Bergen-Belsen 2010 

Zur Verantwortung erziehen

Tagesfahrt nach Bergen-Belsen brachte Hauptschüler zum Grübeln

Geschichte nicht nur mit dem Kopf lernen, sondern mit dem Herzen fühlen. Diese Erfahrung machten die Schüler der 9. und 10. Klassen der Carl-Stahmer-Schule in Georgsmarienhütte. Die Themen Drittes Reich, 2.Weltkrieg und die Judenverfolgung standen wie jedes Jahr auf dem Lehrplan. Doch in diesem Jahr wollte Geschichtslehrerin Dorte Hierse den Schülerinnen und Schülern den Lehrstoff wirklich, sozusagen körperlich und emotional, näherbringen.

Die drei Klassen fuhren am Dienstag zu der Gedenkstätte des Vernichtungslagers Bergen-Belsen, eine Klassenfahrt, die man nicht so leicht vergisst. „Natürlich hat mir meine Oma schon einiges über die schreckliche Zeit erzählt“, versucht Dominik, 15, seine Betroffenheit zu erklären. Deren Erlebnisse auf der Flucht am Ende des Krieges und welche Grausamkeiten sie unter der Naziherrschaft miterleben musste, kann sie bis heute nicht vergessen.

In der Gedenkstätte wurden diese Erzählungen und das Gelernte aus dem Unterricht lebendig, und Dominik wurde wie vielen seiner Mitschüler bewusst, dass so etwas nie wieder passieren darf: „Ich wünsche mir, dass ich mutig genug sein werde, um gegen solche Menschen zu kämpfen, damit nie wieder so etwas wie in Bergen-Belsen passiert.“ Genauso geht es der 15-jährigen Christina, die normalerweise ein überaus fröhliches Mädchen ist, die aber wie alle ihre Mitschüler in der Gedenkstätte ganz nachdenklich wurde. „Den Weg zu gehen, den damals auch die Gefangenen gegangen sind, zu wissen, dass dort Menschen in Massengräbern beerdigt wurden“, erzählt die Hauptschülerin, „das kann man nicht vergessen.“

Sie hat auch versucht, sich vorzustellen, wie es für die Überlebenden sein muss, jeden Tag an diese Erlebnisse im Lager erinnert zu werden, wenn sie die eintätowierte Nummer auf ihrem Arm sehen: „Das ist unvorstellbar.“ Und das einige Ältere heute behaupten, sie hätten damals nichts von den Vernichtungslagern gewusst, daran glaubt die 16-jährige Toska nicht: „Ich denke mal, die hatten damals auch Angst, selbst in ein solches Lager zu kommen, und haben deshalb weggesehen.“

Allerdings waren es auch die Machthaber damals, die gezielt falsche Informationen an die Bevölkerung gegeben haben, wie die Georgsmarienhütter Schüler in der Gedenkstätte erfuhren. Im Dorf nahe dem Lager hieß es lange, dort habe man Verbrecher eingesperrt. Erst als immer mehr Kinder ins Lager eingeliefert wurden, schöpften die Dorfbewohner Verdacht.

Falls in Zukunft wieder jemand die Menschen dazu bringen will, etwas so Grausames zu tun wie damals, muss jeder Einzelne etwas dagegen unternehmen und sich wehren, und die Hauptschüler haben nach dem Besuch in Bergen-Belsen begriffen, dass sie eine Verantwortung übernommen haben, dadurch, dass sie jetzt wissen, was passieren kann und wogegen man sich wehren muss.

Alle sind sich einig: „Jeder Mensch sollte mindestens einmal im Leben eine solche Gedenkstätte besuchen.“ Lehrerin Dorte Hierse wird zumindest in der Carl-Stahmer-Schule dafür sorgen, denn alle zwei Jahre werden die 9. und 10. Klassen eine solche Fahrt machen. Alle sollen aus der Geschichte lernen können

Autor: Susanne Pohlmann

 
     
 
     
 
     
 
     
 
     
 
     

 

 

 

 

 

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