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Terrassensysteme
System of Terraces

Landwirtschaftliche Terrassen sind auf der ägäischen Insel Naxos wie in vielen Teilen der Welt seit Jahrtausenden kultiviert worden. Terrassensysteme bieten die Möglichkeit auch steilere Hänge ackerbaulich nutzen zu können, was insbesondere in historischen Zeiten mit hoher Besiedlungsdichte auf Naxos bedeutsam war. Das Alter der Terrassen auf Naxos wird auf 5000 Jahre geschätzt (mdl. M. FRANGISKO, Aperathou 1996).

Heute spielen die Terrassen eine wichtige Rolle im Erosionsgeschehen, da sie in erhaltenem Zustand die Bodenerosion vollständig verhindern. Terrassensysteme dienen damit der Bodenerhaltung und garantieren eine nachhaltige, den landschaftlichen Gegebenheiten angepaßte Nutzung (LEHMANN 1994).

Terrassentypen
Types of terraces

Trockenmauerterrasse:
Dry stone wall terrace made out of cutted rocks:

stabilisierende Verblendung der senkrechtenTerrassenkante mit kantigen Bruchsteinen (Marmor, Granodiorit, Migmatit)

Lesesteinterrasse:
Dry stone wall terrace made out of collected stones:

stabilierende Verblendung der senkrechtenTerrassenkante mit abgerundeten Lesesteinen

Böschungsterrasse:
Terrace with out a stone wall:

geneigt Terrassenkante ohne Steinverblendung, z.T. Bewuchs mit Sträuchern, Zwergsträuchern und Kräutern.

Neue, maschinelle Terrasse:
New maschine-made Terrace:

jüngster, maschinell angelegter Terrassentyp, z.T. bis in das Untergrundgestein hineingearbeitet. Die Winkel ihrer aufgeschütteten Böschungen sind teilweise größer als 40°.

Neben den aufgeführten Terrassentypen kommen zahlreiche Übergangsformen und Varianten vor (LEHMANN 1994).

In der Antike wurden ursprünglich Trockenmauerterrassen gebaut, aus denen sich im Laufe der Jahrhunderte durch Zerfall und Restauration die anderen Typen entwickelt haben. Die Trockenmauern wurden mit Steinen aus dem umliegenden Gelände gebaut. Die im Konglomeratgebiet mit gerundeten Steinen und vereinzelten Blöcken aufgebauten Mauern (Lesesteinterrassenmauern) sind offensichtlich weniger stabil und neigen eher zum Verfall als die aus kantigen Blöcken errichteten Mauern. Infolge des Zerfalls der Mauern entwickelten sich Böschungsterrassen, die noch stellenweise Mauerreste aufweisen. Generell sind die Terrassenoberflächen eben, mit zunehmendem Zerfall gleichen sie sich immer mehr der allgemeinen Hangneigung an. Seit wenigen Jahren entstehen unter Einsatz von Maschinen "neue" Terrassen, die sogar in das anstehende Gestein hineingearbeitet werden (LEHMANN 1994).

Aufbau und Pflege Terrassentrockenmauern
Construction and maintenance of dry stone walls

Die Trockenmauer der Terrassen besteht aus Fundament, Sichtmauer und Hintergemäuer. Hinter der Sichtmauer aus Natursteinen folgt das Hintergemäuer, das aus Gesteinssplittern und Steinen besteht, die bei der Bearbeitung der Steine für die Sichtmauer anfallen. Es hat die Funktion den Bodendruck abzufangen und das Sickerwasser zu drainieren. Diesem stützenden Bauwerk folgt der Bodenkörper bzw. eine sog. Hinterfüllung (verlagerter Boden) und Reste des ursprünglichen (nicht verlagerten) Bodentyps. Der Bodentyp der Terrassen kann als Terrassen-Kolluvisol (anthropogen umgelagerter Boden) bezeichnet werden. Die wasser- und stoffhaushaltlichen Eigenschaften können jedoch in Abhängigkeit von Korngrößenzusammensetzung und Alter des abgelagerten Bodenmaterials und vom Gesteinsuntergrund sehr variieren.

Die Haltbarkeit unverfugter Terrassenmauern ist bei einem sachgerechten Aufbau groß. Ist die Dränage hinter der Mauer jedoch verschlämmt, bilden sich sog. Mauerbäuche. Durch winterliche Starkregen oder Bewässerung kann es dann schließlich zum Einsturz der Terrassenmauern kommen. Aufgrund ihrer besseren Stabilität haben sich unverfugte Bruchsteinmauern gegenüber Betonmauern zumeist behaupten können, auch wenn die Neuanlage und Instandhaltung der Trockenmauern arbeits- und kostenintensiv ist. Das Know-how über diese traditionelle Handwerkstechnik muß an nachfolgende Generationen weitergegeben werden. Erfahrene "Baumeister" haben Kenntnisse in der Verarbeitung (Abschlagen) und im Verbauen der "richtigen" Steine an der richtigen Stelle innerhalb der Mauer.

Intakte Terrassensysteme sind auf Naxos heute überwiegend nur noch in den ortsnahen, wasserreicheren Tälern wie z.B. im Tal Pera Chorio bei Aperathou (Apiranthos), bei Koronos, Filoti und Melanes zu finden. Auf ihnen werden vor allem Bewässerungskulturen wie Gemüse und Obst (Zitrusfrüchte) oder Rebkulturen und vereinzelt Futtergerste im Regenfeldbau angebaut. Auf den relativ breiten Terrassen der Tragea in unterer und mittlerer Hanglage stocken alte Olivenhaine und sommergrüne Wallonen- und Flaumeichenbestände (Gerbstoffgewinnung).

Terrassendegradation
Terrace degradation

Die ausgedehnten Terrassensysteme des zentralen Gebirgszuges von Naxos zeigen häufig mehr oder weniger deutlichen Zerfall. Alte Dreschplätze auch in Gipfellagen (z.B. am Koronos) deuten auf eine flächenmäßig ausgedehntere Ackernutzung in früherer Zeit hin. Heute kann die zeitaufwendige Pflege der Terrassen (ohne Subventionierung) nicht mehr geleistet werden. Die aus der Kultur genommenen, insbesondere ortsfernen Terrassensysteme verfallen zunehmend und sind in den Extensivweidegebieten zusätzlich dem Viehtritt der Ziegenherden ausgesetzt. Durch Mauerbrüche verursachte Rutschungen und andere Arten der Materialverlagerung durch Wasser und Wind führen in Kombination mit Viehtritterosion zum Verlust der teilweise humusreichen, tiefgründigen Böden bis hin zur Freilegung des anstehenden Gesteins.

Ein auf Terrassentyp basierendes Klassifikationsschema zur Beurteilung des Terrassendegradationsstadiums wurde von LEHMANN (1994) entwickelt.


Kermeseichenwald auf Marmor Kermes Oak Forest on Marble

Vegetation: Kermeseichen-Wald

Vegetation: Kermes Oak Forest

Boden: Kalksteinrotlehm

Soil: Red Soil

Bodenfeuchte

Soil Moisture

Felstrift auf Marmor Open Garigue on Marble

Vegetation: Felstrift

Vegetation: Open Garigue

Boden: Rendzina

Soil: Rendzina

Bodenfeuchte

Soil Moisture

Olivenhain Olive Grove

Vegetation: Olivenhain

Vegetation: Olive Grove

Boden: Mediterrane Braunerde

Soil: Mediterranean Brown Soil

Bodenfeuchte

Soil Moisture

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Last update on 10.05.1999 by Markus Zapke-Gründemann