von Filmen im Unterricht dem Spezifikum des Films durch
ein entsprechendes didaktischmethodisches Vorgehen Rechnung zu tragen.
„Filme, als Ganzes gesehen, sind für den Betrachter durch die
ununterbrochene Präsentation bewegter Bilder so überwältigend,
daß er aufgrund der dominierenden visuellen Beanspruchung sprachlos
wird – das didaktische Problem besteht darin, die vorbegriffliche
Bildfolge zu analysieren, d.h. in Sprache umzusetzen.“
Es dürfte deutlich geworden sein, daß der Einsatz von Filmen
nicht nur legitimierbar ist, sondern als didaktisch sinnvoll angesehen
werden muß. Aus den vorangegangenen Ausführungen ist ersichtlich,
daß eine Arbeit insbesondere auch mit Spielfilmen im Englischunterricht,
unter Berücksichtigung bestimmter Einschränkungen, für
die Schülerinnen und Schüler inhaltlich und sprachlich gewinnbringend
sein kann.
Mit der Auswahl einer Literaturverfilmung als Unterrichtsgegenstand muß
unter didaktischen Gesichtspunkten jedoch auch gefragt werden, ob damit
gleichzeitig die in den Rahmenrichtlinien geforderte Auseinandersetzung
mit Literatur im Englischunterricht der Oberstufe geleistet werden kann.
„Wie alle literarischen Erlebnisse ist der Film ein Medium zur Menschenerkenntnis,
zur Einsicht in die eigene Charakterentwicklung. Man nimmt im Film Lebenserfahrung
vorweg. Die fiktionale Welt des Literarischen ist nicht nur Abbild von
Wirklichkeit, sondern ist neue geschaffene Realität" .
In diese fiktionale Welt einzutauchen macht den Reiz von Literatur aus,
im Buch wie auch im Film. Indem sich Schüler/innen auf eine andere
Wirklichkeit nicht nur kognitiv, sondern auch emotional einlassen, erweitern
sie ihren Erfahrungshorizont, weil sie ihr eigenes Erleben dazu in Beziehung
setzen. So kann auch durch die Arbeit mit einem Film die Forderung der
Rahmenrichtlinien erfüllt werden, indem die Schüler/innen
„eine Form der Wirklichkeitsbeschreibung kennenlernen, die –
obwohl fiktional – dennoch eine Spiegelung der Realität darstellt
und auf eine nur der Literatur eigene Weise zum Verständnis von Erscheinungen
und Entwicklungen in allen Bereichen der realen Welt beiträgt“
.
Es wird immer wieder bezweifelt, daß die Erarbeitung von Literatur
anhand eines Films dem Original gänzlich gerecht werden kann. Das
Wissen um die Unterschiede und deren bewußte Nutzung können
jedoch durchaus neue Zugangs und Interpretationsmöglichkeiten eröffnen.
Außerdem darf nicht übersehen werden, daß ein Film mehr
ist und sein will als eine (möglichst originalgetreue) Verfilmung
der literarischen Vorlage, sondern stets als eigenständiges literarisches
Kunstwerk betrachtet werden muß.
In diesem Zusammenhang wird einer Verfilmung häufig vorgeworfen,
daß sie die Mehrdimensionalität der literarischen Vorlage einschränke
und die Imaginationskraft des Rezipienten beschneide. Während ein
Leser stets gezwungen ist, aber eben auch die Chance hat, sich seine eigene
‘LeseWelt’ zu erschaffen, ist die Welt für den Betrachter
eines Films zumindest in einem gewissen Rahmen z.T. sehr genau festgelegt
(z.B. Besetzung einer Rolle mit einem bestimmten Schauspieler, bestimmte
Kleidung, Umgebung, Landschaft). Trotzdem bietet auch ein Film zahlreiche
Freiräume und Leerstellen, die die Imaginationskraft des Betrachters
fordern und die Möglichkeit bieten, sich aktiv mit dem Gesehenen
auseinanderzusetzen. Dabei ist es wichtig, entsprechende Leerstellen ausfindig
zu machen und von den Schüler/innen ausgestalten zu lassen.
Ein zusätzlicher Vorteil dieser Rezeptionsart zeigt sich darin, daß
sich Bilder besser einprägen und verschiedene Wahrnehmungsebenen
ansprechen, so daß der literarische Stoff besser im Gedächtnis
verankert bleibt.
„Der Mensch ist, wie die Primaten, ein relatives ‚Gesichtstier‘.
Er ist auf Sehen, besser: auf die Verarbeitung der gesehenen Informationen
besonders angelegt ... Die Aufnahme von Welt mittels Sehen und Hören
... überragt verbale Tätigkeiten stets bei weitem, und sie führt
in eine frühere, tiefere, emotionalere Schicht“ .
Ein weiterer gravierender Unterschied zur Lektüre von Literatur liegt
in der zwangsläufigen Verkürzung des Films gegenüber der
literarischen Vorlage. Buchloh sieht jedoch gerade in diesem Umstand einen
Vorteil und fragt,
„ob nicht auch die Verfilmung durch Verkürzung und Lenkung
vielleicht doch wesentliche Elemente der literarischen Aussage einprägsam
darstellt und so zumindest die Tradierung bedeutsamer literarischer Inhalte,
wenn nicht gar Gehalte, bei einer größeren Rezipientenzahl
fördert.“
Um dem Anspruch eines Literaturunterrichts zu genügen und um zu vermeiden,
daß der Unterricht zu einer „Filmvorführstunde“
verkommt, ist es jedoch wichtig, die Verfilmung genau wie es bei der Lektüre
geschehen müßte didaktisch aufzubereiten.
In diesem Zusammenhang ist auch der von Buchloh geäußerte kritische
Vorbehalt gegenüber der Nutzung von Filmen im Englischunterricht
zu sehen, der als stellvertretend für eine größere Anzahl
von Stimmen aus der Literaturdidaktik gelten kann.
„Bei der Vermittlung von Literatur im akademischen und schulischen
Unterricht darf das literarische Original nicht durch die mit scheinbar
geringeren Mühen aufzunehmende Verfilmung ersetzt werden. Der Film,
als modischer Ersatz für den „Easy Reader“ oder vorwiegend
als pädagogische Motivierung verwendet, darf nicht Prinzip des Literaturunterrichts
werden.“
Zuzustimmen ist diesem Vorbehalt hinsichtlich derjenigen Praxis, die eine
Verfilmung lediglich als „Bonbon“ am Abschluß der Lektüre
oder als „Lückenfüller“ in der Stunde vor den Ferien
einsetzt. Damit werden nicht nur vielfältige oben genannte Einsatzmöglichkeiten
eines Films verschenkt, sondern es wird auch genau jene Konsumentenhaltung
gefördert, die es zu vermeiden gilt. Will man Filme im Englischunterricht
sinnvoll einsetzen, so bereitet dies, wie Buchloh richtig bemerkt, nur
scheinbar geringere Mühe, denn die didaktischmethodische Aufbereitung,
z.B. in der Anfertigung von Standfotos, Transkripten oder Filmprotokollen
bedeutet einen nicht geringen aber lohnenswerten Vorbereitungsaufwand.
Eine wichtige Rolle bei der Arbeit mit Filmen nimmt der filmphilologische
Bereich ein:
„Die Leistungsmöglichkeiten der Filmphilologie liegen im Bereich
der detaillierten, vergleichenden Untersuchung.“
Bei dieser Vorgehensweise werden die Schülerinnen und Schüler
mit den wesentlichen filmtechnischen Mitteln und dem entsprechenden Vokabular
vertraut gemacht, lernen z.B. zu einzelnen Szenen ein Filmskript selbst
zu verfassen. Auch viele andere dokumentierte Unterrichtsversuche mit
Literaturverfilmungen gehen von einer vergleichenden Analyse aus, bei
der jeweils der Lektürevorgang der Rezeption des Films vorausgeht
. Diese Herangehensweise halte ich grundsätzlich für sehr sinnvoll
und fruchtbar.
Eine entsprechend konzipierte Unterrichtsreihe wäre für einen
Leistungskurs sicherlich ein interessantes und herausforderndes Unternehmen.
In einem solchen Zusammenhang wäre z.B. eine häusliche und damit
zeitsparende, vorbereitende Lektüre durch die Schülerinnen und
Schüler gut denkbar. Für den betreffenden Grundkurs und den
Zeitpunkt der Unterrichtseinheit schien mir diese Alternative jedoch nicht
durchführbar. Ich habe mich unter Berücksichtigung der Motivationslage
der Schüler/innen (vgl. Lerngruppenbeschreibung) und der äußeren
Umstände (zeitliche Begrenzung) für die alternative Vorgehensweise
entschieden, den literarischen Stoff anhand der Verfilmung mit den Schüler/innen
zu erarbeiten.
4.2. Zugänge zu John
Steinbecks „Of Mice and Men“
Im folgenden soll die Frage beantwortet werden, welche bedeutsamen literarischen
Inhalte und Gehalte eine Auseinandersetzung von Schülerinnen und
Schülern des 13.Jahrgang mit Steinbecks „Of Mice and Men“
als lohnenswert erscheinen lassen.
Die Geschichte von George und Lennie konfrontiert die Schüler/innen
mit zentralen Fragen menschlichen Lebens. Indem die Schüler/innen
sich auf die Erzählung einlassen, werden sie emotional mit hineingenommen
in die Welt der zwischenmenschlichen Beziehungen, die geprägt sind
von Einsamkeit und der Suche nach Geborgenheit und Sinn. Auch wenn die
fiktive Welt auf einer Ranch im Kalifornien der 30er Jahre auf den ersten
Blick von der Schülerrealität weit entfernt ist, so bietet doch
gerade der fiktiverzählende Charakter der Geschichte Identifikationsmöglichkeiten.
Ich gehe davon aus, daß die Schüler/innen die Entscheidung
Georges befürworten, Lennie in seine Obhut genommen zu haben und
daß sie gleichzeitig den Wert erkennen und antizipieren, den die
Freundschaft der beiden nicht nur für Lennie, sondern insbesondere
auch für George hat. Die Behinderung Lennies ist kein eigentlicher
Diskussionspunkt, sondern vielmehr die sich darin verkörpernde Schicksalhaftigkeit
des unvermeidlichen, tragischen Verlaufs der Geschichte. Die Frage nach
der Schuld oder Unschuld Lennies ist zu stellen, noch zentraler ist jedoch
die Frage nach der moralischen Richtigkeit des Handelns Georges. Die Konzeption
der Erzählung legt nahe, die Entscheidung Georges als richtig einzuschätzen,
dies gilt es jedoch zu hinterfragen. Die ethische Frage nach der Würde
des menschlichen Lebens wird auch in der Erschießungsszene von Candys
Hund aufgeworfen. Zwar geht es hier „nur“ um einen (ja auch
nicht irgendeinen beliebigen) Hund, aber die eindeutige Parallele zu Candy
selbst und dessen „Wertlosigkeit“ im Alter wird deutlich und
soll von den Schüler/innen herausgearbeitet werden.
Die Hoffnung und der Traum von der eigenen kleinen Farm spiegelt, auch
für die Schüler/innen antizipierbar, die Sehnsucht aller Menschen
auf ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben wider.
Ein Blick auf die anderen Charaktere der Geschichte zeigt, daß weitere
Themen angesprochen werden, über die sich ein Nachdenken lohnt: so
z.B. die Rolle von Curleys Wife, die sich nach echter Liebe sehnt und
statt dessen wie in einem Käfig gefangengehalten wird oder die Rolle
Crooks, als eines Außenseiters der Gesellschaft. Leicht nachvollziehbar
ist für die Schüler/innen die Figurenkonstellation Curley und
Lennie, in der es notwendigerweise zu einem Konflikt kommen muß.
Durch die Erarbeitung der Charaktere und ihrer Beziehungen zueinander
sollen die Schüler/innen den dramatischen Handlungsverlauf und die
zentralen Themen der Erzählung erkennen und deuten.
Eine der Hauptstärken des Films liegt darin, daß er den Schüler/innen
ermöglicht, die Gefühle der beteiligten Personen nachzuempfinden.
Ich rechne damit, daß die emotionale Beteiligung bei den Schüler/innen
sehr hoch sein wird. Gerade die filmische Umsetzung der Erzählung
macht dies möglich. Der Film bietet etliche Leerstellen, die von
den Schüler/innen gefüllt werden müssen, besonders an den
Stellen, wo der Film eben ohne Worte auskommt und allein durch die Bilder
spricht. Eine der eindrücklichsten Szenen ist hier sicherlich die,
in der George mit sich und der Entscheidung ringt, Lennie umzubringen.
Auch die Einblendung am Ende, als George im Zug sitzt und über das
Geschehene und sein Leben reflektiert, bietet sich als „Leerstelle“
an, sprachlich gefüllt zu werden. Dieses Bild korrespondiert, auch
für die Schüler/innen nachvollziehbar, mit dem Anfang des Films
und läßt so den Schüler/innen die Geschichte als ein Ganzes
erscheinen. Hier wird auch für die Schüler/innen die literarische
Qualität der Erzählung (und der filmischen Umsetzung) deutlich
und soll von diesen herausgearbeitet werden.
