Sophie Scholl

Das kurze Leben der Sophie Scholl


 
Frau des 20. Jahrhunderts - ein Vorbild

Die von den Nazis hingerichtete Widerstandskämpferin,, Mitglied der Widerstandsgruppe "Weiße Rose" ist von den Leserinnen der Zeitschrift "Brigitte" zur "Frau des Jahrhunderts" gewählt worden. Sie erhielt mehr Stimmen als Rosa Luxemburg, Marie Curie,, Marion Gräfin Dönhoff, Simone de Beauvoir und Marlene Dietrich. (Ergebnis der Umfrage in "Brigitte" 2/2000)
 

Selbstbildnis als junges Mädchen, entstanden 1937/38

 
 
Sophie Scholl - Das kurze Leben der Sophie Scholl

 
Sophie Scholl wurde am 9. Mai 1921 in Forchtenberg in dem heutigen Baden-Württemberg geboren. Sie hatte vier Geschwister. Ihr Vater war inForchtenberg Bürgermeister, ihre Eltern hatten sich im ersten Weltkrieg in einem Lazarett kennen gelernt. Dort hatte Sophies Mutter als Krankenschwestergearbeitet. Sophies Vater musste dort für das Rote Kreuz verwundete Soldaten betreuen, denn er hatte als Pazifist den Kriegsdienst mit der Waffe abgelehnt.
 Soziales Engagement, liberale und fortschrittliche Vorstellungen beherrschten das Denken und Handeln der Eltern und damit auch die Kindheit von SophieScholl. Sie lernte in ihrem Elternhaus, sich eine eigene Meinung zu bilden und diese zu vertreten. Sie hatte ein stark ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl. Sie hatte den Mut zu protestieren und sich gegen Ungerechtigkeit zur Wehr zu setzen. Dabei handelte sie meistens bedacht, denn sie war ein nachdenklicher Mensch.
 Dieses wird deutlich in den vielen Texten, die sie geschrieben hat. Sie hat ein Tagebuch geführt, Briefe geschrieben, Aufsätze und kurze Geschichten verfasst.
 Sie besaß auch eine musikalische und zeichnerische Begabung. Da sie eine sehr begabte Malerin war, erwartete die Familie, dass sie nach dem Abitur in eine Kunstakademie eintreten werde. Sophie entschied sich aber für das Studienfach Biologie. Sie war der Meinung, dass man Kunst nicht lernen kann. 

 Sophie und ihre Geschwister verbrachten einen großen Teil ihrer Freizeit in der Hitlerjugend. Sophie und ihre drei Schwestern gehörten dem Bund Deutscher Mädel an. Ihr Vater hatte sie und ihre Geschwister vor dem Eingriff von Hitlers Regierung in die Freiheit der Meinung und des Glaubens gewarnt und deutlich gemacht, dass Hitler die Kriegsindustrie ankurbelt. Dennoch machte Sophie, ebenso wie ihre Geschwister die Aktivitäten der Hitlerjugend so engagiert mit,dass sie und ihre Geschwister bald zu Jugendführern wurden. 
 Für Sophie Scholl entstand jedoch bald ein Konflikt mit der Hitlerjugend. Sie konnte sich nicht mit dem Rassismus gegen die Juden abfinden. Wegen der Zugehörigkeit von Sophies Bruder zum verbotenem Jugendbund "Deutsche Jungenschaft vom 1.11." musste dieser fast fünf Wochen im Gefängnis verbringen.
 Trotz dieser Erfahrungen brach Sophie noch nicht mit dem Nationalsozialismus. Sie entwickelte aber eine gewisse Distanz zum Gruppenleben in der Hitlerjugend. Dieses geschah auch deshalb, weil sie schon bald gemerkt hatte, dass ein erheblicher Teil der Gruppenaktivitäten sinnlos war. 