Wie bereits an anderer Stelle deutlich wurde, soll der Schwerpunkt der
Reihe auf der inhaltlichen Erarbeitung der Geschichte liegen. Möglich
wäre es, anhand von Zusatzmaterialien über die Zeit der Depression
in Amerika landeskundliche Aspekte der Geschichte herauszuarbeiten. Meines
Erachtens bietet sich dies allerdings durch den geschilderten dramatischen
Schwerpunkt der Erzählung nicht vorrangig an. Auch wäre es denkbar,
die Biographie Steinbecks in die Interpretation einzubeziehen, um eine
Einbindung in den zeitlichen Kontext zu erreichen. Dies soll jedoch wegen
der knapp bemessenen Zeit nur punktuell geschehen.
Auf sprachlicher Ebene stellt der Film besonders für die schwächeren
Schüler/innen aufgrund seines soziokulturellen Dialekts eine Herausforderung
dar, dem durch eine entsprechende methodische Vorgehensweise Rechnung
zu tragen ist. Vom Vokabular her bietet der Film, bis auf die umgangssprachlichen
Formulierungen, für die Schüler/innen wenig Hürden. Der
annotierte Filmtext gibt die nötige Hilfestellung. Ich rechne damit,
daß sich die Schüler/innen recht schnell in die Sprache „einhören“
werden und im Verlauf des Film zusehends weniger Verständnisprobleme
haben. Außerdem ist der Anteil des „Sehverstehens“ sehr
hoch, so daß die Schüler/innen auch in den Passagen, wo sie
nicht jedes einzelne Wort verstehen, dem Handlungsverlauf gut folgen können.
Ziel ist es, ähnlich der Zielsetzung des extensiven Lesens, daß
die Schüler/innen nicht an einzelnen, nichtverstandenen Phrasen hängenbleiben
bzw. gedanklich aussteigen, sondern ihr Verständnisinteresse auf
das Ganze legen. Die Gefahr eines „Aussteigens“ ist meines
Erachtens gering, da der spannende Handlungsverlauf die Aufmerksamkeit
der Schüler/innen in hohem Maße fördert.
Am Ende der Rezeptionsphase sollte hoffentlich die Erfahrung und damit
das Erfolgserlebnis stehen, sich einen englischsprachigen Film in seiner
Gänze sprachlich/inhaltlich erschlossen zu haben. Durch entsprechende
Überprüfungen des Hör/Sehverstehens muß dies von
mir während Rezeptionsphase des Films sichergestellt werden (vgl.
Methodische Überlegungen).
4.3. Die Ziele der Unterrichtseinheit
Kognitiver Bereich
Die Schüler/innen sollen im Verlauf der Unterrichtseinheit
die Geschichte in ihrem Handlungsverlauf (Ablauf der Ereignisse, Dialoge)
verstehen
das Beziehungsgeflecht der verschiedenen Personen der Geschichte erkennen
und deuten, sowie einzelne Figuren näher charakterisieren
die zentrale Stellung einzelner Szenen (e.g. “The killing of Candy’s
dog“) für den Gesamtzusammenhang der Erzählung erkennen
und deuten
die ethische Dimension des Konflikts von George erkennen und reflektiert
dazu Stellung beziehen
die zentralen Themen (loneliness, friendship, love, violence, work) herausarbeiten,
und sie in ihrer Komplexität erfassen und deuten
einen Gegenwartsbezug bezüglich der persönlichen und gesellschaftlichen
Relevanz der genannten Themen herstellen
landeskundliche Erkenntnisse über Lebens und Arbeitsbedingungen während
der Zeit der 30er Jahre im ländlichen Amerika gewinnen
den Film als literarisches Medium wahrnehmen
Sprachlichkommunikativer Bereich
Die Schüler/innen sollen im Verlauf der Unterrichtseinheit
ihr Hör und Sehverstehen schulen
authentische sprachliche Äußerungen (Umgangssprache / „Slang“
des amerikanischen Südens) kennenlernen und global verstehen
sich in Inhaltswiedergaben, Deutungen und Kommentaren zusammenhängend
mündlich äußern
ihren Wortschatz erweitern
sich schriftlich zu verschiedenen inhaltlichen Aspekten äußern
durchgehend in der Fremdsprache agieren und kommunizieren
sich im Gespräch aufeinander beziehen
Affektiver Bereich
Die Schüler/innen sollen im Verlauf der Unterrichtseinheit
sich emotional auf die Geschichte einlassen
ihre Emotionen artikulieren
sich in die Perspektive einzelner Personen hineinversetzen
ihr Verständnis für die Situation sozial benachteiligter Personen
erweitern, insbesondere in bezug auf den Umgang mit behinderten Menschen
Berührungsängste gegenüber authentischen Materialien abbauen
die Erfahrung machen, daß sie einen authentischen Film global verstehen
können
5. Methodische Überlegungen
5.1. Die Medien
Neben den klassischen Unterrichtsmedien Tafel und OverheadProjektor, die
größtenteils zur Ergebnissicherung, teilweise zur Impulsgebung
eingesetzt werden, sind methodische Überlegungen zum Einsatz der
Medien bzw. Materialien in erster Linie bezüglich des Einsatzes von
„Film“, „Standfotos“ und „Filmtext“
anzustellen.
Zum Einsatz des Films
Die Entscheidung, den Erzählstoff auf der Grundlage der Filmversion
zu erarbeiten, legt für die Arbeit mit dem Film das sogenannte „Intervallverfahren“
nahe. Dabei wird der Film in verschiedenen Abschnitte eingeteilt, so daß
der Inhalt sukzessiv erarbeitet werden kann. Die Alternative, den Film
zu Beginn der Unterrichtsreihe im Ganzen zu zeigen, kommt meiner Ansicht
nach, besonders im Hinblick auf die Lerngruppe und die sprachlichen Anforderungen,
die der Film stellt, nicht in Frage. Verständnisprobleme würden
zu Frustrationen besonders für die schwächeren Schüler/innen
führen. Die Form der sukzessiven Erarbeitung macht es möglich,
jeweils einzelne Szenen vor bzw. nachzubereiten. Gleichzeitig können
dadurch auch verschiedene methodische Herangehensweisen ausprobiert werden.
Eine Gefahr des sukzessiven Verfahrens liegt in der Aufteilung des Films
in verschiedene Abschnitte. Dies kann zu einer Zersplitterung des Films
führen und dadurch den Sehgenuß einschränken, der ja gerade
das Charakteristikum des Films ist. Auch die unterrichtlich bedingte Unterbrechung,
durch die zwischen den einzelnen Filmsequenzen Tage liegen, ist zu bedenken.
Am besten kann dem dadurch begegnet werden, daß die jeweiligen Passagen
nicht zu kurz gewählt sind und sich die Arbeit mit dem Film nicht
auf einen zu langen Zeitraum erstreckt. Die Kurzweiligkeit des Films sollte
unbedingt erhalten bleiben, damit er nicht zu stark instrumentalisiert
wird. Für die Unterteilung des Films bieten sich verschiedene sinnvolle
Einschnitte an, die hier nicht im Einzelnen erläutert werden sollen
(vgl. die Darstellung der einzelnen Stunden).
Da die inhaltliche Erarbeitung im Mittelpunkt stehen soll, habe ich mich
entschieden, den Film schwerpunktmäßig als „Informationstext“
einzusetzen, der ein Sprechen über den Film zum Ziel hat und nicht
als „Instrumentaltext“, mit dem vorrangig ein sprachliches
Lernen intendiert wäre . Mit dem Einsatz des Videogeräts böten
sich zwar verschiedene methodische Arbeitweisen an , jedoch habe ich im
Hinblick auf die zeitliche Begrenzung entschieden, z.B. auf die Wiederholung
einzelner Szenen zu verzichten und statt dessen mit Standfotos und dem
Filmtext zu arbeiten.
Die Standfotos
Im Anschluß an die Rezeption der einzelnen Filmsequenzen geht es
zunächst darum, den Schüler/innen Raum zu geben, sich zu zentralen
Aspekten des Gesehenen zu äußern. Da, wie oben bereits erwähnt
wurde, während der Vorführphase kein Gespräch möglich
ist, besteht die Gefahr, daß möglicherweise viele Gedanken,
die sich die Schüler/innen während des Films machen, ungesagt
bleiben. Durch die Standfotos haben die Schüler/innen die Möglichkeit,
den Inhalt und Fortgang des Films zu rekapitulieren. Ich habe mich entschieden,
den Schüler/innen auf diese Weise eine Art „Filmdokumentation“
mit einer entsprechenden Auswahl an Bildern an die Hand zu geben . Im
Verlauf des Gesprächs und der inhaltlichen Erarbeitung kann so jederzeit
auf die zentralen Passagen Bezug genommen werden. Es sind verschiedene
methodische Zugangsweisen möglich, die Fotos im Unterricht einzusetzen,
z.B. indem die Schüler/innen den Bildern die entsprechenden Textpassagen
des Filmtextes zuordnen (vgl. 2.Stunde) oder indem sie einzelne Bilder
in ihren inhaltlichen Kontext einordnen. Auch Stimmungen des Films lassen
sich anhand der Bilder nachempfinden (vgl. 4.Stunde). Einzelne Fotos ermöglichen
die Fokussierung auf Leerstellen und laden dazu ein, diese zu füllen
(vgl. die Hausaufgabe zur 9.Stunde) .
Der „Filmtext“
Beim „Filmtext“ handelt es sich um die Zusammenstellung der
Dialoge des Films. Nur ganz vereinzelt sind von mir an Stellen, an denen
mir dies für ein Verständnis des Zusammenhangs notwendig erschien,
kurze Überleitungen eingefügt worden. Für die Erstellung
lag mir ein Ausdruck der englischsprachigen Untertitel des Films vor .
Meine Bearbeitung umfaßt die Zuordnung der Dialogpassagen zu den
einzelnen Sprechern, bei Ungenauigkeiten in der Textwiedergabe teilweise
eine Korrektur und Anpassung an das tatsächlich Gesagte und die Einfügung
bzw. Überarbeitung der Interpunktion. Um analog zum Film mit dem
Text arbeiten zu können, habe ich diesen entsprechend der Szenen
des Films in Abschnitte unterteilt und mit Überschriften versehen.
Diese sind im Wesentlich deskriptiv auf den Inhalt der jeweiligen Szenen
bezogen . Weiterhin habe ich den Text mit Vokabelhilfen annotiert, um
ein flüssiges Lesen für die Schüler/innen zu ermöglichen.
Da es sich bei dem Filmtext nicht um ein eigenständiges literarisches
Medium handelt , ist seine Funktion eher als Hilfestellung zur sprachlichen
und inhaltlichen Erschließung definiert. Durch den Einsatz des Filmtextes
ist es möglich, zentrale Textpassagen zu erarbeiten und Aussagen
des Films am schriftlichen Text zu fokussieren, ohne nur auf das flüchtige,
gesprochene Wort angewiesen zu sein.
Der Einsatz des Filmtextes soll verschiedene Funktionen erfüllen.
So dient er als sprachliche Unterstützung, indem die schwächeren
Schüler/innen parallel zum Film den Text mitlesen können. Dies
soll eine Frustration verhindern, da die Schüler/innen bei der ersten
längeren Filmpassage womöglich dem gesprochenen Text gar nicht
folgen können. Diese Einsatzmöglichkeit des Filmtextes soll
allerdings möglichst gering gehalten werden, da natürlich das
Sehvergnügen eingeschränkt wird, wenn die Schüler/innen
anstatt den Film mitzuverfolgen zu stark am Text ‚kleben‘
und vom eigentlichen Geschehen abgelenkt sind. Im weiteren wird der Filmtext
zum Teil zur Unterrichtsvorbereitung eingesetzt, indem die Schüler/innen
die Szenen, die in der Stunde Unterrichtsgegenstand sind, zu Hause vorbereiten.
Dies hat im wesentlichen die Funktion der sprachlichen Vorentlastung,
wird aber teilweise auch zur inhaltlichen Vorbereitung genutzt (vgl. 3.Stunde).
An anderen Stellen halte ich es für sinnvoll, den Schüler/innen
den Filmtext erst nach der Rezeption des jeweiligen Filmabschnitts zur
Verfügung zu stellen, um das Spannungsmoment des Films nicht vorwegzunehmen
(vgl. die Szenen „The killing of Candy‘ dog“, „The
Fight“ und die Schlußszene).
5.2. Hausaufgaben
Bereits an den Bemerkungen zur Lerngruppe (vgl. 2.1.) läßt
sich ablesen, daß mit der Bereitschaft zu einer intensiven häuslichen
Vorbereitung bei einer größeren Zahl der Schüler/innen
des Kurses nicht zu rechnen ist. Dies hat auch die Erfahrung aus dem letzten
Kurshalbjahr gezeigt. Ein Teil der Schüler/innen arbeitet aber in
der Vor und Nachbereitung des Unterrichts recht kontinuierlich mit, was
insbesondere auch für einige stillere Schüler/innen, wie z.B.
Silke, Tanja oder Andrea W., zutrifft. Ich ziehe daraus die Konsequenz,
den Unterricht möglichst so zu gestalten, daß die Schüler/innen,
die sich Zuhause vorbereiten, ihre Ergebnisse gut in den Unterricht einbringen
können. Andererseits werde ich vermeiden, daß der Verlauf einer
Stunde zu stark von der Quantität der gemachten Hausaufgaben abhängt.
In dieser Hinsicht ist es meines Erachtens ein Vorteil des Films im Vergleich
zur Lektüre, daß immer alle Schüler/innen jeweils auf
dem gleichen Stand sind .
Eine Klausur zum Abschluß der Reihe habe ich nicht geplant, da sich
der festgelegte Klausurtermin nicht unmittelbar an die Unterrichtsreihe
anschloß. Es wäre denkbar gewesen, z.B. einen Auszug aus einer
Filmkritik für eine Klausur bearbeiten zu lassen, oder die Schüler/innen
einen anderen, inhaltlich ähnlich gelagerten literarischen Stoff,
z.B. in Form einer Kurzgeschichte mit dem Stoff des Films vergleichen
zu lassen. Statt dessen habe ich zwei ausführlichere schriftliche
Hausaufgaben eingeplant, die sich an die Filmrezeption anschließen
und eine Abschlußevaluation, die eine Filmkritik beinhaltet.
5.3. Sozial und Aktionsformen
Hauptaktionsform innerhalb der Unterrichtsreihe wird das textverarbeitende
Lerngespräch sein. Als „Text“ ist dabei nicht allein
der schriftlich vorliegende Text zu verstehen, sondern jede sprachliche
Äußerung in Wort und Bild. Da die Förderung der Kommunikationsfähigkeit
der Schüler/innen oberstes Lernziel des Fremdsprachenunterrichtes
ist, besteht meine Aufgabe als Lehrkraft in erster Linie darin, entsprechende
Sprechanlässe zu initiieren bzw. provozieren. Da der Film das Medium
der Unterrichtsreihe ist, sehe ich während der Rezeptionsphase meine
Hauptaufgabe darin, in Vor und Nachbereitung der einzelnen Filmsequenzen
die Schüler/innen durch angemessene Impulse zum Sprechen über
das Gesehene und Gehörte zu motivieren. In der Vertiefungsphase im
Anschluß an den Film liegt der Schwerpunkt in der Ordnung, Verknüpfung
und Akzentuierung verschiedener inhaltlich zentraler Aspekte im Unterrichtsgespräch.
Auch ein von den Schüler/innen zu leistender Transfer muß von
mir mit geeigneten Impulsen angeregt werden. Als Unterstützung sollen
zum einen zusätzliche Materialien (Zitat von Steinbeck und Filmkritik)
eingesetzt werden, zum anderen ist eine Phase des Partnergesprächs
vorgesehen, die durch ein entsprechendes Arbeitsblatt initiiert werden
soll . Als weitere methodische Variation soll eine Art mindmap mit den
von den Schüler/innen als zentrale Themen erarbeiteten “keywords“
zur Anregung für ein vertiefendes Unterrichtsgespräch dienen
.
5.4. Überblick über die geplante Unterrichtsreihe
Aus der Gesamtheit der didaktischen und methodischen Überlegungen
ergibt sich für die Planung der Unterrichtsreihe ein Ablauf, in dem
für die Erarbeitung des Films sieben, für die anschließende
Nachbereitung vier Unterrichtsstunden vorgesehen sind. In der Nachbereitungsphase
können sich möglicherweise durch die Schwerpunktsetzung der
Schüler/innen Verschiebungen ergeben. Im Überblick stellt sich
die geplante Reihe wie folgt dar:
1.Stunde: Einstieg in den Film “Of Mice and Men”2.Stunde:
Die Beziehung zwischen George und Lennie3.Stunde: Charakterisierung der
Hauptpersonen4.Stunde: “The killing of Candy’s dog“5.Stunde:
“The dream of the little farm“6.Stunde: “Lennie and
Crooks“ / “The Fight“7.Stunde: “Fatal Encounter
in the Barn“ / “The Final Meeting between George and Lennie“8.Stunde:
Reflexionen über den Film9.Stunde: Georges moralisches Dilemma –
ethische Fragestellungen10.Stunde: Diskussion und Interpretation der “Themes“11.Stunde:
Inhaltliche und filmkritische Schlußbetrachtung
6. Die Durchführung der Unterrichtsreihe
6.1. Erläuterung zur Darstellung der Unterrichtsreihe
Im folgenden Teil werden die einzelnen Stunden der Unterrichtsreihe in
ihrem tatsächlichen Ablauf chronologisch dargestellt. Dabei folgt
der Nennung des Stundenthemas zunächst eine Skizzierung der jeweiligen
Lernziele. Anschließend werden unter der Rubrik ‚Geplanter
Verlauf‘ knapp die vorgesehenen Unterrichtsschritte formuliert.
Unter der Überschrift ‚Tatsächlicher Verlauf‘ folgt
zum einen die Darlegung des jeweiligen Unterrichtsablaufs, zum anderen
werden an dieser Stelle einzelne, für die Stunde wichtige Aspekte
bereits kritisch reflektiert.
Als eine der detailliert dargestellten Stunden habe ich die Einstiegsstunde
ausgewählt. Sie hat einen besonderen Stellenwert, da sie für
die Motivation der Schüler/innen eine zentrale Rolle spielt.
Als zweite detaillierter dargestellte Stunde habe ich die achte Stunde
ausgewählt, die deshalb einen besonderen Stellenwert im Verlauf der
Unterrichtsreihe hat, da sie sich direkt an das Ende der Filmrezeption
anschließt und den Auftakt für die Vertiefungsphase bildet.
Sie ist durch verschiedene Faktoren bedingt etwas anders als geplant verlaufen,
was allerdings für mich als Unterrichtende einen entsprechenden Lerneffekt
mit sich brachte.
Während die erste und zweite Stunde getrennt dargelegt werden, sollen
die weiteren Doppelstunden im Zusammenhang besprochen werden, da sie in
ihrem Ablauf stellenweise ineinandergreifen.
6.2. Ausführliche Darstellung der 1.Stunde: Einstieg in den
Film „Of Mice and Men“
Zum Vorhaben
Nach H. Meyer soll der Einstieg in eine Unterrichtseinheit den Schüler/innen
einen Orientierungsrahmen vermitteln, an das Vorverständnis der Schüler/innen
anknüpfen und in die zentralen Aspekte des Themas einführen.
Gleichzeitig ist der Einstieg, wie bereits erwähnt, zentral für
den Aufbau der Schülermotivation. Gelingt ein guter Einstieg, so
ist bei den Schüler/innen eine Erwartungshaltung und Neugier auf
den weiteren Verlauf der Reihe geweckt.
Ein Orientierungsrahmen wird den Schüler/innen dadurch vermittelt,
daß sie erfahren, daß im Verlauf der nächsten Stunden
die Arbeit mit dem Film, d.h. die schrittweise inhaltliche Erarbeitung
im Mittelpunkt stehen wird. An das Vorverständnis möchte ich
dadurch anknüpfen, daß die Schüler/innen anhand eines
Bildimpulses (siehe Anhang) erste Überlegungen über das setting
(America, beginning of the century, 1930ies) und mögliche inhaltliche
Aspekte (friendship, life and work on a ranch) anstellen. Dies soll unter
den Stichworten Where? When? What? Who? an der Tafel festgehalten werden.
Ich rechne damit, daß dies den Schüler/innen wenig Probleme
machen wird und damit ein erster inhaltlicher Orientierungsrahmen gesteckt
ist.
Ein weiterer Schritt ist dann der erste Zugang zum Film. Hier habe ich
den Einstieg über eine Hörverstehensübung gewählt,
bei der ich mir den gut inszenierten Anfang des Films zunutze mache. Zentral
ist vor allen Dingen das Spannungsmoment der Verfolgungsszene, die Vielfältigkeit
der Geräusche, untermalt mit der entsprechenden Musik. Der Schwierigkeitsgrad
dieser Hörübung ist, denke ich, angemessen, da nicht zu viele
Dialogpassagen vorkommen, die den Schüler/innen sprachliche Probleme
bereiten könnten. Die Schüler/innen notieren während des
Zuhörens ihre Eindrücke auf einem vorbereiteten Arbeitsblatt
und sollen diese im Anschluß äußern. Anschließend
folgt die Präsentation des Filmanfangs, bei dem die Schüler/innen
nun ihre Höreindrücke durch das Gesehene überprüfen
und ergänzen sollen.
Der Filmanfang führt die Schüler/innen mitten ins Geschehen
des Films hinein. Fragen werden aufgeworfen, die im Verlauf des Films
beantwortet werden sollen, wie z.B. Warum müssen die beiden fliehen?
Wer ist die Frau? Warum ist George so nachdenklich? Was wird als nächstes
geschehen? Auch ein erster Zugriff auf die Beziehungskonstellation George
– Lennie ist in dieser Eingangsszene möglich und bereitet so
den Schwerpunkt der Folgestunde vor.
Stundenziele
Aus den dargestellten didaktischmethodischen Vorüberlegungen ergeben
sich folgende Lernziele für die Stunde: Die Schüler/innen sollen
erste Erkenntnisse über das setting und mögliche Inhalte des
Films gewinnen
sich emotional auf den Film einstellen
ihr Hörverständnis schulen
anhand des Gehörten Spekulationen über den Handlungsverlauf
der ersten Szene
anstellen
anhand ihrer Seheindrücke das Gehörte überprüfen und
versprachlichen
einzelne Bildeinstellungen (Nahaufnahme George, Frau im roten Kleid) ansatzweise
inhaltlich deuten
sich anhand von Spekulationen über den weiteren Verlauf der Geschichte
gedanklich in
die Hauptpersonen hineinversetzen
Geplanter Verlauf
Ankündigung des Unterrichtsvorhabens. Einstieg über Präsentation
des Bildimpulses (Farbfolie, OHP), Überlegungen und Ideen zu setting
und Inhalt des Films (Tafel). Erstzugang zum Film über Hörverstehensübung
der ersten fünf Minuten des Films. Sammeln der Höreindrücke.
Sehen des Filmausschnitts. Sammeln der Seheindrücke. Interpretation
der Szene.
Tatsächlicher Verlauf
Bei der Ankündigung des Unterrichtsvorhabens stellte sich heraus,
daß zwei Schüler den Film kannten. Dieses hatte nicht nur für
mich, sondern auch für die anderen Schüler/innen einen motivierenden
Aspekt, da beide Schüler sich freudig zustimmend zur Auswahl des
Films äußerten. Gleichzeitig wies ich die beiden Schüler
darauf hin, den Inhalt des Films vorerst für sich zu behalten, da
sonst den anderen etwas vorweggenommen würde.
Der Bildimpuls zum Einstieg in das Thema erwies sich als ergiebig genug,
um einen Erwartungshorizont für die Schüler/innen aufzubauen.
Auf meinen Einstiegsimpuls When you look at the pictures – what
are your first ideas? haben die Schüler/innen, bezugnehmend auf die
an der Tafel notierten Fragewörter Where? When? What? Who?, als erstes
recht schnell die zeitliche und örtliche Einordnung vornehmen können.
Ersten Äußerungen zum Inhalt wie It’s about two men who
are looking for work folgten Ideen wie Maybe they want to find their way
back into society, maybe they have been in prison oder Maybe it’s
about the American Dream, maybe a criticism of the American Dream. Einer
der Schüler erinnerte sich, daß in einem anderen Unterrichtszusammenhang
der Inhalt der Erzählung kurz angesprochen wurde und daß eine
der beiden Hauptpersonen a retarded person sei. Ich verwies daraufhin
nochmals auf das Foto der beiden, und die Schüler/innen stellten
heraus, daß der eine der beiden helpless, der andere dagegen handsome
und clever wirke. Weitere Ideen wurden geäußert wie Perhaps
they want to make a new beginning, maybe they had a bad past oder They
don’t look very rich, maybe they are outcasts of society. Eine weitere
Schüleräußerung bezog sich auf die Beziehung der beiden:
Maybe they are lonely and need each other, the right one spends his time
with the other, the handicapped one. Diesen Aspekt griff ich in einer
Tafelnotiz auf und nahm ihn gleichzeitig zum Anlaß diese erste Sammelphase
abzubrechen. Ich hatte den Eindruck, daß das Spektrum an Äußerungen
für den ersten Zugriff auf das Thema ausreichte.
Im Rückblick auf diese Unterrichtsphase, wäre es, um eine größere
sprachliche Variation der Schüleräußerungen zu unterstützen,
hilfreich gewesen, den Schüler/innen zu Beginn einige phrases vorzugeben
und an der Tafel zu notieren, wie zum Beispiel (...) makes me think of
... / When I look at (...) I get the idea that ... / It might be possible
that ... . Daß es sich bei den Schüleräußerungen
eher um eine Aneinanderreihung von Ideen handelte und weniger um ein echtes
Gespräch, war durch den Bildimpuls vorgegeben und auch so intendiert.
Insgesamt hat diese erste Phase ihre Zielsetzung erfüllt, für
die Schüler/innen einen Orientierungsrahmen zu schaffen.