 Nachdem Sophie Scholl im Jahre 1940 ihr Abitur bestanden hatte, begann sie eine Ausbildung zur Kindergärtnerin. Siehoffte, dass diese als Ersatz für den Reichsarbeitsdienst anerkannt würde. Denn die Aufnahme eines Studiums setzte eine halbjährige Tätigkeit beim Reichsarbeitsdienst voraus. Die Ausbildung wurde nicht anerkannt. Sie musste im April 1941 ihren Dienst in einem Lager antreten. Nach ihrer Tätigkeit im Reichsarbeitsdienst musste sie noch sech Monate Kriegshilfsdienst leisten. Im Mai 1942 nahm sie in München das Studium der Philosophie und Biologie auf. Sie wohnte zunächst im Hause von Professor Carl Muth. Er war Herausgeber einer von den Nazis verbotenen Zeitschrift. Es handelte sich um ein literarisch-philosophisches Blatt, das bei fortschrittlichen Katholiken in Deutschland hohes Ansehen genoss. Der Professor übte auf Sophies Bruder Hans und dessen Freunde einen erheblichen  Einfluss aus. 
 Die Universität München zählte zu den traditionsreichsten und reaktionärsten Universitäten Deutschlands. Mit Hilfe von Hochschullehrern und des nationalsozialistischen Studentenbundes wurde hier eine Bücherverbrennung organisiert. Unter den verfemten Autoren waren viele, die Sophie und Hans Scholl und ihre Freunde vereehrten. Sie hatten Bücher geschrieben, die der Auflehnung der Leser und damit auch der Vielleserin Sophie Scholl den Boden gegen den Nationalsozialismus bereiteten. Dabei handelte es sich unter anderem um Stefan Zweig, Thomas Mann und Erich Maria Remarque. Es hatte sich ferne herumgesprochen, dass Juden und geistig Behinderte von den Nazis brutal beseitigt wurden. Es wurde von Massendeportationen und -erschießung berichtet. Hans Scholl hatte das Leid in französischen Lazaretten gesehen. 
Alles das führte bei den Studenten um Hans Scholl zu dem Entschluss, in Flugblättern zum Widerstand gegen Hitler aufzurufen. Sophie Scholl nahme wohl schon bald nach ihrer Ankunft in München an den Besprechungen der Gruppe, die sich "Weiße Rose" nannte, teil. Sophie Scholls Motivation im Widerstand aktiv mit zuarbeiten, wurde verstärkt durch Erfahrungen aus der Arbeit  in einem Rüstungsbetrieb und die Gefängnishaft ihres Vaters, der verurteilt worden war, weil er Hitler "eine große Gottesgeißel" genannt hatte. Außerdem besaß sie eine ausgeprägte pazifistische Gesinnung. Diese wird in zahlreichen Briefen an ihren langjährigen Freund Fritz Hartnagel sichtbar. Dort äußerte sie
 sich entschieden gegen den Krieg und gegen jegliche Unterstützung der deutschen Soldaten durch Hilfslieferungen. Das hätte in ihren Augen nur eine Verlängerung des Krieges bedeutet: "Ob jetzt deutsche Soldaten erfrieren oder russische, dass bleibt sich gleich und ist gleichermaßen schlimm. Aber wir müssen den Krieg verlieren. Wenn wir jetzt Wollsachen spenden, tragen wir dazu bei, den Krieg zu verlängern." 
 In einem Gespräch mit einer Schulfreundin begründete Sophie ihr entschiedenes Eintreten für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus mit dem Satz:
 "Man muss etwas machen, um selbst keine Schuld zu haben." 

 Nachdem Sophie und Hans Scholl am 18. Februar 1943 in der Universität München an verschiedenen Stellen das letzte Flugblatt der "Weißen Rose" abgelegt  hatten, wurden sie an Ort und Stelle verhaftet. Am 22. Februar 1943 wurde Sophie Scholl neben ihrem Bruder Hans und einem weiteren "Mittäter" nach fünfstündiger Verhandlung von dem Volksgerichtshof unter Vorsitz seines Präsidenten Roland Freisler zur Hinrichtung durch das Beil verurteilt. Der Vorwurf  lautete: "Vorbereitung Hochverrat und Feindbegünstigung."

München 3.2.1943. Sophie und Elisabeth Scholl, 22 und 23 Jahre alt, unterhalten sich: 

Sophie: "Man müßte etwas tun, zum Beispiel Parolen auf Mauern schreiben." 
Elisabeth: "Ich habe einen Bleistift bei mir" 
Sophie: "Teerfarbe geht kaum ab." 
Elisabeth: "Das ist aber wahnsinnig gefährlich." 
Sophie: "Die Nacht ist der Freien Freund. " 
Zuhause sagt Hans zu seiner Schwester 
Sophie: "Wir haben eine großartige Überraschung für dich. Wenn du morgen durch die Ludwigstraße
gehst,wirst du ungefähr siebzig mal die Worte  "Nieder mit Hitler" sehen." 
Alexander: "Und mit Teerfarbe, die kriegen sie so schnell nicht wieder runter." 
( Am nächsten Morgen versuchen Putzfrauen die Meter hohe Inschrift " Freiheit" von der Fassade der
universität wegzuschmiergeln.) 
Sophieleise zu Elisabeth: "  Da können sie lange schrubben, das ist Teerfarbe." 
 

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