Die zweite Unterrichtsphase leitete ich dadurch ein, daß ich den
Schüler/innen mitteilte, daß sie nun die ersten fünf Minuten
des Films hören würden. Ich verteilte das Arbeitsblatt und forderte
die Schüler/innen auf, sich während des Hörens Notizen
zu machen. Während der Hörphase waren alle Schüler/innen
ausgesprochen aufmerksam und machten eifrig Notizen. Es herrschte eine
gespannte Atmosphäre. Mit der Frage What did you hear? setzte ich
am Ende der Hörphase nur einen kurzen, offenen Impuls, auf den hin
sich gleich mehrere, darunter auch einige sehr schwache Schüler/innen
wie Silke und Tanja, zu Wort meldeten. Diese ließ ich als erste
zu Wort kommen. Im wesentlichen antizipierten die Schüler/innen durch
die Hörübung das Handlungsgeschehen: at the beginning there
is a train, a woman is crying, she is running away, you could hear men,
one person is following another, dogs are barking, there must be two people
because they are talking to each other, it is a hunt, they try to escape
by jumping into the water so that the dogs can’t smell them, there
are also horses, they manage to get on a train, then the train stops in
a town. Die Musik wurde einerseits als slow, andererseits als dramatic
eingestuft, was mir als erster Zugriff als ausreichend erschien. Ich schloß
dann relativ zügig die nächste Phase an und eröffnete den
Schüler/innen, daß sie nun anhand der Filmszene ihre Höreindrücke
überprüfen könnten. Ich wies kurz darauf hin, daß
im Film der gehörten Szene noch die Credits vorausgehen würden,
die ich ihnen nicht vorenthalten wollte. Ich forderte die Schüler/innen
auch hier auf, sich Notizen zu machen.
Die anschließende Gesprächsphase leitete ich mit der Frage
ein What additional information did you get from the film?. Die Schüler/innen
bezogen sich zuerst auf George und die flashbackSituation. Ich ließ
zunächst alle Schüler/innen zu Wort kommen, die sich gemeldet
hatten. He looks thoughtful äußerte ein Schüler. Ein weiterer
Schüler fand You can see very good (L: well) how helpless Lennie
is and that George is like a father to him. Es folgten noch Beobachtungen,
wie The woman is running away, her clothes are torn oder I think the handicapped
one looks older than the other one. Die kurze Unterhaltung zwischen George
und Lennie im Zug griffen die Schüler/innen auf: They want to go
away and don’t know where they want to go.
Ein anderer Schüler bemerkte: In the ending scene George looks at
Lennie and doesn’t know what to do with him, because it is Lennie
why they had to run away.
Weil sich hier die Stunde dem Ende neigte, nahm ich diese Äußerung
zum Anlaß, festzuhalten, daß zu diesem Zeitpunkt noch unklar
bliebe, was im Zusammenhang mit der Frau geschehen sei und was der Anlaß
für Georges Nachdenklichkeit sei, daß dies aber im Verlauf
des Films deutlich würde. Ich verteilte noch das erste Blatt mit
den Fotos an die Schüler/innen sowie den ersten Teil des Filmtextes
, der die Filmszenen einschloß, die Gegenstand der folgenden Stunde,
der zweiten Hälfte der Doppelstunde, werden sollten.
In der Reflexion auf die Stunde kann ich sagen, daß der Einstieg
insgesamt gelungen ist. Besonders die methodische Entscheidung, den Schüler/innen
den Filmanfang zuerst über eine Hörverstehensübung zu präsentieren,
hat, meiner Meinung nach, die Einstimmung auf den Film gefördert.
Sie hat in guter Weise die Konzentration der Schüler/innen gebündelt
und die Aufmerksamkeit auf den Film gelenkt. Die Beteiligung der Schüler/innen
war insgesamt recht hoch, wenngleich das Unterrichtsgespräch insgesamt
eher an der Oberfläche blieb, was jedoch im Unterrichtsgegenstand
mit begründet lag. Bei nochmaliger Durchführung würde ich
den Filmausschnitt etwas verkürzen und die Szene „In Town“
aus der ersten Sequenz herausnehmen. Zwar ist damit für den Höreindruck
ein Ortswechsel bzw. weiterer Hörimpuls verbunden gewesen und die
kurze Szene bildet quasi die Überleitung zum weiteren Handlungsverlauf,
jedoch wird dadurch die Abgeschlossenheit der ersten Szene (eingerahmt
von jeweils der Nahaufnahme Georges) aufgebrochen. Inhaltlich hätte
sich eher die Frage anschließen können, was wohl als nächstes
passieren wird. Auch wäre es eine Überlegung, die Konzeption
der ersten Szene (Rückblende, Blick auf die Zukunft) mit den Schüler/innen
deutlicher herauszuarbeiten. Dies wäre z.B. durch eine andere Auswahl
an Fotos möglich gewesen, ohne daß damit unbedingt der Schwerpunkt
auf dem Einsatz filmtechnischer Mittel hätte liegen müssen.
So wurden die Fotos der ersten Szene den Schüler/innen am Ende der
Stunde quasi als Dokumentation an die Hand gegeben, kamen aber nicht weiter
zum Einsatz.
Tafelbild der 1.Stunde:
John Steinbeck: “Of Mice and Men“Where? America, ranch, Western?When?
beginning of the century, ~19201930What? about men, looking for work,
work on a ranch, „The American Dream“ > criticism?Who?
Lennie George a retarded person handsome lonely? handicapped clever they
need each other helpless like a father
2. Stunde: Die Beziehung zwischen George und Lennie
Stundenziele
Die Schüler/innen sollen
den Filmausschnitt sprachlich und inhaltlich verstehen
anhand der Fotos den Inhalt rekapitulieren, indem sie den Fotos die entsprechenden
Textstellen zuordnen
den besonderen Charakter der Beziehung zwischen George und Lennie erkennen
und beschreiben
ihren Wortschatz erweitern (z.B. durch idioms wie “I was only fooling”,
“you keep me in hot water all the time”)
in der Fremdsprache kommunizieren
Geplanter Verlauf
Filmszenen 35 (~12 Min.). Einzelarbeit: Zuordnung der Textpassagen zu
den Standfotos. Herausarbeiten der Beziehung zwischen George und Lennie
(UG/ Tafel).
Tatsächlicher Verlauf
Am Anfang der Stunde lenkte ich das Augenmerk der Schüler/innen darauf,
daß wir in der folgenden Filmszene einiges über die Beziehung
zwischen George und Lennie erfahren würden und daß dies anschließend
Gegenstand des Unterrichtsgesprächs sein sollte. Gleichzeitig forderte
ich die Schüler/innen auf, dem Film so zu folgen, daß sie möglichst
wenig in den Text schauen sollten. Es sei nicht notwendig, jedes einzelne
Wort zu verstehen. Im Verlauf der Filmszene war es so, daß die stärkeren
Schüler/innen teilweise den Text gleich zur Seite gelegt hatten,
ein Großteil der schwächeren Schüler/innen schaute häufiger
in den Text. Für eine intensive Filmrezeption ist diese Vorgehensweise
natürlich hinderlich, ich hielt es aber für wichtiger, den schwächeren
Schüler/innen damit ein Gefühl der Sicherheit zu geben, dem
sprachlichen Geschehen des Filmes folgen zu können. Im Anschluß
versicherte ich mich durch die Frage How did you manage to understand
their language?, ob die Schüler/innen dem Film folgen konnten. Die
Schüler/innen bestätigten dies durch Kopfnicken und Aussagen
wie Quite all right. Bevor wir im Plenum über die Szenen und die
Beziehung zwischen George und Lennie reden würden, sollten die Schüler/innen
zuerst in einer Arbeitsphase den Inhalt rekapitulieren, indem sie den
Standfotos die entsprechenden Textpassagen zuordnen sollten. Hier machte
ich leider den Fehler, daß ich den Schüler/innen freistellte,
den jeweiligen Fotos ein Zitat aus dem Text zuzuordnen oder in einem Satz
die Aussage des Bildes zusammenzufassen. Dieser doppelte Arbeitsauftrag
hatte zur Folge, daß zum einen die Schüler/innen, die Zitate
auswählten schneller fertig waren, als die anderen Schüler/innen.
Zum anderen stellte ich beim Herumgehen fest, daß einige Schüler/innen
bei der inhaltlichen Zusammenfassung weniger intensiv in den Text schauten
und sich mehr an ihrer Erinnerung aus dem Film orientierten. Insgesamt
war außerdem die Zahl der Bilder zu groß, so daß die
Arbeitsphase mehr Zeit beanspruchte, als ich dafür vorgesehen hatte.
Dies hätte relativ gut dadurch gelöst werden können, daß
die Schüler/innen die Fotos arbeitsteilig hätten bearbeiten
können. Ich würde beim nächsten Mal auf jeden Fall den
Arbeitsauftrag auf das Zuordnen der Zitate beschränken, da dies auch
für das anschließende Gespräch bessere Anknüpfungspunkte
bietet, wenn Schüler/innen sich z.B. für verschiedene Zitate
entschieden haben. In der anschließenden Gesprächsphase schafften
wir es zwar die Fotos alle anzusprechen, zu einer Vertiefung, was in den
Gesprächen der beiden über ihre Beziehung zueinander abzulesen
ist, kam es in dieser Stunde jedoch aufgrund von Zeitmangel nicht mehr.
Ich entschied mich, mit diesem Aspekt in der nächsten Stunde einzusteigen.
Als Hausaufgabe sollten die Schüler/innen die nächste Textpassage
vorbereiten und anhand eines Arbeitsblattes Stichworte zu einer ersten
Charakterisierung der weiteren Personen der Erzählung notieren .
3. und 4. Stunde: Charakterisierung der Hauptpersonen / “The killing
of Candy’s dog“
Stundenziele
Die Schüler/innen sollen
die Beziehung George Lennie charakterisieren (Überhang aus der letzten
Stunde)
ihre Eindrücke über die weiteren Hauptpersonen antizipieren
ihre Vermutungen anhand des Filmausschnitts überprüfen
den Aspekt des “foreshadowing“ bezüglich der Figurenkonstellation
LennieCurleyCurley’s Wife erfassen
den Inhalt der Filmszenen 911 global erfassen und wiedergeben
sich emotional auf die Szene 12 (“The killing of Candy’s dog“)
einlassen und nach dem Sehen ihre Gedanken und Gefühle versprachlichen
die ethischen Implikationen der Szene erkennen und reflektieren
durch einen Vergleich der Filmszene (anhand der Standfotos) mit dem entsprechenden
Ausschnitt aus dem Buch die jeweilige literarische Qualität der Medien
erkennen und herausstellen
Geplanter Verlauf
Einstieg über zwei Zitate von George und Lennie (OHP). Charakterisierung
der Beziehung der beiden. Antizipation über die weiteren Hauptpersonen
und Charakterisierung in Stichworten (Tafel). Filmszenen 68 (~12 Min.).
Überprüfung der Hypothesen. Problematisierung der Figurenkonstellation.
Filmszenen 911 (~11 Min.). Inhaltliche Zusammenfassung des Gesehenen.
Filmszene 12 „The killing of Candy’s Dog“ (~6 Min.).
Stillarbeitsphase. Emotionale Verarbeitung und Versprachlichung der Seheindrücke.
Vergleich der Filmszene mit dem Buchauszug.
Tatsächlicher Verlauf
Der Einstieg in die erste Hälfte der Doppelstunde erwies sich als
fruchtbar. Anhand der beiden ausgewählten Zitate von George: If I
was alone I could live so easy. und Lennie: If you don’t want me,
I’ll go off in them hills and find a cave. haben die Schüler/innen
recht gut den speziellen Charakter der Beziehung von George und Lennie
herausgearbeitet. Die Schüleräußerungen habe ich auf Overheadfolie
mitprotokolliert. Sie spiegeln den Verlauf des Gesprächs wider und
sind auf diese Weise als Ergebnis festgehalten:
Overheadfolie
George: “If I was alone I could live so easy.“Lennie: “If
you don’t want me, I’ll go off in them hills and find a cave.“How
would you describe the relationship between George and Lennie? Lennie
is a burden to George George takes care of Lennie / George cares for Lennie
They love each other they build a „family“ together Lennie
wouldn’t survive on his own, depends on George George would be lonely
without Lennie Lennie gives him the feeling that he’s important
like a big brother they have a perspective, a future together
Im nachhinein hätte sich im Anschluß an diese Unterrichtsphase
eventuell ein kurzer Exkurs angeboten, in dem anhand der Formulierungen.
[...] I could live so *easy und [...] go off in *them hills die umgangssprachliche
Redeweise hätte thematisiert werden können. Beim Leistungsniveau
des Kurses kann nicht vorausgesetzt werden, daß die Schüler/innen
im ersten Fall die sprachliche Unkorrektheit erkannt haben, während
dies im zweiten Fall deutlich ersichtlich ist. Eine solche Kognitivierung
gleich zu Beginn der Filmrezeption hätte das Augenmerk der Schüler/innen
deutlicher auf die sprachliche Gestaltung der Filmdialoge gerichtet.
Mit dem Verlauf der folgenden Unterrichtsphase, in der die Schüler/innen
anhand des vorbereiteten Filmtextes eine erste Charakterisierung der weiteren
Personen vornehmen sollten, war ich insgesamt zufrieden. Die Beteiligung
am Unterrichtsgespräch war gut, wobei besonders die mündliche
Mitarbeit von Demir, Matze, Andrea G. und Patrick hervorzuheben ist. Mit
der Charakterisierung Curleys als troublemaker ging die Vermutung einher,
daß es hier im weiteren Verlauf zu Schwierigkeiten kommen könnte.
Ein Diskussionspunkt war die Frage, ob die Bezeichnung von Curley's Wife
als rattrap dahingehend ausgeweitet werden dürfe, sie als tart zu
bezeichnen. Ein sprachlicher Zuwachs hat für die Schüler/innen
in bezug auf beschreibende Adjektive stattgefunden (indifferent, superior,
bossy, openminded), der von mir vielleicht noch etwas stärker hätte
akzentuiert werden können.
Im Anschluß an diese Antizipationsphase reichte die verbleibende
Zeit der Stunde nicht mehr aus, die gesamte besprochene Filmszene anzuschauen.
Ich unterbrach den Film nach Szene 6, um dann nach der kleinen Pause mit
einem Szenenwechsel einsetzen zu können.
Tafelbild der 3.Stunde:
Candy: helpful, tolerant, sympatheticBoss: white man, hard, strict, not
fair?, indifferentCurley: troublemaker, prejudiced against big/tall men
feels superior, bossy, a boxer, the boss’s sonCurley’s Wife:
pretty, “dangerous“, gets men into trouble, a rattrap, tart?
suppressed by her husbandSlim: teamleader, sympathetic, openminded, a
lonerCarlson: heartless
Zu Beginn der 4. Unterrichtsstunde zeigte ich Filmszene 7, in der erst
Curley und Curley’s Wife in das Geschehen eintreten. Ich unterbrach
hier mit der Bildeinstellung von Lennie und seiner Äußerung
I don’t like this place. Die Schüler/innen arbeiteten daran
indirekt den Aspekt des “foreshadowing“ heraus, indem sie
die potentielle und wahrscheinliche Verwicklung Lennies in das weitere
Geschehen antizipierten. Dies wurde auch an der Äußerung Georges
If you get in any trouble, you remember what I told you? festgemacht.
Hier wäre auch der sinnvolle Ort gewesen, den Anfangsimpuls aufzugreifen,
nämlich ob nach Meinung der Schüler/innen die Darstellung der
Charaktere gut getroffen sei und ob die Personen ihren vorher geäußerten
Vorstellungen entsprächen. Leider habe ich im Blick auf den Schwerpunkt
der zweiten Stunde („The killing of Candy’s dog“) im
weiteren Verlauf diesen ursprünglich geplanten Punkt weggelassen
und bin bereits an dieser Stelle zur nächsten Filmsequenz, die die
Szenen 811 (~12 Min.) umfaßte, übergegangen.
Das Gespräch im Anschluß beinhaltete nur eine kurze inhaltliche
Rekapitulation, was mir jedoch angemessen erschien, da die Szenen im großen
und ganzen für sich sprechen und sich – bis auf die Begegnung
zwischen George und Curley’s Wife – weniger stark als Gesprächsanlaß
anbieten. Anders die folgende Szene (~6 Min.), die sich um die Erschießung
von Candys Hund dreht. Der Arbeitsauftrag Write down your feelings and
thoughts after you have watched the scene. erwies sich als gut und hilfreich,
um die hohe emotionale Anteilnahme am Geschehen zu versprachlichen. So
äußerten die Schüler/innen ihr Mitgefühl mit Candy
und betonten die Stellung, die der Hund für Candy habe (Familienersatz,
Freund). Für den Hund sei es besser, meinten die Schüler/innen,
allerdings sei die Entscheidung a rational decision, on a ranch you must
be healthy and strong. Hier hätte die Möglichkeit bestanden,
das Geschehen des Films auf die Gegenwart zu beziehen und die Richtigkeit
dieser „rationalen Entscheidung“ unter ethischen Gesichtspunkten
zu diskutieren. Aufgrund von Zeitmangel kam es an dieser Stelle nicht
zu einer Vertiefung. Es folgte noch ein guter Schülerbeitrag, der
die Parallele zwischen Candy und seinem Hund auf der einen Seite und George
und Lennie auf der anderen Seite herausstellte.
Den geplanten Vergleich zwischen der Filmszene und dem Auszug aus der
Buchfassung verlegte ich in die Hausaufgabe und fokussierte ihn auf die
Aufgabenstellung: Compare how Candy’s sadness is expressed in the
film and in the novel version .
5. Stunde: “The dream of the little
farm“
Stundenziele
Die Schüler/innen sollen
durch einen Vergleich der Szene “The killing of Candy’s dog“
anhand der Standfotos und dem entsprechenden Ausschnitt aus dem Buch die
jeweilige literarische Qualität der Medien erkennen und herausstellen
sich im Hörverstehen üben, indem sie den Inhalt des Gesprächs
zwischen George und Slim wiedergeben (“The life story of George
and Lennie“)
die Rolle Candys in bezug auf die mögliche Verwirklichung des Traumes
von der eigenen Ranch definieren
die Reflexion Candys über die Erschießung seines Hundes am
Text belegen und versprachlichen
Geplanter Verlauf
Vergleich Film – Buchauszug (Fotos, Text). Filmszene 13/14 (~6 Min.).
Mündliche Wiedergabe des Inhalts. Filmszene 15 (~6 Min.). Gespräch
über die Rolle Candys für die potentielle Verwirklichung des
Traumes. Kurze Textarbeitsphase. Gespräch über Selbstreflexion
Candys.
Tatsächlicher Verlauf
Als Einstieg in die Stunde griff ich die Fragestellung der Hausaufgabe
(“How is Candy’s sadness expressed in the film and in the
novel version?”) auf. Die Schüler/innen bezogen sich zuerst
auf die Darstellung im Film und beschrieben die Bilder, in denen die Gefühle
Candys ihrer Meinung nach am besten zum Ausdruck kamen. He is very much
smashed down. He lies on his bed with closed eyes and tries to understand
and explain to himself what is happening to him. Im weiteren stellten
die Schüler/innen die Untermalung der Szene durch die traurig stimmende
Musik und Gestaltung des Raumes (Halbdunkel) als Mittel heraus, die emotionale
Stimmungslage Candys zu beschreiben. Aus dem Buchextrakt arbeiteten die
Schüler/innen die Passagen heraus, die mit der atmosphärischen
Gestaltung des Films vergleichbar sind: e.g. The silence came into the
room. And the silence lasted (Z.19). Candy looked for help from face to
face (Z.13). The silence fell on the room again. It came out of the night
and invaded the room (Z.24). Weiterhin stellten die Schüler/innen
fest, daß die Dialoge größtenteils im Film und in der
Buchversion übereinstimmten. Ohne dies noch zusätzlich zu kognitivieren,
sind den Schüler/innen durch diesen punktuellen Vergleich meines
Erachtens recht anschaulich einerseits die Parallelen und andererseits
die unterschiedlichen Ausdruckmittel der beiden Medien Buch und Film deutlich
geworden.
Die folgende Filmsequenz (“The life story of George and Lennie“)
enthält eine längere Dialogpassage zwischen George und Slim,
die von den Schüler/innen im Anschluß an die Seh/Hörübung
gut antizipiert wurde. Auch schwächere Schüler/innen meldeten
sich zu Wort und im Zusammenspiel der verschiedenen Beiträge konnte
der Inhalt innerhalb kurzer Zeit nahezu lückenlos rekonstruiert werden.
In der nächsten Filmpassage erfährt die Handlung insofern eine
Wende, als daß die Erfüllung des Traumes von der eigenen kleinen
Farm durch das Hinzutreten Candys plötzlich als realistische Möglichkeit
erscheint. Diesen Aspekt haben die Schüler/innen im Anschluß
an die Filmrezeption gut herausgearbeitet. Die Aufgabe, das Foto Nr.45
in den Kontext der Szene einzuordnen, stellte einen Bogen zum Anfang der
Stunde her, indem die Schüler/innen die Aussage Candys hervorhoben
I ought to have shot that dog myself. I shouldn’t let no stranger
shoot my dog, die somit für die Deutung des weiteren Handlungsverlaufs
(“Final Meeting“) als Bezugspunkt vorhanden ist.
Als Hausaufgabe sollten die Schüler/innen die Szene 18 (“Lennie
and Crooks“) vorbereitend lesen.
6. und 7. Stunde: “Lennie and Crooks” / “The Fight”
/ “Fatal Encounter in the Barn” / “The Final Meeting
between George and Lennie”
Stundenziele
Die Schüler/innen sollen
den Beziehungsaspekt in der Begegnung zwischen Lennie und Crooks herausarbeiten
und die Position Crooks‘ als die eines Outsiders näher umschreiben
im Vorfeld der Filmszene “The Fight“ Spekulationen über
die Kontrahenten und den möglichen Verlauf des Kampfes antizipieren
anhand der Szenen 19 und 21 Curley’s Wife charakterisieren
den besonderen Beziehungsaspekt in der Begegnung von Lennie und Curley’s
Wife erkennen und herausstellen
Vorahnungen entwickeln, welchen Verlauf die Begegnung nehmen wird
sich auf den Film, insbesondere auf das tragische und traurige Ende emotional
einlassen
die Filmszenen global verstehen
Geplanter Verlauf
Charakterisierung Crooks‘ (Textbezug). Gespräch über den
Verlauf der Begegnung Lennie – Crooks. Spekulationen über „The
fight“. Filmszenen 16 und 17 (~7 Min.). Rekapitulation des Inhalts.
Filmszenen 18 und 19 (~8 Min.). Deutung der Szene 19, Stellung von Curley’s
Wife. (Kleine Pause). Bearbeitung der Seiten 1819 (Stillarbeit). Inhaltliche
Erarbeitung im Unterrichtsgespräch. Film zuende sehen, d.h. Filmszenen
2023 (~26 Min.). Eventuell spontane Reaktionen. Erteilen der Hausaufgabe.
Tatsächlicher Verlauf
Ich begann die Stunde, indem ich Bezug nahm auf die vorbereitete Textpassage
und mit einem offenen Impuls fragte: What did you learn about Crooks?.
Die Schüler/innen charakterisierten die Außenseiterposition
Crooks‘ durch sein Farbigsein und beschrieben ihn als einsam, da
ihm der Kontakt mit den anderen Ranchbewohnern und eine Anteilnahme am
sozialen Leben auf der Ranch verwehrt sei (S.16, Z.17.20, S.17, Z.1417).
Ich verwies die Schüler/innen auf S.16, Z.43f (CROOKS: Suppose ...
George don’t come back no more. What you do then?), woraufhin sie
herausstellten, daß Lennie die Frage gar nicht verstehe bzw. sich
nicht vorstellen könne, wie ein Leben ohne George für ihn aussähe.
Eine Parallele sahen die Schüler/innen zwischen Crooks und Lennie,
da beide gewissermaßen eine gesellschaftliche Außenseiterposition
hätten.
Die Szene „The Fight“ ließ ich die Schüler/innen
nicht zu Hause vorbereiten, obwohl sie vom Filmablauf der Szene „Lennie
and Crooks“ vorgelagert ist, da ich das Spannungsmoment dieser Szene
nicht vorwegnehmen wollte. Ich knüpfte an die Filmszene der letzten
Stunde an und rief in Erinnerung, daß Curley in den Raum kam, und
fragte die Schüler/innen, was der Anlaß gewesen war. Sie rekapitulierten
den Zusammenhang der Szene und spekulierten nach meinem Impuls In the
next scene there will be a fight! Who do you think will be in the fight?
über mögliche Teilnehmer (Curley and Slim, Curley and George,
Curley and Lennie) und gaben Begründungen für ihre Vermutungen
an.
Es folgte die Präsentation der Filmszenen 1619 (~15 Min.). Anschließend
gingen die Schüler/innen in die kleine Pause. Es wäre denkbar
gewesen, nach der Rezeption des Films noch einmal auf die geäußerten
Vorerwartungen einzugehen, ich entschloß mich jedoch, mit Blick
auf die Zeit, das Augenmerk bereits zu Beginn der Stunde auf die Person
von Curley‘s Wife zu lenken, um damit gleichzeitig eine Überleitung
zur Szene 21 zu schaffen. Im folgenden mußte ich deutlich die Zeit
im Blick behalten, da die Schüler/innen in dieser Doppelstunde den
Film bis zu Ende sehen sollten und auf gar keinen Fall die Schlußszene
durch das Klingeln der Schulglocke unterbrochen werden durfte.
Zu Beginn der zweiten Hälfte der Doppelstunde ließ ich die
Schüler/innen den Inhalt der letzten Szene (“Another Encounter
with Curley’s Wife“) wiedergeben. Hier kamen verschiedene,
auch schwächere Schüler/innen zu Wort. Bei der Charakterisierung
von Curley’s Wife hoben die Schüler/innen besonders ihre Einsamkeit
und die Unzufriedenheit mit ihrer Lebenssituation (Hochzeit mit Curley,
Leben auf der Ranch) hervor. Mit der Fragestellung, was sie noch weiter
über Curley’s Wife erfahren würden, ließ ich die
Schüler/innen in einer Stillarbeitsphase die Seiten 18 und 19 des
Filmtextes erarbeiten. Dies diente gleichzeitig der sprachlichen Vorentlastung
der folgenden Filmsequenz. Im Anschluß an die Stillarbeitsphase
ergänzten die Schüler/innen ihre Beobachtungen über Curley’s
Wife und charakterisierten nach einem entsprechenden Impuls die Begegnung
bzw. Beziehung zwischen ihr und Lennie (They get familiar / They are somehow
in the same situation, which makes them equal). Dieser Aspekt hätte
noch vertieft werden können, jedoch ging ich in Anbetracht der Zeit
zu der Fragestellung über, wie die Szene wohl enden würde. Die
Schüler/innen vermuteten, Curley würde hereinkommen und Ärger
machen oder Curley’s Wife würde Lennie attraktiv finden und
ihn quasi verführen.
Um die Vorerwartungen deutlicher auf den tatsächlichen dramatischen
Verlauf der Szene hin zu provozieren, wäre es denkbar gewesen, die
von den Schüler/innen vorzubereitende Textpassage um die Zeilen 15
von S.20 zu ergänzen. So allerdings blieb den Schüler/innen
ein Überraschungsmoment erhalten.
Während der Filmpräsentation machte ich lediglich einen kurzen
Einschnitt nach Szene 21 (Where do you think Lennie is going?) . Schon
während dieser Phase war den Schüler/innen die emotionale Anteilnahme
anzumerken und äußerte sich am Ende des Films in echter Betroffenheit.
Bis zum Stundenende blieben noch einige Minuten, um die Eindrücke
des Films „sacken“ zu lassen. Ich wartete ab, ob die Schüler/innen
sich noch spontan äußern wollten, was aber angesichts der betroffenen
Atmosphäre nicht der Fall war und beschloß die Stunde, indem
ich noch das vorbereitete Arbeitsblatt für die Hausaufgabe verteilte.
6.3. Ausführliche Darstellung der achten Stunde: Reflexionen
über den Film
Zum Vorhaben
Die Stunde soll dazu dienen, einen Blick auf den Gesamtfilm zu werfen
und den Schüler/innen die Möglichkeit geben, ihre Seheindrücke,
besonders der letzten Stunde, zur Sprache zu bringen. Die Schüler/innen
sollen im weiteren ihr Augenmerk auf die bildliche, d.h. filmspezifische
Umsetzung einzelner Szenen richten, indem sie die für sie selbst
prägnantesten Eindrücke des Films (orientiert an den Standfotos)
benennen. Gleichzeitig soll ihnen die Konzeption des Films als eine literarische
Ganzheit bewußt werden, was sich z.B. in der Bezugnahme auf den
Anfang und das Ende des Films äußern kann.
Anhand der vorbereiteten Hausaufgabe und in Rückerinnerung an den
Verlauf der Geschichte, soll im weiteren die Frage diskutiert werden,
inwiefern das Ende “inevitable“ war und woran dies festzumachen
ist. Dabei soll das stilistische Mittel des “foreshadowing“
von mir eingebracht und von den Schüler/innen mit Beispielen belegt
werden. Anschließend soll nochmals ein inhaltlicher Schwerpunkt
insofern gesetzt werden, als daß die Schüler/innen im Gesamtblick
auf den Film die Hauptthemen (“themes“) benennen sollen, die
ihrer Meinung nach in der Erzählung eine zentrale Rolle spielen.
Diese werden von mir auf Tonkarton festgehalten, damit sie im Verlauf
der folgenden Stunden wieder aufgegriffen und vertieft werden können
(vgl. 10. Stunde). Mit dem Ziel der Schülerorientierung sollen die
Schüler/innen als Abschluß der Stunde auf vorbereiteten Karten
Fragen und Aspekte notieren, über die sie im Verlauf der verbleibenden
Stunden gerne reden und die sie vertiefen möchten.
Zur Vorbereitung auf die Stunde habe ich die gesamten Fotos (jeweils auf
DinA3Bögen) an der Wand angebracht und davor einen (zweireihigen)
Stuhlhalbkreis aufgebaut. Die Bilder stehen auf diese Weise auch optisch
als Medium im Mittelpunkt der Stunde und den Schüler/innen wird der
Film als Ganzheit präsentiert.
Stundenziele
Die Schüler/innen sollen
sich auf die Reflexion des Films anhand der Betrachtung der Bilder einstimmen
durch die Auswahl eines für sie prägnanten Fotos auf die zentralen
Szenen und ihre filmische Inszenierung aufmerksam werden
anhand der Bilder die Gesamtkonzeption des Films erkennen und interpretieren
den dramatischen Verlauf der Geschichte anhand der Frage nach der inevitability
des Endes herausarbeiten
Belege für die Technik des „foreshadowing“ herausfinden
und benennen
die inhaltlichen Schwerpunkte („themes“) der Geschichte herausarbeiten
eigene Vorschläge für die Behandlung weiterer Fragen und Aspekte
formulieren
Geplanter Verlauf
Einstimmung auf die Stunde (Sitzhalbkreis, Fotowand). Konzentration auf
einzelne Bilder/Szenen durch Auswahl der Schüler/innen. Unterrichtsgespräch
über die Konzeption des Films, die dramatische Entwicklung und die
Aspekte des „foreshadowing“. Herausarbeitung der Hauptthemen
der Erzählung. Sammeln von Fragen (Stillarbeit).
Tatsächlicher Verlauf
Die Stunde begann damit, daß zu Stundenbeginn (Donnerstag, 1. Stunde)
kein/e einzige/r Schüler/in da war. Innerhalb der nächsten fünf
Minuten kamen dann etwa sieben bis acht Schüler/innen, sieben weitere
mußten geholt werden, weil sie davon ausgegangen waren, daß
der Unterricht im Klassenraum anstatt wie in den Stunden zuvor im Filmraum
stattfand. Als der Unterricht dann gerade begonnen hatte, kamen noch einmal
zwei Schüler dazu. Die veränderte Raumgestaltung (Sitzhalbkreis)
war für eine größere Zahl der Schüler/innen wohl
eher etwas befremdlich, und es gelang mir zu Anfang nur schwer, eine gelockerte
Atmosphäre herzustellen.
Als ich die Schüler/innen dann aufforderte, sich anhand der Bilder
den Film noch einmal zu vergegenwärtigen – sie könnten
dazu auch nach vorne kommen und sich die Bilder aus der Nähe ansehen
– ergab sich zunächst die Notwendigkeit einer inhaltlichen
Wiederholung, da vier Schüler/innen in der letzten Doppelstunde nicht
anwesend waren und somit den Schluß des Films versäumt hatten.
Ich hatte zwar registriert, daß in der vorangegangenen Stunde die
betreffenden Schüler/innen fehlten, hatte diesen Aspekt aber in meiner
Stundenplanung nicht berücksichtigt. Die Schüler/innen wiederum
hatten sich ihrerseits nicht darüber informiert, was Gegenstand der
versäumten Doppelstunde gewesen war. So schob ich also eine inhaltliche
Wiederholung dergestalt ein, daß ich die anderen Mitschüler/innen
bat, mit bezug auf die Bilder den Schluß des Films nachzuerzählen.
Ich achtete hier darauf, daß verschiedene Schüler/innen zu
Wort kamen (Daniel, KaiOle, Andrea G.).
Diese Unterrichtsphase erwies sich als notwendig, um die betreffenden
Schüler/innen auf den gleichen Kenntnisstand zu bringen. Gleichzeitig
ergab sich dadurch ein zusätzlicher Redeanlaß, der sich auf
das echte Interesse gründete, den Mitschüler/innen möglichst
präzise und informativ den Inhalt des Films darzustellen. Die Seheindrücke
der vorangegangenen Stunde wurden versprachlicht, und immerhin drei Schüler/innen
hatten die Gelegenheit, eine längere Passage am Stück englisch
zu sprechen. Die investierte Zeit ging allerdings zu Lasten der verbleibenden
Unterrichtsschwerpunkte.
Die folgende Unterrichtsphase leitete ich mit der Frage ein: You already
had a closer look at the pictures which picture attracted your attention
most? Demir meldete sich als erster: The one of the last scene where George
stands behind Lennie with the gun. Patrick fuhr etwas allgemeiner fort:
I think also pictures where you can see a lot of emotions, like the first
one or the last one – and also pictures where you can see a lot
of action like in the fight. Dann Daniel: I am of Demir’s opinion,
it’s the picture when he says ”Turn around”. I think
the highest point of tension is between the pictures No.102 and 103. Ralf:
I think the last picture shows the biggest emotions.
Die Schüler/innen brachten hier sehr gute Ansätze, von denen
aus man gut auf filmphilologische Aspekte der Inszenierung hätte
eingehen können. Auch bot sich der Anfangsimpuls an, noch weitere
Schüler/innen in das Gespräch mit einzubeziehen. Daß es
in dieser Unterrichtsphase nicht zu einer weiteren Vertiefung kam, lag
in der Hauptsache daran, daß ich selber den Aspekt der Betrachtung
des Films als literarisches Medium nicht ausreichend genug in den Unterrichtsmittelpunkt
gestellt hatte. Im Nachhinein blieb diese Unterrichtsphase unbefriedigend,
da das Gespräch sich bereits in den o.g. Schüleräußerungen
erschöpfte. Gut wäre gewesen, wenn ich durch Nachfragen das
Erkenntnisinteresse der Schüler/innen stärker auf den Aspekt
der Inszenierung, z.B. auf die Bildeinstellungen gelenkt hätte. Dies
hätte u.U. nur weniger filmtechnischer Begriffe bedurft, um die charakteristischsten
Merkmale herauszuheben und hätte die Schüler/innen noch deutlicher
den Film als literarische Einheit erkennen lassen. Dennoch ist durch die
genannten Schüleräußerungen deutlich geworden –
und ich denke, dies gilt auch für die Schüler/innen, die sich
nicht zu Wort gemeldet haben daß allein durch die nachträgliche
Gesamtschau der Standfotos eine Sensibilität für die Gesamtkonzeption
des Films entstanden ist.
Die anschließende intensive Gesprächsphase bezog sich auch
auf die Gesamtkonzeption des Films, setzte aber – eingeleitet durch
den Impuls Was the ending inevitable? – einen inhaltlichen Schwerpunkt,
indem die Schüler/innen den Verlauf der Geschichte und die Konzeption
der Erzählung in seiner Zuspitzung auf das Ende hin antizipierten.
Es zeigte sich im Verlauf des Gesprächs, daß einige Schüler/innen
sich im Rahmen der Hausaufgabe zu der Fragestellung bereits Gedanken gemacht
hatten. Die rege Beteiligung an dieser Gesprächsphase zeigte außerdem,
daß die Fragestellung bei den Schüler/innen auf Interesse stieß.
It was clear that they wanted to kill Lennie, George couldn’t let
it happen that they kill him. / It was not the first time. George knows
(L: knew) it could happen again. / But it is the first time a woman was
killed, the woman before was only frightened. / I think George had enough
of Lennie, they always have to run away. / I think their dream was their
own farm and it’s kind of symbolic when Lennie talks about the farm
and George just blows this dream off his head with the shot. That was
the time when I think it‘s as if a big dream was over and George
knows that. Die letzte gute Schüleräußerung von Demir
weitete ich aus und fragte weiter Do you see any other “symbolic”
incidents in the story?. Hier arbeiteten die Schüler/innen im wesentlichen
die Parallele zwischen der Schlußszene und Erschießung von
Candys Hund heraus: Candy said it would be (L: would have been) better
if he himself shot (L: had shot) the dog. George knows that Lennie would
die so he thought it was better he died by his hand. Als dann eine Schülerin
auf die Parallele verwies, daß erst der kleine Hund sterben würde
und dann die Frau, brachte Daniel die berechtigte Frage ein, was daran
„symbolisch“ sei und daß diese Parallele mehr auf den
Verlauf der Geschichte bezogen sei als auf einen tieferen Sinn, der dahinterstünde.
Diese gute Beobachtung unterstrich ich und führte den Begriff des
“foreshadowing“ ein, woraufhin die Schüler/innen die
verschiedenen Bezugspunkte herausarbeiteten, in denen das Ende der Geschichte
bereits antizipiert wird (dead mouse in the beginning, fight with Curley,
sitting in the train in the first scene).
Als sich die Wortmeldungen erschöpft hatten, leitete ich zu der Unterrichtsphase
über, in der die Schüler/innen die Hauptthemen der Geschichte
anhand von “keywords“ erarbeiten sollten. Diese Phase lief
recht gut, da die wichtigsten thematischen Schwerpunkte (friendship, dreams,
quality of life, mercy killing, work, discrimination, violence, love,
loneliness) recht zügig von den Schüler/innen genannt und zum
Teil kurz erläutert wurden . Zu diesem Zeitpunkt bzw. zu Beginn dieser
Unterrichtsphase hatte ich leider die Uhr nicht deutlich genug im Blick.
Im Nachhinein wäre es möglicherweise besser gewesen, die Planung
umzustellen und zunächst die zuletzt geplante Phase anzuschließen,
in der die Schüler/innen Fragen und Aspekte formulieren sollten,
die sie noch weiter vertiefen möchten. So reichte zwar die verbleibende
Zeit der Stunde, um die Hauptthemen herauszuarbeiten, für die letzte
Phase blieb jedoch keine Zeit mehr. Die Aufgabenstellung in die Hausaufgabe
zu verlegen erwog ich zwar kurz, entschied mich zu dem Zeitpunkt allerdings
dagegen, da die von den Schüler/innen genannten Schwerpunkte auf
diese Weise nicht explizit in eine entsprechende Unterrichtsvorbereitung
auf die folgende Doppelstunde hätten einfließen können.
Im Nachhinein wäre dies, denke ich, machbar gewesen, hätte dann
allerdings für die folgende Stunde eine sehr offene Planung voraussetzen
müssen. Schade ist, daß durch den verzögerten Stundenbeginn
und die eingeschobene Wiederholungsphase die entsprechende Zeit am Ende
der Stunde fehlte und so die geplante Schülerorientierung in Form
einer Mitbestimmung von Schwerpunktthemen wegfiel.
9. und 10.Stunde: Georges moralisches Dilemma / Diskussion und Interpretation
der “Themes“
Stundenziele:
Die Schüler/innen sollen
den Konflikt Georges als moralisches Dilemma erkennen
die Implikationen und Konsequenzen der verschiedenen Handlungsalternativen
erkennen und bewerten
die Frage nach Lennies Schuld oder Unschuld erörtern
im Partnergespräch fremdsprachlich kommunizieren
Aspekte des realgeschichtlichen Hintergrundes anhand des Zitats von John
Steinbeck . erkennen und in den Diskussionszusammenhang einbeziehen
die zuvor erarbeiteten “Themes“ im Zusammenhang der Erzählung
interpretieren und zu einer vertieften Deutung gelangen
Geplanter Verlauf
Einstieg über Inhalt der Reflexionen Georges . Partnergepräch
über die ethische Beurteilung der Entscheidung Georges (Arbeitsblatt).
Unterrichtsgespräch über die ethischmoralischen Implikationen
der Entscheidung und dessen Bewertung. Einbeziehung des SteinbeckZitates
(OHP) (Kleine Pause) Präsentation der „Themes“. Erarbeitung
der einzelnen Themen (Stillarbeitsphase). Vertiefung im Unterrichtsgespräch.
Tatsächlicher Verlauf
In bezug auf die Fragestellung der Hausaufgabe antizipierten die Schüler/innen
zum einen Georges Reflexionen in Form eines Rückblicks auf sein Leben
mit Lennie (They did everything together, from beginning to end he walked
with Lennie), zum anderen rückte sehr schnell die Frage Georges in
den Mittelpunkt, ob er sein eigenes Handeln vor sich rechtfertigen könne:
He thinks about whether it was right to kill Lennie, if there had been
a chance to save his life / He has a bad conscience / There were two opinions
in him: in a way he loved Lennie on the other hand he didn’t see
another solution. Gleichzeitig brachten die Schüler/innen bereits
ihre eigene Position zum Ausdruck: But George hadn’t (L: didn’t
have) the right to kill Lennie. That is selfjustice, he should get (L:
have got) a fair trial. Hier leitete ich zunächst zur Partnerarbeitsphase
über. Die Schüler/innen diskutierten die statements auf dem
vorbereiteten Arbeitsblatt und trugen anschließend ihre Überlegungen
ins Plenum ein. Die Mehrheit der Schüler/innen war der Meinung, daß
George angesichts des Dilemmas die richtige Entscheidung getroffen hätte.
Lennie sei glücklich gestorben und es sei für ihn und für
George die beste Lösung gewesen. Die Gegenposition, George hätte
dennoch kein Recht dazu, Lennie zu töten, da das Töten grundsätzlich
ethischen Maßstäben zuwider laufe, kam etwas schwach von Sumit
und hätte von mir noch stärker provoziert werden können.
Um eine noch stärkere Akzentuierung der beiden Positionen im Bewußtsein
der Schüler/innen zu erreichen, wäre es auch gut gewesen, das
Ergebnis des Gesprächs an der Tafel zu visualisieren, was jedoch
verblieb.
Zu der Frage, ob Lennie unschuldig sei, äußerten die Schüler/innen:
He is innocent, he is only a big child and he is handicapped / Lennie
doesn’t want to kill her, he kills her by accident. Daniel stellte
daraufhin heraus: He doesn’t have the motivation of a murderer but
he is guilty. He is the one who killed her. Hier wäre es möglich
gewesen die Frage nach der Definition von „Schuld“ (Lennie
is innocent but also guilty) näher zu beleuchten und möglicherweise
auf die Frage nach der Schuldzurechnungsfähigkeit Lennies zu konzentrieren,
zumal der Aspekt der Behinderung Lennies als Rechtfertigung für seine
Unschuld von den Schüler/innen angebracht wurde. Stattdessen griff
ich die Aussage eines Schülers, Lennie hätte in eine Psychatrie
gehört und den darauf folgenden Einwand, so etwas hätte es zu
Beginn des 20. Jahrhunderts noch nicht gegeben, auf, um zu dem Zitat von
Steinbeck überzuleiten und damit einen landeskundlichen Aspekt in
das Gespräch einzubringen und einen Bezug zum Autor herzustellen.
Es ergab sich die Notwendigkeit der Klärung von Verständnisfragen
zum Textauszug, was durch entsprechende Annotationen etwas hätte
verkürzt werden können. Die Präsentation des Zitats erfüllte
jedoch den Zweck, eine neue Realitätsebene in das fiktionale Geschehen
der Geschichte einzubringen.
Ich nutzte die kleine Pause, um die Karten mit den “Themes“
neben der Tafel an der Wand anzubringen. Im Verlauf der folgenden Stunde
erwies sich die gewählte methodische Vorgehensweise als sehr kommunikationsfördernd,
da fast alle Schüler/innen am Unterrichtsgespräch teilnahmen
bzw. von mir einbezogen werden konnten. Die Schüler/innen erhielten
den Arbeitsauftrag, zu einem der angeschlagenen “Themes” in
drei bis vier Sätzen eine Deutung innerhalb der Geschichte zu formulieren.
Ein größerer Teil der Schüler/innen blieb hier zunächst
auf der Erzählebene der Geschichte, durch entsprechende Impulse konnte
jedoch das Unterrichtsgespräch auf die Deutungsebene gehoben werden.
Die Schüler/innen stellten auch Verknüpfungen zwischen den einzelnen
Themen her, so arbeiteten sie z.B. zu dem Aspekt dreams heraus, daß
es sich um den Traum eines besseren Lebens handele, dem Streben nach Unabhängigkeit
und Glück, der jedoch durch die vorherbestimmte Schicksalhaftigkeit
des Geschehens zwangsläufig zerstört würde. Ich lenkte
das Gespräch zum Schluß auf die Fragestellung, welche Lebenseinstellung
Steinbecks für sie in dieser Erzählung zum Ausdruck komme. Diese
wurde von den Schüler/innen mit den Begriffen realistic und disillusionment
umschrieben.
Die methodische Vorgehensweise in dieser Stunde erbrachte zwar eine hohe
Schülerbeteiligung, und es wurden auch viele gute Punkte genannt,
die zu einer tieferen inhaltlichen Erschließung der Erzählung
geführt haben; die Schwierigkeit bestand jedoch in der Vielzahl der
angesprochenen Aspekte, die noch besser hätten gebündelt werden
können. Eine Fokussierung hätte z.B. dadurch erreicht werden
können, daß sich die Schüler/innen im Vorfeld einigen,
welche der genannten Aspekte sie für die zentralsten Punkte halten,
um diese dann zu vertiefen.
In der Hausaufgabe zur folgenden Stunde (Bearbeitung einer Filmkritik)
haben die Schüler/innen die Möglichkeit, an Aspekte des Unterrichtsgesprächs
anzuknüpfen und für sie wichtige Punkte zu vertiefen .
11.Stunde: Inhaltliche und filmkritische Schlußbetrachtung
Stundenziele:
Die Schüler/innen sollen
den Aktualitätsbezug der Geschichte erkennen und an Beispielen belegen
eine filmkritische Stellungnahme abgeben und ihre Meinung begründen
die Unterrichtsreihe abschließend kritisch bewerten
Geplanter Verlauf
Einstieg über die Hausaufgabe. Erarbeitung der zentralen Aussagen
des Textes. Vertiefung durch die Frage nach dem Aktualitätsbezug
(Unterrichtsgespräch). Diskussion eigener filmkritischer Stellungnahmen.
Abschlußbewertung der Unterrichtsreihe anhand des Fragebogens (s.
Anhang).
Tatsächlicher Verlauf
Das Unterrichtsgespräch konzentrierte sich zu Beginn der Stunde auf
die Deutung der Überschrift „Crushed by Fate“, die von
den Schüler/innen im wesentlichen gut erarbeitet wurde. Ich verwies
anschließend auf die Textstelle, in der nach der „relevance
beyond ist time“ der Erzählung gefragt wird und gab diese Frage
an die Schüler/innen weiter. Die Ergebnisse des Unterrichtsgesprächs
hielt ich an der Tafel fest.
Tafelbild der 11.Stunde:
“Of Mice and Men” – a relevant story ?– search
for work / unemployment– discrimination / integration of handicapped
people in society– the dream of one’s own home– search
for real love– achievement of aims– independence– true
friendship
Zu den Fragen How did you like the film? und Would you recommend it to
others? äußerten sich die Schüler/innen nochmals zu inhaltlichen
Aspekten, die sie am Film gut fanden, bezogen sich aber auch auf die Wirkung,
die der Film auf sie hatte: When the movie ends you have to think about
it / the film is exciting. Ein Schüler bemerkte It‘s just about
tension and fate. You expect something, then something happens. Eine Schülerin,
die am Ende des Films große Betroffenheit gezeigt hatte, fand It‘s
a nice film but not so much for school. It’s hard to talk about.
Ein anderer Schüler äußerte It’s a very aesthetic
movie, there is no violence, it’s not cruel like other movies. Insgesamt
gab es keine Stimmen, die den Film nicht weiterempfehlen würden.
Mit den von den Schüler/innen geäußerten Eindrücken
ließ ich die Stunde ausklingen und verteilte nur noch die Fragebögen
zur Beurteilung der Unterrichtsreihe, die die Schüler/innen zu Hause
ausfüllen und in der nächsten Stunde anonym abgeben sollten.
7. Kritische Reflexion
Im folgenden möchte ich im Rückblick auf die Unterrichtseinheit
ein kritisches Fazit der didaktischen Überlegungen, der methodischen
Planung und der Durchführung ziehen. Dabei sollen nicht alle in den
Stundenbeschreibungen bereits reflektierten Sachverhalte nochmals aufgegriffen
werden, sondern lediglich diejenigen, die für die Gesamtbeurteilung
der Reihe relevant erscheinen. Wichtiger Bezugspunkt für die Reflexion
der Unterrichtsreihe ist die von den Schüler/innen teilweise recht
differenziert durchgeführte Bearbeitung des Fragebogens . Dies ermöglicht
mir, meine eigenen Reflexionen anhand der Aussagen der Schüler/innen
zu überprüfen und daraus Schlußfolgerungen für eine
erneute Durchführung dieser oder einer vergleichbaren Unterrichtsreihe
zu ziehen.
Die Entscheidung, John Steinbecks Erzählung „Of Mice and Men“
in Form der Literaturverfilmung von 1992 zum Gegenstand einer Unterrichtsreihe
zu machen, hat sich meines Erachtens als für die Schüler/innen
reizvoll und didaktisch sinnvoll erwiesen. Dabei hat zum einen die Auswahl
des literarischen Stoffes, zum anderen die didaktische Entscheidung, mit
dem Film zu arbeiten, zum Gelingen der Unterrichtseinheit beigetragen.
Bestätigt wird dies durch Aussagen von Schüler/innen, wenn diese
„die erzählte Geschichte“ und die „sehr interessante
und lebensnahe Lektüre“ als das für sie ansprechendste
Moment der Unterrichtsreihe herausheben. Andere Schüler/innen fanden
„den Film an sich“ oder „den Film dazu zu schauen und
einzelne Szenen zu besprechen“ besonders gut oder heben methodische
Aspekte hervor.
In ihrer Gesamtheit wird die Unterrichtsreihe von den Schüler/innen
positiv bewertet, gleichzeitig nennen sie auch einige Kritikpunkte, auf
die im Verlauf der kritischen Reflexion noch näher eingegangen werden
soll.
Hervorzuheben ist zunächst die insgesamt sehr rege mündliche
Beteiligung insbesondere auch einiger schwächerer Schüler/innen
während der gesamten Unterrichtsreihe. Dies spricht meines Erachtens
für das gewählte Vorgehen, aber auch für die Auswahl des
Unterrichtsgegenstandes.
Die didaktische Entscheidung, mit der Verfilmung anstatt der Buchlektüre
zu arbeiten, wurde von der Mehrzahl der Schüler/innen begrüßt.
Auch wurden die (fach)didaktischen Vorüberlegungen durch die Aussagen
der Schüler/innen teilweise bestätigt, wenn diese die Arbeit
mit dem Film deshalb gut fanden, „da die Stimmungen und die Atmosphäre
für uns deutlicher wird mit dem Film als auf der englischen Sprache
beschrieben“ oder „da einzelne wichtige Szenen eindringlicher
zur Geltung kamen“ . Auch das Erreichen einzelner Lernziele wird
dokumentiert, wenn eine Schülerin schreibt: „Außerdem
finde ich es gut, wenn man die Sprache ‚mal anders‘ hört,
denn es klingt ganz anders, als der Lehrer / die Lehrerin.“ Ebenso
bestätigen die Schüler/innen, daß der Film für sie
die Motivation und das Interesse unterstütze .
Ich möchte im folgenden zunächst die methodische Vorgehensweise
in der Arbeit mit dem Film, d.h. die 1. bis 7.Stunde reflektieren , um
anschließend auf die Nachbereitung des Films einzugehen.
Die sukzessive Erarbeitung, d.h. die Aufteilung des Films in verschiedene
Abschnitte wurde von den Schüler/innen unterschiedlich wahrgenommen.
Während eine Schülerin gut fand, „daß der Film in
relativ großen Abschnitten gezeigt wurde“ , fanden andere
die Teilung zu intensiv und hätten den Film gerne in längeren
Abschnitten gesehen. Ein Schüler schlägt vor, den Film lieber
„einmal ganz und dann immer in bestimmten Ausschnitten“ anzuschauen,
was jedoch bei der Mehrheit der Schüler/innen keine Zustimmung findet,
da sie die Aufteilung als notwendig zur Verständnissicherung und
Textvorbereitung ansehen. Ein großer Teil der Schüler/innen
empfand die Arbeit mit dem Filmtext als Hilfestellung zur sprachlichen
(und inhaltlichen) Erarbeitung des Films als gut und notwendig .
Die Rückmeldungen der Schüler/innen bestätigen damit die
Richtigkeit der methodischen Grundentscheidungen bezüglich der Einschätzung
der Leistungsfähigkeit der Lerngruppe. Mit einem Überhang an
eher leistungsschwächeren Schüler/innen (vgl. unter 2.1) wäre
die Gruppe durch ein anderes methodisches Vorgehen sprachlich überfordert
gewesen. Die Kritik, die Abschnitte seien zu kurz gewesen, würde
ich bei nochmaliger Durchführung aufgreifen und den Film in noch
größere Teile einteilen (hierfür könnten gezielt
die Doppelstunden genutzt werden). In eine entsprechende Vor bzw. Nachbereitung
der größeren Filmabschnitte könnten dann möglicherweise
noch deutlicher als es in der durchgeführten Unterrichtsreihe der
Fall war, die Standfotos des Films zum Einsatz kommen. Was die Nutzung
der Standfotos anbetrifft, halte ich im nachhinein die methodische Planung
für ungünstig, da die Fotos bei weitem nicht die Aufmerksamkeit
erfahren haben, die ihnen ursprünglich zugedacht war. Ich halte es
nach wie vor für sinnvoll, eine Bildreihe herzustellen und, wie dies
in der 8.Stunde geschehen ist, zur Gesamtpräsentation des Films zu
nutzen. Die Wahrnehmung und das Erkennen des Films als literarisches Ganzes
kann durch diese methodische Vorgehensweise herausgefordert werden und
ist, wie in der 8.Stunde deutlich wird, von den Schüler/innen auch
geleistet worden. Dies ist insbesondere deshalb von großem Wert,
da gerade durch die oben geschilderte Aufteilung ein Gesamteindruck des
Films leicht verloren gehen kann. Bei nochmaliger Durchführung würde
ich allerdings darauf verzichten, diese ausführliche Bildreihe den
Schüler/innen in Form von Fotokopien zur Verfügung zu stellen.
Bis auf den Einsatz der Fotos in der 2. und in der 4.Stunde hatten diese
größtenteils nur Dokumentationscharakter und wurden den Schüler/innen
meist nach der Rezeption der einzelnen Filmszenen zur Verfügung gestellt
. Zu überdenken wäre der Einsatz der Fotos für eine Hypothesenbildung
im Vorfeld der entsprechenden Filmsequenzen. Im nachhinein muß ich
sagen, daß eine „Dokumentation“ wenig Sinn macht, wenn
mit den Bildern nicht explizit gearbeitet wird. Dies ist lediglich im
Rahmen der o.g. Stunden in ausreichendem Maße geschehen. Ich ziehe
daraus die Konsequenz, entweder auf den Einsatz einer solchen Bildserie
zu verzichten oder für eine angemessene Betrachtung der Bilder mehr
Zeit zu investieren. Hier wäre dann aber zu überlegen, ob dies
nicht nur dann sinnvoll ist, wenn der Schwerpunkt der Unterrichtsreihe
auf der filmphilologischen Erarbeitung liegen soll. In der Planung habe
ich deutlich gemacht, daß ich für die vorliegende Reihe den
Schwerpunkt auf die inhaltliche Ebene legen und den Film im wesentlichen
„textimmanent“ erarbeiten wollte. Diesem Vorhaben ist die
Reihe in ihrer Planung und Durchführung meines Erachtens gerecht
geworden, so daß die Ansprüche der Literaturarbeit gewährleistet
blieben. Die Schüler/innen haben sich die wesentlichen Aspekte des
Inhalts und der Deutung der Geschichte erarbeitet, wie es auch in der
Beschreibung der Stunden und in der Bearbeitung der Hausaufgaben deutlich
wird.
Ich denke, der zeitliche Rahmen für die Filmerarbeitung war angemessen
und hat insgesamt genug Raum für die Vor und Nachbereitung der einzelnen
Filmsequenzen geboten. Wie oben bereits erwähnt, hätten einige
Teile etwas länger gewählt werden können. Vom methodischen
Vorgehen her würde ich die Einstiegsstunde in ähnlicher Weise
wieder so durchführen. Wenn möglich würde ich bei wiederholter
Durchführung die Einstiegsstunde in eine Einzelstunde legen, da der
gute Motivationseffekt meines Erachtens in der zweiten Doppelstunde etwas
abgeschwächt wurde. In der zweiten Hälfte der Doppelstunde stand
stärker der Erarbeitungsaspekt im Mittelpunkt, so daß die positiv
gespannte Atmosphäre etwas verloren ging (zumal es sich um eine 6.Stunde
handelte) . Im weiteren Verlauf der Filmerarbeitung habe ich relativ häufig
die Schüler/innen den Handlungsverlauf im Vorfeld antizipieren lassen
. Grundsätzlich ist dies eine gute und sinnvolle Vorgehensweise,
da die Schüler/innen gezielt Vorerwartungen aufbauen und die Rezeption
des Films dadurch gelenkt wird, daß sie diese während des Sehens/Hörens
überprüfen. Hier sollte ich zum einen verstärkt darauf
achten, daß während der Nachbereitung der entsprechenden Szenen
Zeit eingeräumt wird, die mit den Vorerwartungen übereinstimmenden
oder abweichenden Eindrücke auch im Nachhinein zu versprachlichen,
zum anderen sollte diese methodische Vorgehensweise nicht überbeansprucht
werden .
Manchmal entstand etwas Zeitdruck innerhalb einzelner Stunden, da die
Vorführphase des Films jeweils einen bestimmten zeitlichen Raum einnahm
und ich vermeiden wollte, daß einzelne Szenen durch das Klingeln
unterbrochen wurden. Die zeitliche Kalkulation in der Arbeit mit dem Film
ist mir, denke ich, im großen und ganzen gut gelungen . Dem Zeitaspekt
zum Opfer gefallen ist allerdings in einigen Phasen eine intensivere Textarbeit
. Hierauf würde ich bei einer erneuten Durchführung ein zusätzliches
Augenmerk haben.
Die Entscheidung, anhand einer Szene während der Filmerarbeitung
einen Vergleich mit dem entsprechenden Buchauszug einzuschieben, hat sich
– wie weiter unten deutlich werden wird bewährt. Noch differenzierter
hätte der Vergleich ausfallen können, wenn ich den Schüler/innen
z.B. ein Arbeitsblatt an die Hand gegeben hätte, das ihnen deutlichere
Kriterien zum Vergleich genannt hätte. An dieser Stelle wäre
dann zu überlegen, die entsprechende Szene (hier: „The killing
of Candy’s dog“) nochmals im Plenum zu zeigen, um die filmische
Umsetzung (z.B. des Satzes „The silence [...] came out of the night
and invaded the room.“) transparenter zu machen und ebenso die musikalische
Untermalung der Gesamtszene differenzierter einzubeziehen. Auch anhand
anderer Textpassagen wäre ein solcher Vergleich denkbar .
Als Gesamteindruck der methodischen Gestaltung der Filmerarbeitungsphase
bleibt zurück, daß meines Erachtens die Kurzweiligkeit des
Films und der Spannungsbogen der Erzählung gut erhalten bzw. der
Sache angemessen herausgearbeitet wurden.
Was die Beurteilung der Nachbereitungphase , d.h. der detaillierteren
Erarbeitung bzw. Vertiefung im Anschluß an die Filmrezeption betrifft,
so fand ein Teil der Schüler/innen diese gut und ausreichend oder
„mehr als ausführlich“. Eine Schülerin beurteilte
es als positiv, „daß wir den Film nicht zu sehr auseinandergenommen
haben. Wir haben wirklich nur über die wichtigsten Dinge gesprochen
und das reicht auch, sonst wird’s uninteressant.“ Dies trifft
nach meinem Eindruck für die Mehrzahl der Schüler/innen zu.
Nachdenkenswert für meine Reflexion sind jedoch Aussagen, in denen
andere Schüler/innen äußern, daß sie insbesondere
die Nachbereitung „zu kurz“ oder „zu einfach/oberflächlich“
fanden. Ich vermute, daß es sich dabei um leistungsstärkere
Schüler/innen handelt, da gleichzeitig der Vorschlag gemacht wird,
„verstärkt am Text [zu] arbeiten, z.B. Vergleiche mit Buchausschnitten,
etc.“ durchzuführen. Ein weiterer Schüler hebt den Wechsel
zwischen Buch und Film als besonders positiv heraus, hätte gerne
noch mehr Auszüge aus dem Roman gelesen oder am besten den Roman
anstatt der Dialoge aus dem Film . Dies bestätigt zum einen die Vorgehensweise
der 4.Stunde, anhand einer Szene den Vergleich zwischen Buch und Film
herauszuarbeiten. Gleichzeitig wird deutlich, daß für diesen
Schüler das Maß an „Literatur“, was innerhalb der
Unterrichtsreihe vermittelt wurde, möglicherweise nicht ausreichend
gewesen sein könnte. Deutlich nimmt er jedenfalls die mangelnde literarische
Qualität des Filmtextes wahr. Wie in der Planung erläutert wurde,
hätte eine Behandlung von Buch und Film angesichts der Leistungsfähigkeit
der Lerngruppe den vorgegebenen zeitlichen Rahmen deutlich gesprengt.
Zu überlegen wäre, ob im nachhinein hier z.B. eine Binnendifferenzierung
möglich gewesen wäre, indem den Schüler/innen freigestellt
wird, parallel zusätzlich den Roman zu lesen . Für den Unterrichtsfortgang
wäre, wie jetzt auch, der Film das zentrale Medium. Ein szenenbezogener
Vergleich zwischen Buch und Filmversion hätte dann von den entsprechenden
Schüler/innen vorbereitet oder zumindest dokumentiert werden können.
Dies wäre mit Sicherheit ein Gewinn im Hinblick auf eine stärkere
Schülerorientierung des Unterrichts gewesen.
Was die einzelnen Stunden der Vertiefungsphase im Anschluß an den
Film anbetrifft, so war die 8.Stunde vom Ansatz her zwar gut gewählt,
aber in seiner Schwerpunktsetzung nicht eindeutig genug. So hätte,
wie bereits in der ausführlichen Stundenbesprechung deutlich wurde,
die geplante Schülerorientierung nicht unberücksichtigt bleiben
dürfen. Den methodischen Ansatz, mit einer Art mindmap die zentralen
Themen herauszuarbeiten, die dann vertieft werden können, halte ich
nach wie vor für sinnvoll (vgl. die Darstellung und Reflexion der
9.Stunde). Gepaart mit einer qualifizierten Gesprächsführung
bietet diese Form der Unterrichtsgestaltung gute Möglichkeiten für
eine breite Schüler/innenbeteiligung und läßt auch individuelle
Schwerpunktsetzungen durch die Schüler/innen zu .
Die Zusatzmaterialien, die in den Stunden 9 (Zitat von J.Steinbeck) und
11 (Filmkritik) zum Einsatz gekommen sind, hätten noch etwas vertiefter
erarbeitet werden können, waren aber grundsätzlich gut geeignet.
Das Zitat würde ich jedoch um weitere Informationen über Steinbeck
erweitern, so daß die Schüler/innen sich auf die Weise ein
fundierteres Hintergrundwissen aneignen können. Möglich wäre
hier z.B. ein Auszug aus einem Text der Sekundärliteratur zu „Of
Mice and Men“ gewesen . Besonders die leistungsstärkeren Schüler/innen
wären dadurch noch einmal deutlicher gefordert gewesen. Auch hätte
durch einen zusätzlichen längeren Text das fremdsprachliche
„Input“ erhöht werden können. Was die sprachliche
Kompetenzerweiterung der Schüler/innen betrifft, so haben sie durch
das im Film benutzte Vokabular, welches durch das Lesen des Filmtextes
und die Nutzung im Unterrichtsgespräch umgewälzt wurde, eine
Erweiterung des Wortschatzes erfahren. Gleichzeitig hätte ich in
der Vermittlung von neuen Vokabeln noch deutlicher Akzente setzen können.
In der Reflexion über die Durchführung der Unterrichtsreihe
ist mir erneut deutlich geworden, welche zentrale Rolle der Faktor der
Gesprächsführung für das Gelingen guten Unterrichts spielt.
Es gab Phasen innerhalb der Reihe, in denen mir dies gut gelang; nach
meinem eigenen Empfinden – und dies wird mir durch die Rückmeldungen
der Schüler/innen bestätigt – liegen hier aber noch einige
Ausbaumöglichkeiten, die zu einem noch besseren Gelingen der Unterrichtsreihe
hätten beitragen können. Konkret heißt das, daß
insbesondere die von Nissen als „Multiplikation“ und „Nukleation“
beschriebenen Phasen , in denen das Vergleichen, Präzisieren und
Akzentuieren bzw. das Ordnen und Zusammenfassen von Gesprächsbeiträgen
der Schüler/innen im Mittelpunkt steht, noch weiterer Professionalisierung
bedürfen. Hieran möchte ich in der Zukunft noch gezielt weiterarbeiten.
Zuversichtlich bin ich allerdings, und habe an anderer Stelle (z.B. im
eigenverantwortlichen Unterricht) auch schon entsprechende Erfahrungen
gemacht, daß sich eine gewisse „Lockerheit“ im Verlauf
weiterer Unterrichtstätigkeit einstellen wird.
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